Thiem nach Sieg über Nadal im Barcelona-Finale

    27. April 2019, 21:34
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    Beeindruckender Zweisatz-Erfolg über Sandplatzkönig und elffachen Barcelona-Sieger. Nadal erweist sich als fairer Verlierer. Thiem: "Spezieller Sieg"

    Barcelona – Dominic Thiem hat am Samstag einen historischen Erfolg gefeiert. Der 25-jährige Niederösterreicher avancierte zum ersten Spieler überhaupt, der Rafael Nadal im Halbfinale oder Finale des mit mehr als 2,7 Millionen Euro dotierten Tennis-ATP500-Turniers in Barcelona besiegen konnte. Thiem setzte sich in der Vorschlussrunde gegen den topgesetzten Spanier nach starker Leistung verdient 6:4,6:4 durch.

    Vierter Sieg auf Sand

    Der als Nummer drei gesetzte ÖTV-Star verkürzte nach einem packenden Fight im Head-to-Head mit dem "Sandplatzkönig" und elffachen Barcelona-Sieger auf 4:8. Seit 2016 gelang ihm jedes Jahr (2016 Buenos Aires, 2017 Rom, 2018 Madrid) ein Triumph gegen den ehemaligen Weltranglistenersten. Alle Siege feierte Thiem auf Sand.

    foto: ap photo/manu fernandez
    Thiems Siegerlächeln.

    Er ist damit der einzige Spieler auf der Tour neben dem Serben Novak Djokovic (sieben Siege), der Nadal auf diesem Belag zumindest viermal besiegt hat. "Ich bin sehr stolz, weil er der bester Spieler aller Zeiten auf dem Belag ist. Wir hatten immer großartige Matches, heute wieder, ich war einfach der Glücklichere", resümierte Thiem in einem ersten Interview auf dem Court.

    "Immer wenn ich Nadal schlagen will, erfordert das eine spezielle Leistung, die habe ich heute erbracht. Wenn er derjenige ist, der das Zepter in die Hand nimmt, kann man den Punkt eigentlich gleich beenden, weil er so gut wie verloren ist. Deshalb war es mein großes Ziel, dass ich der bin, der öfter die Kontrolle über die Punkte hat. Ich habe auch die meiste Zeit gut serviert. Es ist alles gut aufgegangen heute."

    Medwedew Finalgegner

    "Ich glaube auch, dass der 'Rafa' jetzt nicht auf seinem Toplevel gespielt hat, wie es letztes Jahr der Fall war in Madrid oder bei den US Open. Aber nichtsdestotrotz war es eine starke Leistung und ihn zu schlagen ist immer sehr speziell", so Thiem weiter. Sein Finalgegner am Sonntagnachmittag ist der Russe Daniil Medwedew, der gegen den Japaner Kei Nishikori mit 6:4,3:6,7:5 die Oberhand behielt.

    Thiem kämpft um seinen 13. Titel auf der Tour, den neunten auf Sand. Seinen bisher einzigen Turniersieg 2019 holte er in Indian Wells auf Hartplatz. Unabhängig vom Ausgang sind ihm 253.000 Euro an Preisgeld und 300 Weltranglistenpunkte bereits sicher. Thiem wird in jedem Fall Fünfter in der Rangliste bleiben.

    Thiem übernahm Initiative

    Beide Akteure starteten mit je zwei souveränen Aufschlagsspielen in die Partie, danach übernahm Thiem klar die Initiative, agierte mutiger und stellte Nadal mit extrem druckvollen Schlägen vor große Probleme. Der Niederösterreicher erarbeitete sich die ersten drei Breakchancen und verwertete die letzte davon aufgrund eines Doppelfehlers des Spaniers zum 3:2.

    Zu-Null zog er in der Folge auf 4:2 davon und war weiter in Fahrt. In einem Marathon-Game ließ Österreichs Nummer eins aber gleich vier Breakmöglichkeiten aus und zog nach fast einer Viertelstunde doch noch den Kürzeren.

    foto: apa/afp/pau barrena
    Nadal zog den Kürzeren.

    Bei eigenem Aufschlag zeigte Thiem dennoch keine Nerven, ließ im ganzen ersten Satz keine Breakchance zu und servierte mit seinem zweiten Satzball zum 6:4 aus. Der Gewinn des Satzes war leistungsgerecht, Thiem hatte in den meisten Statistiken die Nase vorne. Er schlug mehr Winner (11:9), ihm unterliefen weniger unerzwungene Fehler (13:15) und auch beim Aufschlag (2:0-Asse/0:4-Doppelfehler) hinterließ er den besseren Eindruck.

