Eine Grenzwanderung zu den tschechischen Nachbarn

    25. April 2019, 06:30
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    Diese Wanderung führt zu den letzten Relikten des Eisernen Vorhangs zwischen Niederösterreich und Tschechien

    Bei dieser einfachen Wanderung von Hardegg nach Tschechien erlebt man viel Natur und noch mehr Geschichte. Jahrzehntelang war die Thaya ein schwer bewachter Grenzfluss. Die bereits auf das 19. Jahrhundert zurückgehende Fußgänger- und Radfahrerbrücke war hier während des Kommunismus gesperrt. Bis vor kurzem ist das Zollhaus auf der tschechischen Seite des Flusses ein verfallener Bau gewesen, der an die Zeit des Eisernen Vorhangs erinnerte. Jetzt ist dieses hübsche Gebäude renoviert und dient als Büro für die tschechische Nationalparkgesellschaft.

    Die Wanderung startet am Platz vor der Brücke. Die Burg Hardegg mit der großen Wehranlage im Rücken, passieren wir die Thaya – Reisedokument nicht vergessen! Gleich nach dem Zollhaus geht es links entlang der grünen Markierung etwas steil über Felsen hinauf. Ab jetzt die Thaya flussaufwärts, der Weg ist immer eindeutig gekennzeichnet.

    Verschlafenes Nest

    Es geht das idyllische Ufer entlang, dann schwenkt der Weg in Richtung Norden und der Ortschaft Čížov. Dazu zunächst immer im Wald bleiben, später entlang einer asphaltierten, wenig befahrenen Straße marschieren – hier wird die Markierung blau.

    Vor Čížov, einem verschlafenen Nest, stehen die beeindruckenden Reste einer Grenzanlage aus der Zeit des Kommunismus. Es ist dies der einzige erhaltene Rest des Eisernen Vorhangs in Tschechien. Bis zum Fluss hinunter, knapp fünf Kilometer, war Sperrgebiet, wie man von den mehrsprachigen, EU-geförderten Infotafeln erfährt. Das streng bewachte Niemandsland durfte niemand betreten. Man siedelte die Menschen ab, Gehöfte wurden geschleift.

    Tödliche Flucht

    Trotzdem haben immer wieder Menschen versucht, die Grenze zu überwinden. Viele bezahlten mit dem Leben. Zwischen 1948 und 1989 gab es entlang des Eisernen Vorhangs in der Tschechoslowakischen Republik 390 Fluchtversuche, die mit dem Tode endeten.

    Von Čížov nach Hardegg geht es auf der Landstraße, auf der man gekommen ist, zurück bis zur Thayabrücke. Nach etwa zwei Dritteln des Rückwegs zweigt rechts ein mit blauen Dreiecken gekennzeichneter Stichweg ab. Dieser bringt einen gut 500 Meter hinauf zu einem Felsen mit Aussichtswarte über Hardegg. (Johanna Ruzicka, 25.4.2019)

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    Service

    karte: der standard

    Anreise mit Öffis: Mit der Bahn bis Retz. Von dort mit dem ÖBB-Postbus 875 oder 876 bis Hardegg.

    Karte: BEV-Karte 4306-Ost, Hardegg 1:25.000

    Einkehr: An beiden Endpunkten der Wanderung gibt es Wirtshäuser – in Hardegg das Gasthaus Thayabrücke und in Čížov die Hospoda u Švestků (geöffnet ab Mai, Montag geschlossen). In Hardegg gibt es weitere Gasthäuser.

    Die Thayabrücke ist nur für Fußgänger und Radfahrer geöffnet. Beim Überqueren der Staatsgrenze braucht man ein gültiges Reisedokument. Auf der asphaltierten Straße kann der Spaziergang gut mit Kleinkindern bzw. mit Kinderwagen gemacht werden. Bei Čížov gibt es einen schönen Kinderspielplatz.

    • Hardegg von der Hardegger Warte aus gesehen.
      foto: wikicommons/romanm82

      Hardegg von der Hardegger Warte aus gesehen.

    • Die Brücke über die Thaya
      foto: wikicommons/j.v.

      Die Brücke über die Thaya

    • Schloss Hardegg
      foto: wikicommons/grubernst

      Schloss Hardegg

    • Vor Čížov stehen die letzten Überreste des Eisernen Vorhangs.
      foto: thomas ruzicka

      Vor Čížov stehen die letzten Überreste des Eisernen Vorhangs.

    • Čížov ist ein verschlafenes Nest.
      foto: wikicommons/romanm82

      Čížov ist ein verschlafenes Nest.

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