Mercedes V-Klasse: Der Traum vom Raum

    26. April 2019, 09:00
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    Als rollende Business-Lounge preist Mercedes die V-Klasse an. Da ist was dran. Und auch was drin: In der zweiten Reihe gibt es jetzt auch Luxussitze mit Liegefunktion

    Vorn sitzen im Privatkundenfall in der Regel wohl Besitzerin oder Besitzer, im Geschäftskundenfall Chauffeuse respektive Chauffeur. Mercedes lud zur Fahrpräsentation der facegelifteten V-Klasse nach Sitges, wir probierten gleich beide Standardsituationen, Sitzuationen, möchte man angesichts der Qualität des Gestühls fast kalauern.

    Knickliege

    Nehmen wir zum Beispiel die Hauptneuerung, die Massage-Businessstühle in Reihe zwei, die neuerdings erhältlich sind. Mercedes bietet so was jetzt auf Fernostkundenwunsch hin an, und ob Sie sitzen oder liegen – es geht sich eine Knickliegung aus, wie bis vor wenigen Jahren in der Business-Klasse der Lufthansa üblich (mittlerweile liegt man dort ganz flach) –, diese Fauteuils sind schon eine Klasse für sich. Kosten aber auch eine Lawine: 6.272 Euro netto.

    Die restlichen Plätze, sintemalen die Position hinterm Volant, sind aber auch nicht übel, Letzterer ist überhaupt erste Wahl, will man sich die Fahreigenschaften der V-Klasse ansehen. Es stehen wie bisher drei Fahrwerksvarianten zur Auswahl: Komfort-, Agility Control (selektive Dämpfer) und Sportfahrwerk, aber keine Sorge, "Sport" ist keineswegs als Rennkurstrimm gemeint – es handelt sich einfach um drei unterschiedliche Ausformungen einer prinzipiell komfortablen Abstimmungsphilosophie.

    Allrad für alle

    Zum Anspruch, "die Stärken zu stärken", wie V-Klasse-Marketingmann Frank Bauer kündete, zählen sicherheitstechnisch ein aktiver Bremsassistent, antriebsseitig aber vor allem die neuen EU 6d-temp-Motoren (interne Familienkennung: OM 654). Die Zweiliter-Selbstzünder leisten 163, 190 und 239 PS, gereicht werden die Motoren jetzt mit einer 9- statt einer 7-Gang-Wandlerautomatik. Effekt? Das Getriebe ist ein Gedicht, die Aggregate sind allesamt auch im echten Leben vorbildlich sparsam und kultiviert, werken allerdings beim forschen Hochdrehen nicht immer ganz still und leise. Allrad gibt's für alle Leistungsklassen, in Österreich kein schlechtes Argument. Genereller Eindruck? Die V-Klasse fährt sich fast wie ein Pkw.

    In der Außenerscheinung fällt die neu gestaltete Frontschürze auf, sie verleiht der V-Klasse mehr Breitenwirkung, was wörtlich gemeint ist. Im übertragenen Sinn gilt dies auch ein wenig für die Baureihe generell, denn seit 2014 verkaufte sie sich 209.000 Mal.

    Zeitgleich mit dem Marktstart im Juni erfolgt auch der für die Reise- und Freizeitmobile Marco Polo (ab 71.544 Euro) und Marco Polo Horizon (ab 63.250 Euro). Ausgestattet sind sie mit denselben Motoren wie die V-Klasse, Allrad ist ebenfalls rundum verfügbar – sowie eine "vollwertige Küchenzeile". Die und das Doppelbett testen wir dann aber ein andermal. Vielleicht auf der Fahrt zum Nordkap. (Andreas Stockinger. 26.4.2019)

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    Mercedes

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

    • Den Minivans macht(e) der SUV den Garaus – Maxivans wie die Mercedes-V-Klasse sind von der Erosion weniger betroffen, zumindest gilt das für Europa. Zu sehr spricht das Gesamtpaket für sich.
      foto: daimler

      Den Minivans macht(e) der SUV den Garaus – Maxivans wie die Mercedes-V-Klasse sind von der Erosion weniger betroffen, zumindest gilt das für Europa. Zu sehr spricht das Gesamtpaket für sich.

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    • Optional: Luxusgestühl für Sitzer und Lieger beiderlei Geschlechts.
      foto: daimler

      Optional: Luxusgestühl für Sitzer und Lieger beiderlei Geschlechts.

    • Der Marco Polo startet im Juni.
      foto: daimler

      Der Marco Polo startet im Juni.

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