Karate-Talent Funda Celo: In die Ferne starren, für die Ferne trainieren

    24. April 2019, 07:45
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    Die 17-Jährige gehört zu den größten Talenten ihrer Altersklasse. Ihr Olympia-Traum ist wegen des Karate-Verzichts der Pariser Organisatoren vorerst geplatzt. Das Training geht weiter

    Funda Celo kann sagenhaft ernst in die Ferne starren. Die Hände und Füße der 17-Jährigen bearbeiten einen imaginären Gegner so schnell mit Karatetechniken, dass es dem ungeübten Zuschauer die Augen überkreuzt. Celos Blick? Regungslos, geradeaus, konzentriert. Als würde 50 Meter weit weg die spannendste Briefmarke der Welt an der Wand kleben.

    Man kann diese Szenen auf Celos Website sehen. Und wenn man schon dort ist, kann man direkt darunter folgende Sätze lesen: "Bei den Olympischen Spielen 2024 will ich die beste Kata-Athletin der Welt sein. Dafür trainiere ich jeden Tag." Kata ist Karate gegen einen imaginären Gegner. Dutzende Techniken müssen vor Kampfrichtern perfekt ausgeführt werden, ausschlaggebend für die Wertung sind Tempo, Präzision und Schwierigkeit der Choreografie.

    Paris tanzt lieber

    Celo gehört in ihrer Altersklasse zur Weltspitze, in der U16 wurde sie Vizeweltmeisterin. Das würde ihr das Etikett "Olympiahoffnung" bescheren, wären da nicht die Veranstalter der Olympischen Spiele 2024. Die verzichteten darauf, Karate als Event für die Sommerspiele in Paris vorzuschlagen und wischten damit nicht nur Celos Traum vom Tisch.

    "Das war mein Ziel. Es ist jetzt halt ...", sagt Celo und zögert. Sie ist keine Frau großer Worte, schon gar nicht großer Kraftausdrücke. Also vollendet sie den Satz mit: "... nicht so gut." Auch für Österreichs Sommersport als Ganzes war der Pariser Verzicht nicht so gut. Goldkandidaten sind notorisch rar, Celo wäre 2024 bei weitem nicht Österreichs einzige Karateka mit Medaillenambitionen gewesen. Ihre etablierten Kolleginnen Alisa Buchinger und Bettina Plank müssen sich nun mit einer einmaligen Auftrittschance in Tokio 2020 begnügen.

    In Action.

    Der Hintergrund: Gemäß der olympischen "Agenda 2020" dürfen sich Veranstalter Events wünschen. Tokio tat dies mit Klettern, Skateboarden, Surfen, Baseball/Softball und Karate. Paris behielt die ersten drei bei und fügte Breakdance hinzu. Fix ist das Programm für 2024 noch nicht, das IOC hat die Sportarten in einem ersten Schritt aber schon abgesegnet.

    "Karate hat in Frankreich einen unheimlich hohen Stellenwert. Die haben das verschlafen", sagt Celos Trainer Erhard Kellner. Der französische Karateverband zählt 250.000 Mitglieder, der Weltverband WKF startete unter dem Hashtag #Karate2024 entrüstet eine Social-Media-Kampagne für die Aufnahme bei den Spielen.

    Dann eben die WM

    "Wir haben keine plausible Erklärung für den Ausschluss bekommen", sagt WKF-Präsident Antonio Espinos. Er wolle weiterhin versuchen, als fünfter Sport auf die Pariser Wunschliste zu kommen. Das IOC teilt dem STANDARD in einem Statement mit: "Nachdem der Pariser Vorschlag an das IOC übermittelt wurde, können keine neuen Sportarten mehr hinzugefügt werden." Der österreichische Verband versuchte mit den Unterschriften von ÖOC-Präsident Karl Stoss und Sportminister Heinz-Christian Strache eine Aufnahme in das dauerhafte Olympia-Programm anzuregen. Die Erfolgschancen gelten als gering.

    foto: sportland/streibel
    Die Familie Celo wie sie leibt und lebt. Ganz links: Trainer Erhard Kellner.

    "Karate kann ohne Olympia leben", sagt Kellner. "Die WM ist jetzt mein Ziel", sagt Celo. Die ganze Familie lebt und atmet Karate. Funda hat drei jüngere Schwestern, die 14-jährige Isra ist U16-EM-Dritte. "Wir haben uns Karate-Kid- und Jackie-Chan-Filme angeschaut", erzählt die Älteste. "Isra wollte Karate machen, ich Kickboxen." Für Kickboxen war Funda zu jung. Also gemeinsam Karate, mittlerweile macht sogar die Großmutter mit. "Wir reden den ganzen Tag über Karate", sagt Funda. Zu viel werde es ihr nicht. Beweismittel A: Im Garten steht zu ihrer Freude ein selbstgebautes Dojo, ein Karatetrainingsraum. "So kann ich jeden Tag trainieren."

    Training, Training

    Und trainieren, das tut sie oft. Wenn die 17-Jährige "Ich bin sehr zielstrebig und trainiere sehr viel" sagt, lacht ihr Trainer. Kellner: "Man muss sie bremsen, die trainiert sonst einen Tag durch." Ist der Coach dabei, genießt er Celos Fähigkeit, "sich zu hundert Prozent auf das zu fokussieren, was man sagt". Aber sie könne auch allein trainieren: "Sie weiß, worauf sie achten muss, und tut es auch. Ganz ernst."

    Wie auch sonst. (Martin Schauhuber, 24.4.2019)

    escuela de karate de comillas
    In Bewegtbild-Action.
    Das Dojo im eigenen Garten.
    • Eine Stellungstechnik im Karate wird Dachi genannt. Da Funda Celo dieses Dachi für Fotos so oft macht, nennt ihr Trainer Erhard Kellner die Pose "Funda Dachi".
      foto: sportland/streibel

      Eine Stellungstechnik im Karate wird Dachi genannt. Da Funda Celo dieses Dachi für Fotos so oft macht, nennt ihr Trainer Erhard Kellner die Pose "Funda Dachi".

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