Die immerwährenden Revolten der Jugend

    29. April 2019, 12:00
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    Eine Sonderausstellung im Haus der Geschichte in St. Pölten erklärt den Alten die Jugend – und umgekehrt

    Das Konzept der Ausstellung "Meine Jugend – Deine Jugend: Eine Generation schreibt Geschichte" im Museum Niederösterreich ist einfach erklärt: Beim Eintritt nimmt sich jeder Gast einen farbigen Button, der ihn als Mitglied "seiner" Generation markiert.

    Dann hantelt er sich mit Klebepunkten in derselben Farbe durch die Ausstellung und kann immer wieder selbst "mitarbeiten", also seinen Senf dazugeben, wenn etwa gefragt wird: "Was ist dir bei deinen Freunden wichtig?" Oder auch: "Welche Drogen hast du schon genommen, und in welchem Alter?"

    foto: daniel hinterramskogler
    Das eigene Zimmer, inklusive Videospielen und schmutzigem Gewandhaufen, ist auch Teil der Ausstellung.

    So entsteht – ein Herzstück der Ausstellung – nach und nach eine Art Umfrageergebnis, das dem Besucher aufzeigt, ob er ähnlich oder ganz anders tickt als die anderen. Eine Frage, die Menschen generationenübergreifend beschäftigt.

    "'Die Jugend' als Einheit gibt es nicht", sagt Mitkuratorin Andrea Thuile. Mehr als hundert Jugendliche mit unterschiedlichen Lebenswelten aus Wien und Niederösterreich haben bei der Gestaltung mitgewirkt. In Workshops wurden 13 Themenbereiche erarbeitet: Die erste Liebe, Schule, Mode, Jugendsprache und ihre Tücken, Schönheitsideale und das eigene Zimmer gehören beispielsweise dazu.

    "Wofür wir kämpfen"

    Ein Teilbereich der Ausstellung ist Jugendbewegungen von den 1968ern bis zu den Fridays For Future gewidmet. Letztere bessern das Image der heutigen Jugend wieder, denn ein Trend, der sich abzuzeichnen drohte, war das fehlende politische Engagement der derzeitigen Teenager: Dass die Revolte der Jungen nicht abreißt und dass Protestparolen nicht gegen lahme Facebook-Likes ausgetauscht wurden, ist derzeit anhand der regelmäßigen Schülerproteste gegen die Klimapolitik zu beobachten. Schilder mit politischen Slogans können jedenfalls bereits innerhalb der Ausstellung designt werden.

    Veganismus, Instagram & Co: Religionsersatz?

    Der Sojabohne als religiösem Symbol wird in einer Ecke, wo man sich der Spiritualität widmet, gehuldigt – denn selbst der Veganismus kann als Religion herhalten. Es ist eine vergleichsweise kleine Station der Ausstellung – die befragten Jugendlichen, darunter auch Geflüchtete, räumen der Religiosität keinen großen Platz in ihrem Leben ein. Auch zu Instagram gibt es eine eigene Station, denn: "Bilder und Bildsprache werden immer wichtiger", sagt Mitkurator Benedikt Vogl. In der Vergangenheit habe sich öffentliches Fotomaterial vielfach auf Bilder von berühmten Persönlichkeiten in Fotoshoots beschränkt. Heute hingegen würden täglich tausende Selfies mit ähnlichen Posen ins Internet gestellt.

    Der STANDARD steuerte übrigens buchstäblich den Rahmen der Sammlung bei – an der Außenwand der Ausstellung sind an vier Stationen Videos mit dem Titel "Teenager erzählen" zu sehen: Acht Jugendliche schildern darin ihren Alltag und erklären, was ihnen im Leben wichtig ist. Die gleichnamige Videoserie lief im STANDARD vom vergangenen Oktober bis Jänner 2019. (Stefanie Schermann, 26.4.2019)

    foto: daniel hinterramskogler
    Auf diesen Bildschirmen lassen sich die STANDARD-Videos abspielen. Graffitis des Künstlerkollektivs HSC zieren die Außenwand der Sonderausstellung.
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      foto: daniel hinterramskogler
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