Römischer Grabbau und frühmittelalterliche Kirchen in Osttirol freigelegt

    25. April 2019, 06:00
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    Archäologen stoßen nach elfjähriger Grabungspause auf Fundamente aus dem 2. Jahrhundert

    foto: florian müller, innsbruck
    Das Fundament des römischen Grabbaus kommt ans Licht.

    Matrei – Archäologen der Universität Innsbruck haben bei der St. Nikolauskirche in Matrei in Osttirol Überreste sowohl aus römischer als auch aus frühmittelalterlicher Zeit freigelegt. Besonderes Interesse galt dabei dem römischen Grabbau – es handle sich dabei um den bisher einzigen seiner Art in der Region, erklärte Archäologe Florian Müller, der die Grabungsarbeiten leitete.

    Die St. Nikolauskirche stammt aus dem 12. Jahrhundert. Bereits Mitte der 1990er-Jahre waren aber die Reste einer Vorgängerkirche aus dem 9./10. Jahrhundert sowie ein dazugehöriges Gräberfeld freigelegt worden. In den Jahren 2007 und 2008 wurde dann im Zuge weiterer Grabungen ein dritter Kirchenbau entdeckt.

    Lange Nutzungsgeschichte

    Als die Grabungen nun wieder aufgenommen wurden, seien aber "zur großen Überraschung der Archäologen" in tieferen Schichten massive Fundamentmauern zum Vorschein gekommen, die von einem rechteckigen römischen Grabbau stammten. Bereits bei früheren Grabungen konnte in diesem Bereich eine Urnenbestattung aus dem 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung freigelegt werden.

    "Trotz der reichen Funde aus römischer Zeit im Bereich der Römerstadt Aguntum östlich von Lienz handelt es sich dabei um den bislang einzigen bekannten römischen Grabbau in Osttirol", so Müller. Der Archäologe verweist auf die über 1.800-jährige Nutzungsgeschichte des Platzes und hält es für keinen Zufall, dass die Fundamente der beiden frühmittelalterlichen Kirchen das Areal des römischen Begräbnisplatzes überdeckten. Christianisiert sei Osttiroler Raum bereits im 6. Jahrhundert gewesen. (APA, red, 25. 4. 2019)


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