Mediterrane Diät an Affen getestet

    5. Mai 2019, 10:00
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    US-Forscher setzten Javaneraffen zwei verschiedene Ernährungsvarianten vor – und es zeigten sich tatsächlich Unterschiede

    foto: ap photo/jerome favre
    Javaneraffen werden in der medizinischen Forschung sehr häufig eingesetzt – nun auch in einem ungewöhnlichen Langzeitexperiment.

    Winston-Salem – Die Ergebnisse dieses Versuchs sind mit Vorsicht zu genießen – aber einige interessante Aspekte beinhaltet er doch. Und zwar wollten Forscher der Wake Forest School of Medicine einen Vergleich zwischen der vielgerühmten "mediterranen Diät" und der aus ernährungstechnischer Sicht zumeist geschmähten "westlichen Ernährungsweise" anstellen. Neu waren in diesem Fall die Probanden: nicht-menschliche Primaten.

    Seine Auswahl begründete das Team um Carol A. Shively so: Studien dieser Art würden zumeist entweder mit Nagetieren oder mit Menschen durchgeführt. Die Nager bringen das Problem mit sich, dass sie mit uns nicht allzu nah verwandt und dadurch nur bedingt mit uns vergleichbar sind. Studien mit menschlichen Populationen wiederum würden in der Regel auf Daten setzen, die die Probanden selbst angeben müssen, was nicht unbedingt zuverlässig sein muss.

    Die Probanden

    Darum ging Shively den Mittelweg und wählte Primaten aus – genauer gesagt Javaneraffen, die für medizinische Versuche häufig herangezogen werden. Die Tiere konnten unter genau kontrollierbaren Bedingungen gefüttert werden, und das über einen langen Zeitraum hinweg: 38 Monate, was laut den Forschern angesichts der Lebenserwartung von Javaneraffen neun Jahren beim Menschen entsprechen würde.

    Dass man die Lebenszyklen verschiedener Spezies nicht so einfach dividieren kann, mag eine der Schwächen des Versuchs sein. Die geringe Teilnehmerzahl ist eine andere: 38 weibliche Affen im mittleren Lebensalter absolvierten den Langzeitversuch, fünf weitere waren zwischendurch aus verschiedenen Gründen ausgeschieden.

    Genießer und Gourmands

    Das Versuchsdesign sah so aus: Per Zufallsauswahl wurden die Affen entweder mit "westlicher" Kost gefüttert, deren Protein- und Fettanteile primär aus tierischen Quellen stammten – oder mit "mediterraner" auf primär pflanzlicher Grundlage. Die Anteile von Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten war aber bei beiden Diäten gleich.

    Unterschiede zeigten sich laut den Forscher dennoch. Die Affen konnten so viel fressen, wie sie wollten – langten aber bei der "westlichen" Kost deutlich ausgiebiger zu als bei deren Alternative. Die "westlich" ernährten Tiere konsumierten insgesamt mehr Kalorien, hatten am Ende des Langzeitversuchs dementsprechend ein höheres Gewicht, einen höheren Körperfettanteil und schlechtere Gesundheitswerte.

    Die Forscher sind sich der Probleme ihrer Versuchsanordnung bewusst, dennoch glauben sie, dass die im Fachjournal "Obesity" vorgestellten Ergebnisse bezeichnend und auch auf den Menschen übertragbar seien. Shively spricht davon, dass die "westliche" Kost auf "hyper-geschmackvoll" getrimmt sei und "alle unsere Knöpfe drücken" würde, was uns zu übermäßigem Konsum verleite. Die "mediterrane Diät" hingegen schnitt einmal mehr gut ab – sie sei etwas zum Genießen. (red, 5. 5. 2019)

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