Revolution für arme Regionen: Ultraschallgeräte für Smartphones

    30. April 2019, 11:00
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    Mit dem Butterfly IQ ist erstmals ein Ultraschallgerät in der Größe eines Rasierers auf dem Markt, das breite Unterstützung erfährt und große Hoffnungen weckt

    Was in Europa reine Routine ist, wird 4,7 Milliarden Menschen weltweit meist immer noch vorenthalten: eine Ultraschalluntersuchung bei Schwangerschaften, Verdacht auf Lungenentzündung oder zur Untersuchung von Geschwüren. Grund dafür: Die relativ teuren Geräte – die Preise bewegen sich im fünf- bis sechsstelligen Bereich – sind oft nur in Ballungszentren verfügbar und somit für viele Menschen in ländlichen Regionen armer Ländern schwer erreichbar. Zudem sind sie aufgrund ihrer Größe kaum transportierbar.

    Der nun für den internationalen Einsatz zertifizierte Butterfly IQ soll dieses Problem lösen und die medizinische Gesundheitsversorgung demokratisieren.

    butterfly network
    Momentan ist das Gerät nur mit iPhones und iPads kompatibel.

    Das handliche Ultraschallgerät ist in etwa so groß wie ein handelsüblicher Rasierapparat, wiegt etwas mehr als 300 Gramm und erlaubt dank der integrierten, kabellos aufladbaren Batterie einen durchgehenden Einsatz von bis zu zwei Stunden, was für einen herkömmlichen Arbeitstag ausreichen sollte. Die Ultraschallbilder landen direkt am Smartphone.

    Zahlreiche Mediziner in den USA sowie Hilfsorganisationen weltweit verwenden das rund 2.000 Euro teure Gerät bereits, um in der eigenen Praxis oder dem Krankenhausbetrieb flexibler zu sein oder um Menschen weltweit einen besseren Zugang zu Ultraschalluntersuchungen zu bieten.

    Bedeutende Unterstützer

    Die Bill and Melinda Gates Foundation und weitere Philanthropen unterstützen das Projekt bereits mit Millionenbeträgen und helfen momentan vor allem dabei, die Kosten für Schulungen zur adäquaten Handhabung der Geräte zu decken. Derzeit wird auch an einer Software gearbeitet, um laufend neue Tutorials zu veröffentlichen, die in der entsprechenden Lizenz inkludiert sind.

    Das Unternehmen selbst hat bereits Geräte in 13 Ländern mit besonders schwacher wirtschaftlicher Entwicklung geschickt, um die Gesundheitsstandards zu verbessern und lebenswichtige Diagnosen zu stellen. Ärzte können das Gerät an zahlreiche kompatible Apple-Smartphones und -Tablets anschließen, dort Daten und Videomaterial leicht speichern oder zur besseren Diagnostik versenden und für Trainingszwecke mit Kollegen besprechen.

    Training notwendig

    Die "New York Times" begleitete kürzlich ein Team von Ärzten in Afrika, die mit dem Butterfly IQ zahlreiche Menschen untersuchten. Dabei stellte sich heraus, dass der technische Fortschritt auch wichtig ist, um den Einsatz von Antibiotika in geregelte Bahnen zu lenken. Von 91 mit Verdacht auf Lungenentzündung untersuchten Kindern hatte nur eines tatsächlich die lebensbedrohliche Erkrankung, die starke Medizin erfordert. Auch weil Diagnosemöglichkeiten bisher schlecht waren, erhielten laut Gesetzeslage in Uganda trotzdem alle Kinder Antibiotika. In Zukunft könnten dank besserer Kenntnis tatsächlich nur jene Medikamente verschrieben bekommen, die sie tatsächlich brauchen.

    foto: butterfly network
    Innerhalb von fünf Stunden ist der Butterfly IQ wieder voll geladen.

    Neben Lungen-, Nerven- oder Herzerkrankungen können etwa auch Schwangerschaften besser behandelt werden. Wenn die lokalen Gesundheitsexperten in mindestens 80 Prozent der Fälle zu den gleichen Diagnosen wie die amerikanischen Experten kämen, sei ein erster großer Schritt gemacht, zeigen sich die Experten selbstbewusst. Schon jetzt aber wird der Butterfly IQ immer öfter genützt und rettet täglich Menschenleben. (faso, 30.4.2019)

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