Kritik an Reform der Bundesmuseen

    27. April 2019, 09:00
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    Bundesmuseen erhalten ab 2020 eigenen Generalsekretär. Experten sind skeptisch und vermissen langfristige Strategie

    Im Jahr 2016 stolperte die frühere Belvedere-Direktorin Agnes Husslein über Compliance-Verfehlungen. Der damalige Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) verordnete nach der Nichtverlängerung von Hussleins Vertrag eine Beruhigungspille. Die Bundesmuseen, zu denen neben dem Belvedere die Albertina, das Mak, das Technische und das Kunsthistorische Museum sowie das Mumok und die Nationalbibliothek zählen, sollten einem Reformprozess unterzogen werden.

    Experten erarbeiteten in monatelanger Arbeit ein "Weißbuch" mit Empfehlungen. Federführend waren Ex-Mumok-Chef Edelbert Köb, Danielle Spera (Direktorin des Jüdischen Museums Wien) und Wolfgang Muchitsch, Chef des Grazer Joanneums. Ihr Befund: Man jammere prinzipiell auf hohem Niveau, denn die Museen hätten sich nach ihrer Ausgliederung aus der Staatsverwaltung ab dem Jahr 2000 hervorragend entwickelt, wachsende Besucherzahlen sprächen im Grunde für sich.

    Einzig: Die Kunstmuseen würden mehr gegen- als miteinander arbeiten, teils ihre gesetzlich festgelegten inhaltlichen Profile missachten und dem Heischen nach Quote ihren wissenschaftlichen Auftrag unterordnen. "Die ehemaligen 'Fachgeschäfte' haben sich inzwischen teilweise zu 'Supermärkten' entwickelt. Ins Angebot wird alles genommen, was Quote bringt, bevorzugt Moderne und Gegenwartskunst", sagt Edelbert Köb dem STANDARD.

    Keine inhaltliche Einmischung

    Das Kulturministerium sollte daher stärker steuernd eingreifen, so die damalige Empfehlung der Expertengruppe. Zum Beispiel über die Einrichtung eines ständigen wissenschaftlichen Beirats. Ganz so kam es nicht: Zwar wurde eine neue Bundesmuseenkonferenz eingerichtet, in der sich die Direktoren und das Ministerium besser abstimmen; auf das Terrain, inhaltlich und sammlungsstrategisch mitreden zu wollen, begab man sich aber nicht. Drozdas Nachfolger Gernot Blümel (ÖVP) lässt stattdessen nun eine neue GmbH gründen, die sich um sogenannte shared services kümmern soll: Gemeint ist, Synergien im administrativen Bereich zu heben, etwa bei Ticketing, Depot oder Versicherung.

    Bringen soll das laut Blümel Einsparungen in Millionenhöhe, Geld, das wiederum in die inhaltliche Arbeit der Häuser fließen soll. Dafür sorgen soll ein neuer Generalsekretär als Chef der GmbH. Eine inhaltliche Einmischung ist von der Person dezidiert nicht gewünscht. Der Posten soll im zweiten Halbjahr 2019 ausgeschrieben werden, über das Anforderungsprofil würden derzeit Gespräche mit den Museumsdirektoren stattfinden, heißt es aus dem Kulturministerium. Die Autoren des "Weißbuchs" stimmt das skeptisch.

    Person auf Augenhöhe mit Direktoren

    Wolfgang Muchitsch sagt dem STANDARD, dass alles davon abhänge, "ob die Person mit den Direktoren auf Augenhöhe sein und von diesen akzeptiert wird". Ziel müsse "natürlich" sein, neben "shared services" auch eine inhaltliche Profilschärfung der Museen zu erreichen. Das müsse "unter Wahrung der wissenschaftlichen und künstlerischen Freiheit der Direktoren" möglich sein.

    "Shared Services" seien "ein Lieblingsthema der Politik", sagt Köb, "die Potenziale dafür werden aber von Praktikern und Kennern der Wiener Situation als marginal eingestuft." Was Köb vermisst, ist ein langfristiger strategischer Plan für die Weiterentwicklung der Museen, besonders was die Sammlungspolitik betrifft.

    In der Vergangenheit sei das Gegenteil passiert: "Die für die Künstler geforderte Freiheit wird auch von den Museumsdirektoren beansprucht. Über Gesetze und Verordnungen wurde hinweggesehen, oder sie wurden punktuell, ohne Berücksichtigung des großen Ganzen, geändert. All das wurde von einer überforderten Politik zugelassen. Sie hat es versäumt, intern Steuerungsinstrumente zu schaffen. Die Fachabteilung wurde reduziert, inhaltliche Kompetenz abgebaut, das einzige Kontrollinstrument, die Museumskuratorien, schlecht aufgestellt", kritisiert Köb.

    SPÖ fordert Kollektivvertrag

    Nicht ganz so drastisch sieht es Danielle Spera. Sie lobt die Museen grundsätzlich, denn ihr Programm werde "mit beträchtlichem Erfolg angenommen". Eine inhaltliche Profilschärfung der einzelnen Häuser und ein "langfristiges Leitbild" sei dennoch erforderlich. Schließlich forderte nach einer Prüfung der Albertina zuletzt sogar der Rechnungshof eine bessere Abstimmung der Museen.

    Die SPÖ, selbst jahrelang für die Kulturtempel des Landes verantwortlich, kritisiert nun Blümels Zaghaftigkeit. Aktuell erinnert man den Kulturminister aber auch daran, dass die Mitarbeiter der Bundesmuseen noch immer keinen Kollektivvertrag haben. Ob dergleichen unter "shared services" fällt, wird Blümel noch definieren müssen. (Stefan Weiss, 27.4.2019)

    • Die Albertina lockt unter Direktor Klaus Albrecht Schröder zwar ungemein viele Besucher an, Experten aber kritisieren die Sammlungspolitik des Hauses. Von der gesetzlichen Museumsordnung hat man sich weit entfernt.
      foto: apa

      Die Albertina lockt unter Direktor Klaus Albrecht Schröder zwar ungemein viele Besucher an, Experten aber kritisieren die Sammlungspolitik des Hauses. Von der gesetzlichen Museumsordnung hat man sich weit entfernt.

    • Sie wurden 2016 beauftragt, eine Museumsreform vorzubereiten. Viel sehen sie davon nicht umgesetzt: Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien,  Joanneum-Chef Wolfgang Muchitsch und Ex-Mumok-Direktor Edelbert Köb. (v.l.n.r)
      foto: apa/imago

      Sie wurden 2016 beauftragt, eine Museumsreform vorzubereiten. Viel sehen sie davon nicht umgesetzt: Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, Joanneum-Chef Wolfgang Muchitsch und Ex-Mumok-Direktor Edelbert Köb. (v.l.n.r)

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