Rapid verliert 3:4 gegen Hartberg

27. April 2019, 18:53
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Hütteldorfer erleiden Rückschlag in Qualifikationsgruppe. Aufsteiger beendet Sieglos-Serie

Rapid hat die Generalprobe für das Fußball-Cup-Finale am Mittwoch in Klagenfurt gegen Red Bull Salzburg verpatzt. Die Hütteldorfer verloren am Samstag vor eigenem Publikum gegen Hartberg ein überaus seltsames Match mit 3:4 (2:2) und kassierten damit im sechsten Spiel der Bundesliga-Qualifikationsgruppe die erste Niederlage.

Die Steirer gingen durch ein Eigentor von Christoph Knasmüllner (4.) und einen Elfmeter von Dario Tadic (14.) 2:0 in Führung. Rapid schlug in Form von Eigentoren durch Thomas Rotter (29.) und Michael Huber (35.) zurück. Treffer von David Cancola (65./Elfmeter) und Zakaria Sanogo (80.) brachten die Entscheidung, ehe Aliou Badji Resultatskosmetik gelang (84.). Rapid verlor nicht nur das Spiel, sondern auch Thomas Murg mit Gelb-Rot und Boli Bolingoli aufgrund einer Verletzung.

apa/herbert neubauer
Aliou Badji gegen David Cancola im Kampf um den Ball.

Muntere Partie

Die 13.100 Zuschauer im Allianz Stadion bekamen eine an spielerischen Höhepunkten arme, aber an Kuriositäten reiche Partie zu sehen. Die erste sonderbare Aktion ereignete sich in der vierten Minute, als Knasmüllner einen Hartberg-Corner per Kopf ins eigene Tor bugsierte.

Wenige Minuten später zog Rajko Rep allein aufs Rapid-Tor und wurde von Goalie Richard Strebinger, der im gesamten Match einige Unsicherheiten zeigte, auf der Strafraumlinie zu Fall gebracht. Den dafür verhängten Elfmeter verwandelte Tadic gleich zweimal – der erste Versuch musste wiederholt werden, weil Spieler zu früh in den Sechzehner gelaufen waren.

Rapid präsentierte sich in der Anfangsphase ohne Stammspieler wie die im Hinblick aufs Cupfinale vorerst geschonten Stefan Schwab und Murg in der Defensive ungeordnet und im Spiel nach vorne ideenlos. Dass die Wiener trotzdem schnell in die Partie zurückkamen, hatten sie Glück und zwei Standardsituationen zu verdanken.

apa/herbert neubauer
Hartberg jubelte.

Eigentor-Rekord

In der 29. Minute köpfelte Mert Müldür den Ball auf Rotter, von dem der Ball die Innenstange traf und danach wohl mit vollem Umfang die Torlinie überquerte – so sah es zumindest das Schiedsrichter-Gespann, das den Treffer anerkannte. Wieder sechs Minuten danach folgte die nächste skurrile Szene: Philipp Schobesberger brachte eine Freistoßflanke zur Mitte und der Ball fand via Müldür und Huber den Weg ins Netz.

Der Treffer wurde offiziell als Eigentor gewertet, womit die Partie in die Geschichte einging. Noch nie zuvor hatte es in einem Bundesliga-Spiel drei Eigentore gegeben. Nach dem Seitenwechsel wurde vermehrt das gegnerische Gehäuse ins Visier genommen, zunächst vor allem von den Spielern Rapids – Schüsse von Knasmüllner verfehlten das Ziel knapp (57., 60.).

Als die Hütteldorfer Führung nur eine Frage der Zeit zu sein schien, ging Hartberg neuerlich in Führung. Cancola fiel nach einem Duell mit Marvin Potzmann, Schiedsrichter Christopher Jäger entschied umstrittenerweise auf Penalty, den der angeblich Gefoulte verwertete (65.).

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Rapid betrieb noch Ergebniskosmetik.

Murg-Kurzeinsatz

Zu diesem Zeitpunkt war Murg gerade einmal vier Minuten auf dem Platz – und verabschiedete sich fünf Minuten später schon wieder. Zunächst sah Rapids derzeit wohl formstärkster Kicker wegen eines Fouls Gelb und danach wegen Schiedsrichter-Kritik offenbar Gelb-Rot. Damit wäre Murg im Cupfinale spielberechtigt. Fehlen dürfte hingegen Bolingoli, der in der 74. Minute nach einem harten Einsteigen von Sanogo verletzt ausgetauscht wurde.

