Amadeus Awards 2019 vergeben: Austropop namens Eh-Scho Wurst

    26. April 2019, 14:23
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    Die Planziel-Erreichungspreise 2019 verliefen erwartungsgemäß

    Man könnte angesichts dieser Preisverleihung an Hans Sachs in Wagners Die Meistersinger von Nürnberg denken. Ein toleranter Mann, der zur Versöhnung und Ausgleich aufruft, zwischendurch aber auch einmal in einem resignativen, an Majestix aus Asterix erinnernden Moment meint: "Euch macht Ihr’s leicht, mir macht Ihr’s schwer."

    Bei der 19. Verleihung der seit einigen Jahren doch wieder – zwecks Bildungsauftrag, heimischer Musik oder Ist-ja-egal-kost-ja-nix – in ORF 1 übertragenen Show der Amadeus Austrian Music Awards aus dem Wiener Volkstheater holten sich alle Menschen, deren Musik ordentlich gestreamt wird, ihre jährlichen Planziel-Erreichungspreise ab. Weil man bis zuletzt nicht wusste, ob nicht Andreas Gabalier auftaucht und uns aus dem Fernseher neueste gesellschaftspolitische Betrachtungen aus dem Bereich Sexy kundtut (Cis-Männer, Gender-Issues, LGBT, Knödelkochen kann es, mein Weibi!), wurde die Sause vom ORF wie immer zur Sicherheit zeitversetzt übertragen.

    Tränen im Zirbenstüberl

    Gabalier kam aber zwecks Planzielüberfüllung bei den Umsätzen, die es rechtfertigen, dass er keinen weiteren Amadeus für das Nachtkastl braucht, auch heuer eh nicht. Dafür zeigten Conchita und/oder Wurst, deren drittes Standbein als im Dialekt singender Austropper namens Eh-Scho Wurscht wahrscheinlich längst in den Startlöchern für das Weihnachtsgeschäft steht (Kumm, großa schwoaza Phenix!), nackten Po und Männerliebe. Das führte in einem Zirbenstüberl in der Steiermark wahrscheinlich dazu, dass jemand dort sich aus Fremdscham vor dem Kreuz an der Wand auf ein Holzscheitl kniete und Rotz und Wasser in das Schnäuztüchl der Großmutter heulte.

    Die diversen Preise gingen an die EAV für ihr Lebenswerk. Der junge Wiener Josh. machte mit Cordula Grün den Song des Jahres. Ina Regen (Album) und Mavi Phoenix (FM4) vertraten Oberösterreich im breiten Dialekt. RAF Camora siegte in der Sparte Straßenkampf. Parov Stelar, der James Last der Generation Laptop, holte sich als Elektroniker den achten Amadeus. Die Mayerin siegte im Fach Rotweißkariert. Der ORF solidarisierte sich mit der provinziellen Veranstaltung und inszenierte dementsprechend. Hans Sachs meint: "Wahn! Wahn! Überall Wahn! Wohin ich forschend blick’." (Christian Schachinger, 26.4.2019)

    • Die Mayerin ("Guade Söh") erhielt den Amadeus in der Sparte Volksmusik und Schlager.
      foto: apa

      Die Mayerin ("Guade Söh") erhielt den Amadeus in der Sparte Volksmusik und Schlager.

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