Ehe von Commerzbank und Deutscher Bank gescheitert

    25. April 2019, 10:53
    10 Postings

    Im Lauf des Tages soll es eine Mitteilung zu den formellen Gesprächen geben, die seit Mitte März laufen

    Frankfurt – Die Fusionsgespräche zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank sind gescheitert. Nach gründlicher Prüfung seien die Vorstände der beiden Banken zu dem Schluss gekommen, dass ein Zusammenschluss mit der Commerzbank keinen ausreichenden Mehrwert bieten würde, teilten die Deutsche Bank und die Commerzbank am Donnerstag mit.

    Die zwei größten deutschen Privatbanken führten seit Mitte März formelle Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss, durch den die mit weitem Abstand größte deutsche Bank entstehen sollte. Allerdings wären bei einem Zusammenschluss auch mehrere zehntausend Jobs weggefallen – in den beiden Frankfurter Zentralen und den tausenden Filialen. Die Gewerkschaften liefen deshalb seit dem Bekanntwerden der Fusionspläne Sturm. Auch große Investoren der Deutschen Bank, darunter das Emirat Katar und der chinesische Mischkonzern HNA, sahen das Unterfangen skeptisch.

    Viele Hindernisse

    Zuletzt war immer klarer geworden, dass es womöglich zu viele Hindernisse für ein Zusammengehen gibt – angefangen von der Struktur einer neuen Bank, deren Geschäftsmodell, der Finanzierung des Deals bis zu dem erwarteten Jobkahlschlag. Insider hatten die Chancen auf eine Fusion oder Übernahme der kleineren Commerzbank durch die Deutsche Bank allerdings lange als 50 zu 50 bewertet. Vor allem Commerzbank-Chef Martin Zielke galt als Befürworter einer Kombination der beiden Frankfurter Häuser. Das gilt auch für den größten Aktionär der Commerzbank, den Bund.

    Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär Jörg Kukies, der frühere Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, galten als Unterstützer eines Deals, weil sie einen nationalen Bankenchampion wollten, der die heimischen Firmen im Ausland begleiten kann – für die stark auf den Export ausgerichteten deutschen Unternehmen ist das von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Von Seiten der Aufseher – zuständig ist die Europäische Zentralbank (EZB) – waren zuletzt eher skeptische Töne zu hören.

    Plan B

    Bei einem Scheitern des Deals steht vor allem die Deutsche Bank zunächst mit leeren Händen da und muss nach Ansicht von Beobachtern relativ schnell einen Plan B auf den Tisch legen – möglicherweise mit weiteren harten Einschnitten. Der Branchenprimus will seine Zwischenbilanz nach dem ersten Quartal am Freitag veröffentlichen. Analysten rechnen mit einem deutlichen Gewinnrückgang. Die Commerzbank könnte unterdessen das Interesse einer ausländischen Großbank auf sich ziehen – unter anderem hat Insidern zufolge die italienische Großbank Unicredit ein Auge auf das Institut geworfen. Auch die niederländische ING-Bank gilt als Interessent. (Reuters, 25.4.2019)

    • Die Deutsche Bank braucht nach Einschätzung von Beobachtern einen Plan B.
      foto: reuters/pfaffenbach

      Die Deutsche Bank braucht nach Einschätzung von Beobachtern einen Plan B.

    Share if you care.