Der Übeltäter sorgte in der 80. Minute – bezeichnenderweise in einer Eigentor-ähnlichen Situation – für die Entscheidung. Sanogos Weitschuss wurde von Maximilian Hofmann unhaltbar abgefälscht. Das 3:4 aus Rapid-Sicht durch Badji (84.) kam zu spät, die hektische Schlussphase brachte nichts mehr ein.

Damit gelang den Hartbergern im vierten Duell mit Rapid in diesem Jahr der erste Sieg und der erste volle Erfolg überhaupt nach 14 Matches. Ihr Vorsprung auf Schlusslicht Wacker Innsbruck beträgt weiterhin zwei Punkte. Rapids Polster auf den Zweiten Mattersburg schrumpfte hingegen auf zwei Zähler. (APA, 27.4.2019)

Fußball-Bundesliga – 28. Runde, Qualifikationsgruppe

SK Rapid Wien – TSV Hartberg 3:4 (2:2). Wien, Allianz Stadion, 13.100, SR Jäger

Tore: 0:1 ( 4.) Knasmüllner (Eigentor)
0:2 (14.) Tadic (Elfmeter)
1:2 (29.) Rotter (Eigentor)
2:2 (35.) Huber (Eigentor)
2:3 (65.) Cancola (Elfmeter)
2:4 (80.) Sanogo
3:4 (84.) Badji

Rapid: Strebinger – Potzmann, Müldür, Hofmann, Bolingoli (74. Auer) – Martic (46. Schwab), D. Ljubicic – Thurnwald (61. Murg), Knasmüllner, Schobesberger – Badji

Hartberg: Swete – Blauensteiner, Huber, Rotter, Flecker (79. Ilic) – Kainz (63. Sanogo), Heil, Cancola, Camara – Tadic (46. Rasswalder), Rep

Gelb-Rot: Murg (70./Foul, Schiedsrichterkritik)

Gelbe Karten: Strebinger, Hofmann, Potzmann, Schobesberger bzw. Heil, Sanogo

Stimmen

Dietmar Kühbauer (Rapid-Trainer): "Es waren in diesem Spiel viele Dinge dabei, die ein bisschen eigenartig waren. Wir waren schnell hinten, haben das aufgeholt und sind in die Gänge gekommen. In der zweiten Hälfte war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis unser drittes Tor fällt. Dann kommt leider eine unglückliche Entscheidung, und dann bekommen wir noch das vierte Tor durch einen abgefälschten Schuss. Wir hätten durchaus noch einen Elfer bekommen können, aber Elfer gab es heute nur für Hartberg. Ich habe den Jungs nichts vorzuwerfen, wir haben heute schwer zu kämpfen gehabt. So eine Niederlage muss uns stärker machen und noch enger zusammenschweißen."

Stefan Schwab (Rapid-Kapitän): "Es war eine sehr, sehr kuriose Partie mit dem glücklicheren Ende für Hartberg, wir hätten einen Punkt verdient gehabt. Wir müssen jetzt aber den Kopf oben halten und uns gut für Mittwoch vorbereiten. Wir sind gefestigt genug. Ich bin mir ziemlich sicher, dass uns diese Partie nicht bricht."

Richard Strebinger (Rapid-Torhüter): "Heute ist alles zusammengekommen, was an Pech zusammenkommen kann. Wir müssen mitnehmen, dass wir immer wieder zurückgekommen sind."

Markus Schopp (Hartberg-Trainer): "Es war eine skurrile Partie mit einem tollem Start für uns. Wir haben aus sehr wenig zwei Tore gemacht, der Gegner ist relativ schnell zurückgekommen. In der zweiten Hälfte hatte Rapid ein Übergewicht, wir hatten diesmal Glück in der Offensive und Defensive. Wir haben dann aber nicht die Sicherheit auf den Platz gebracht, die wir hätte bringen müssen. Das 3:4 hat noch unnötige Spannung gebracht. Dennoch bin ich froh über die drei Punkte, die sind in unserer Situation sehr wichtig. Wir haben noch vier Spiele, die extrem viel Bedeutung haben. Es werden extrem intensive Wochen, um am Ende dieses unglaubliche Ziel zu erreichen, in der Liga zu bleiben."

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