Interkulturelle Schulmentoren als Vorbilder und Kulturvermittler

    25. April 2019, 10:53
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    Akademiker mit Migrationshintergrund unterstützen Schüler mit ähnlichem Hintergrund

    Wien – Sie sind Vorbilder, Lernhelfer und Vermittler zwischen den Kulturen: Seit fast zehn Jahren helfen Akademiker mit ähnlichem Hintergrund Schülern mit Flucht- oder Migrationserfahrungen im Schulalltag und sind Schnittstelle zwischen den Kindern, Eltern und Lehrern. Derzeit wird das Projekt "Interkulturelles Mentoring" an 25 Schulen in Wien und Niederösterreich angeboten.

    Gedacht ist das Angebot für jene Kinder, die wegen einer anderen Erstsprache oder einer Lernschwäche besondere Unterstützung brauchen, erzählt Projektleiterin Susanne Binder im Gespräch mit der APA. Sie ist eine der Vortragenden beim ersten Österreichischen Integrationskongress heute, Donnerstag, in Wien.

    Positivbeispiele

    Die Mentoren sind allesamt Studenten oder Absolventen diverser Studienrichtungen und haben selbst Wurzeln im Ausland oder Fluchterfahrung, zwei Drittel von ihnen sprechen Arabisch beziehungsweise Türkisch. Mit den Schülern teilen sie nicht nur Migrations- oder Fluchterfahrung, sondern auch Erlebnisse im Schulsystem. Die Mentoren sollen Positivbeispiele dafür sein, dass ein Hochschulabschluss auch für jene erreichbar ist, deren Eltern aus einem anderen Land kommen oder selbst keine höhere Bildung haben. "Sie zeigen, dass Bildung etwas Wichtiges ist", betont Binder.

    In der Praxis helfen die Mentoren unter anderem indem sie vormittags oder nachmittags mit einzelnen Schülern oder kleinen Gruppen den Stoff noch einmal durchgehen. Wenn möglich und nötig kann das auch in der Muttersprache der Schüler passieren. Teils werden an den Standorten – großteils Volksschulen, aber auch Neue Mittelschulen und eine Sonderschule – auch Projekte etwa zu sozialem Lernen durchgeführt.

    Kommunikation mit Eltern

    Eine wichtige Aufgabe ist zudem die Kommunikation mit den Eltern oder das Vermitteln bei Missverständnissen, die durch die unterschiedlichen Sprachen oder kulturellen Hintergründe zustande kommen. Den Eltern falle es manchmal leichter, bei den Mentoren nachzufragen als bei den Lehrern, sagt Binder.

    Die gemeinsamen Erfahrungen mit Migration beziehungsweise Flucht und Schule würden für eine spezielle Verbindung zu den Schülern sorgen, schildert Mentorin Naciye Cigci. "Sie sehen mich als eine der ihren, ich bin mehr in einer Schwesterrolle als einer Lehrerrolle." Immerhin wüssten die Schüler genau, dass sie nicht für ihre Beurteilung zuständig sei. "Sie trauen sich dann auch mehr nachzufragen."

    "Teil der Familie"

    Die Schüler würden immer wieder von ihrer Familie und ihrer Geschichte erzählen. "Ich bin wie ein Teil ihrer Familie", sagt Cigci. Diese Art von Beziehung und das Gefühl, dass jemand an sie glaube, habe wiederum positive Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen, so Binder.

    Architekturstudentin Cigci, die aus einer Arbeiterfamilie kommt, hätte sich für ihre eigene Schulzeit selbst jemanden gewünscht, der sie auf ihrem Bildungsweg unterstützt. "Wir mussten uns das damals alles selber erarbeiten." (APA, 25.4.2019)

    • Interkulturelle Schulmentorinnen und Schulmentoren sollen helfen, Hürden abzubauen.
      foto: imago / wolterfoto

      Interkulturelle Schulmentorinnen und Schulmentoren sollen helfen, Hürden abzubauen.

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