    Vorentscheidendes Break

    Gleich nach Wiederbeginn nahm die ohnehin enorm spannende Partie nochmals an Hochklassigkeit zu. Thiem hätte einen Start nach Maß hinlegen können, Nadal wehrte aber zwei Breakchancen des ÖTV-Spielers stark ab. Thiem ließ es weiter nicht so weit kommen, auch aufgrund eines tollen Rückhand-Winners, der die erste Chance Nadals auf einen Gamegewinn bei Aufschlag Thiems verhinderte.

    Der 32-jährige Spanier hatte bei seinem Aufschlag immer wieder deutlich mehr Mühe, auch da Thiem das eine oder andere Mal mit sehenswerten Stoppbällen für Aufsehen sorgte. Beim Stand von 2:2 erarbeitete sich Thiem mit einer einhändigen Rückhand zwei Breakbälle und nutzte die zweite davon dank eines leichten Vorhandfehlers von Nadal. Es sollte vorentscheidend sein.

    foto: apa/afp/pau barrena
    Thiem hatte den Ball gut am Schläger.

    Thiem schwächelte nur kurz vor dem Ausservieren, geriet da mit 0:40 in Rückstand. Mit einem Netzangriff, Stopp und Ass kämpfte er sich aber zurück ins abschließende Game und verwertete nach etwas mehr als zwei Stunden gleich seinen ersten Matchball. Der Ranglistenzweite Nadal hatte zuvor in 22 Partien in Barcelona in den entscheidenden beiden Runden nur einen Satz abgeben müssen.

    Fairer Verlierer

    Rafael Nadal gab sich als fairer Verlierer. "Ich war absolut konkurrenzfähig, aber er hat großartig gespielt und alles so gemacht, wie er es machen muss, um Erfolg zu haben", sagte der Spanier. Er selbst habe das Match genossen. "Ich habe mich das erste Mal wieder richtig gut gefühlt und bin happy, dass ich in dieser Woche einen Schritt nach vorne gemacht habe", so der 32-Jährige.

    Das Positive habe auch gegen Thiem überwogen. Als einen Grund für die Niederlage führte der elffache Barcelona-Sieger seine Aufschlagleistung an. "Das war ein wichtiger Faktor. Ich habe nicht so gut serviert und vor allem auch beim zweiten Aufschlag Probleme gehabt", analysierte Nadal.

    In Zukunft könnte Thiem auf jenem Thron landen, auf dem Nadal in seiner Karriere schon öfters war – der Weltranglistenspitze. "Warum nicht? Es gibt einige Spieler, die Nummer eins werden können. Es ist keine einfache Sache, aber er ist ein guter Spieler und harter Arbeiter", sagte der Ranglistendritte über einen seiner Verfolger.

    Noch ohne Satzverlust

    Thiem ist in Barcelona weiter ohne Satzverlust, nachdem er zuvor Diego Schwartzman, Jaume Munar und Guido Pella ausgeschaltet hatte. Die Finalteilnahme in Barcelona ist keine Premiere, 2017 hatte er gegen Nadal mit 4:6,1:6 verloren. Der Lichtenwörther könnte in die Fußstapfen von Thomas Muster treten, der in Barcelona 1995 und 1996 den Titel geholt hat.

    "Ich liebe das Turnier und will morgen noch einen weiteren Schritt machen, aber Daniil ist in der Form seines Lebens", rechnete Thiem mit harter Gegenwehr des als Nummer sieben gesetzten Russen. Die Partie startet nicht vor 16.00 Uhr und wird live auf Sky und ServusTV übertragen. (APA, 27.4.2019)

    foto: apa/afp/pau barrena
    Dominic Thiem hat Rafa Nadal über den Platz gescheucht.

    Head-to-Head Nadal – Thiem 8:4:

    2014 French Open (2. R.): Nadal 6:2,6:2,6:3

    2016 Buenos Aires (SF): Thiem 6:4,4:6,7:6(4)

    2016 Monte Carlo (AF): Nadal 7:5,6:3

    2017 Barcelona (Finale): Nadal 6:4,6:1

    2017 Madrid (Finale): Nadal 7:6(8)6:4

    2017 Rom (VF): Thiem 6:4,6:3

    2017 French Open (SF): Nadal 6:3,6:4,6:0

    2018 Monte Carlo (SF): Nadal 6:0,6:2

    2018 Madrid (VF): Thiem 7:5,6:3

    2018 Paris (Finale): Nadal 6:4,6:3,6:2

    2018 US Open (VF): Nadal 0:6,6:4,7:5,6:7(4),7:6(5)

    2019 Barcelona (HF): Thiem 6:4,6:4

    Die unglaubliche Ticker-Nachlese:

    Thiem scheucht Nadal über den Platz

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