Smartphone-Bank N26 will bis zu 300 Mitarbeiter in Wien einstellen

    23. April 2019, 16:36
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    Das Berliner Fintech will in Österreich den Fokus auf digitale Sicherheit legen

    Wien – Wie verloren geglaubte Söhne werden sie empfangen: Denn die beiden Wiener Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal eröffnen in ihrer Heimatstadt in diesem Herbst ein Büro ihrer in Berlin aufgebauten Smartphone-Bank N26 (gesprochen: "N-Twentysix). Bis zu 300 neue Mitarbeiter sollen in Wien an der Zukunft des digitalen Bankings forschen. Die Botschaft wurde gemeinsam mit Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) am Dienstag verkündet.

    Die Ansiedelung ist ein "wichtiges Zeichen" für den Standort, sagte die Ministerin. Für jeden "digitalen Job" würden zwei bis drei weitere Arbeitsplätze entstehen, zeige die Erfahrung.

    N26 wurde 2013 gegründet. Mittlerweile hat das Unternehmen über 2,5 Millionen Kunden in 24 Ländern. Mit einer Bewertung von 2,7 Milliarden US-Dollar (2,4 Milliarden Euro) ist N26 Deutschlands erstes Unicorn – also ein Start-up mit Milliardenwert – unter den Fintechs. Weltweit beschäftigt das Unternehmen über 1.000 Mitarbeiter.

    Wien ist schön ...

    Was motivierte die N26-Gründer, künftig in Wien neben Berlin, Barcelona und New York eine größere Präsenz aufzubauen?

    Der wichtigste Grund sei die hohe Lebensqualität in Wien, betont Stalf. Damit ließen sich Talente aus der ganzen Welt anziehen. Auch die Forschungsförderung sei ein Anreiz gewesen.

    Ein neuer Standort war fast überfällig: Das rapide Kundenwachstum sorgte zuletzt in der Öffentlichkeit für Bedenken, ob die Firmenstruktur schnell genug mitwachse. In den vergangenen Wochen war N26 in Kritik geraten, weil Konten für Betrug beim Onlineshopping missbraucht wurden.

    Die Smartphone-Bank rühmt sich, dass man ein Konto online binnen acht Minuten eröffnen kann. Betrüger hatten Personen unter falschem Vorwand dazu gebracht, Konten zu eröffnen und ihre Zugangsdaten herzugeben – sogenanntes Phishing. Stalf verwies darauf, dass N26 wie auch alle anderen Banken damit zu kämpfen haben.

    Das Team in Wien werde genau da ansetzen: Mit künstlicher Intelligenz sollen Transaktionen von Kunden automatisch überprüft werden, um auffällige Überweisungen, die auf Betrug hindeuten, zu erkennen. Für Kritik sorgte auch die mangelnde Erreichbarkeit der Bank für einen betrogenen Kunden, dem 80.000 Euro abgezapft wurden. N26 hat kein Filialnetz und setzt auf die Chatfunktion, um mit Kunden zu sprechen. Das sei bei den Kunden eigentlich beliebter, sagt Stalf. Die Erreichbarkeit wurde bereits verbessert.

    ... aber Berlin bleibt erste Wahl

    Auch heute würde er wieder nach Berlin gehen, sagt Stalf. In der deutschen Hauptstadt gebe es das notwendige Risikokapital. Außerdem sei das große Start-up-Netzwerk wichtig.

    Um die Anschlussfinanzierung in Österreich zu verbessern, will Schramböck Mitte Mai ein neues Start-up-Paket vorstellen.

    Auch die kommende Steuerreform sei ein positives Signal für den Standort. Dass bei der geplanten Senkung der Körperschaftssteuer von derzeit 25 Prozent künftig ein Einser vorne steht, sei ein Wunsch, sagt die Ministerin. Wichtiger sei, ein Gesamtpaket zu schnüren, das auch Klein- und Jungunternehmer stärker entlaste. (slp, 23.4.2019)

    • Die Smartphonebank N26 wächst rasant. mittlerweile hat das Berliner Jungunternehmen über 2,5 Millionen Kunden in 24 Ländern.
      foto: n26

      Die Smartphonebank N26 wächst rasant. mittlerweile hat das Berliner Jungunternehmen über 2,5 Millionen Kunden in 24 Ländern.

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