Die Profiteure der Klimakatastrophe

    28. April 2019, 14:00
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    Ernteausfälle, Unwetter, Flucht – das Aufheizen des Klimas kennt nur Verlierer. Fast. Es gibt auch Konzerne, die Profit aus der Erderwärmung schlagen

    Ein Hurrikan bahnt sich an. Küstenorte werden evakuiert. Einheimische verlassen ihre Häuser, die Touristen sind längst ausgeflogen, Hotels zu Notunterkünften geworden. Bilder, die man als Österreicher meist nur aus dem Fernsehen kennt. Lösen die Bilder bei den meisten Mitleid aus, so erwecken sie bei anderen den Geschäftssinn. 2017 sah etwa der US-Investor Rod Hinze in den durch den Klimawandel ausgelösten Katastrophen vor allem die Chance, Geld zu verdienen. Viel Geld.

    Damals sorgte der sukzessive Temperaturanstieg am Ende des Sommers für extreme Wetterphänomene an der Ostküste der USA. So wie es auch anderswo immer häufiger der Fall ist. Während Hinzes Konkurrenten angesichts ausbleibender Besucher ihre Anteile an den örtlichen Hotels rasch abstießen, investierte Hinze genau in diese Unterkünfte, wie er später der Wirtschaftsnachrichtenseite Bloomberg erzählen sollte. Denn so rasch der Wert der Hotels für Touristen gefallen war, so rasch sollten die Hurrikans Harvey und Irma die Nachfrage nach Hotels als Notquartiere hochschnellen lassen. Der Klimawandel führte damals zu hunderten Toten und dreistelligen Milliardenschäden. Für Hinze hat er sich gelohnt.

    Solarenergie für Ölpumpen

    Er ist nicht der einzige Profiteur der Klimakatastrophe: Unlängst widmeten die New York Times dem fragwürdigen Geschäftsgebaren des US-Ölriesen Exxonmobil eine Reportage. Denn ausgerechnet dieser Konzern, der aufgrund eigener Forschungen seit den 1970er-Jahren über die desaströsen Folgen seines Treibens bestens Bescheid weiß, brüstet sich nun mit Investitionen in Wind- und Solarkraft. Bis 2021 sollen 500 Megawatt an grünem Strom im Herzen der texanischen Ölindustrie, dem sogenannten Permbecken, produziert werden. Die makabere Pointe: Mit dem günstigen und sauberen Strom will Exxon die Kosten für sein energieintensives Fracking senken, um in Zukunft noch mehr Öl aus der Erde pumpen zu können.

    Es geht aber noch perfider, wie die internationale NGO-Kampagne Unfriend Coal aufdeckt: Versicherungen verdienen viel Geld mit Leistungen, die Hausbesitzer und Betriebe gegen Umweltschäden absichern. Der teuer bezahlte Schutz wird jedoch auch Berg- und Kohlekraftwerken angeboten – also jenen, die die schmutzigste Form der Energiegewinnung aktiv betreiben und damit den Klimawandel forcieren. Das lukrierte Vermögen aus beiden Töpfen investieren die Versicherungen laut der Studie dann perfiderweise erneut in Konzerne, die von fossilen Brennstoffen profitieren.

    Die Macht des Einzelnen

    Doch es gibt auch Positives zu vermelden. Aufgrund des öffentlichen Drucks steigen immer mehr Versicherer aus dem Geschäft mit der schmutzigen Energie aus. Und immer mehr lokale Initiativen beginnen, sich gegen die Klimasünder zu wehren. "Friends of the Earth Netherlands" etwa reichte Klage gegen den Ölkonzern Shell ein, da dieser doppelt so viel Treibhausgase verantwortet wie alle Einwohner Hollands zusammen.

    Dazu könne jeder Einzelne etwas tun, wie Adam Pawloff, Klimaexperte bei Greenpeace, gegenüber dem STANDARD erklärt. Einer der wirksamsten Hebel: Veranlagungen und Versicherungen nur bei jenen Anbietern abzuschließen, die nicht in fossile Brennstoffe investieren. Ein weltweiter Trend, der in Österreich aber noch kaum angekommen ist. Auch Johannes Wahlmüller, Energieexperte bei Global 2000, sieht die Konsumenten gefordert. Die Umweltorganisation bietet auf ihrer Website einen Leitfaden für all jene an, die Energie und Wärme aus umweltfreundlicheren Quellen beziehen wollen.

    Die Rettung rechnet sich

    Langfristig gesehen gibt es für politische Entscheider und Wirtschaftstreibende ohnehin keine Gründe, die Klimakrise weiter zu befeuern: Bereits 2006 warnte der ehemalige Weltbank-Chefökonom Nicholas Stern in einem 650 Seiten starken Bericht, dass die globale Erwärmung uns alle teuer zu stehen kommen wird. Handeln wir nicht, könnten die Folgeschäden in den kommenden Dekaden 20 Prozent oder mehr des weltweiten Bruttoinlandsprodukts verdampfen. Die Reduktion der Treibhausgase würde hingegen nur rund ein Prozent des BIPs kosten.

    Mit der Rettung der Welt ist also in Zukunft für alle weitaus mehr Geld zu machen als mit ihrer Zerstörung. Das sollte dann sogar die Ölmagnaten überzeugen. (Zsolt Wilhelm, 28.4.2019)

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    • Mit der Rettung der Welt ist in Zukunft weitaus mehr Geld zu machen als mit ihrer Zerstörung. Das sollte sogar die Ölmagnaten überzeugen.
      foto: ap photo/gerald herbert

      Mit der Rettung der Welt ist in Zukunft weitaus mehr Geld zu machen als mit ihrer Zerstörung. Das sollte sogar die Ölmagnaten überzeugen.

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