Grasser wacht "heute noch auf und hofft, es ist ein schlechter Traum"

    21. April 2019, 10:35
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    Nach 90 Prozesstagen im Buwog-Verfahren zieht der Hauptangeklagte im Kurier Zwischenbilanz

    Wien – Begonnen hat der Strafprozess gegen Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser, die Exlobbyisten Peter Hochegger und Walter Meischberger sowie elf weitere Angeklagte am 12. Dezember 2017. Grasser fühlt sich durch die bisherigen Zeugenaussagen entlastet. Das sagt er einmal mehr in einem Interview mit dem "Kurier".

    Das war auch das Zwischenresümee, das Grassers Anwalt Manfred Ainedter vor der Buwog-Osterpause zog: "Bis jetzt schmilzt die Anklage wie Butter in der Sonne. Geht's so weiter, bin ich zuversichtlich". (Siehe dazu: Was in 90 Tagen Buwog-Prozess bisher geschah). Grasser hatte es in seiner Stellungnahme zu den Zeugenaussagen so ausgedrückt: "Die Staatsanwaltschaft verfolgt seit zehn Jahren den falschen Mann." Meischbergers Anwalt, Jörg Zarbl, sieht es auch so: "Das Vergabeverfahren war korrekt, von der Anklage ist nichts übriggeblieben." Er rechne mit einem "baldigen positiven Ende" des Verfahrens.

    Massive Strafe

    Im "Kurier"-Interview sagt Grasser: "Ich wäre nie angeklagt worden", wäre auch die Rolle des verstorbenen Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider durch die Staatsanwaltschaft untersucht worden. Andererseits wäre er auch schon längst verurteilt worden, ist Grasser überzeugt, wenn die Staatsanwaltschaft wirklich Belastendes gegen ihn in der Hand hätte. So aber sei das Verfahren für ihn eine "massive Strafe" und die Prozesstage eine Art "Freiheitsentzug".

    Mit seinem früheren besten Freund und Mitangeklagten, Ex-Lobbyist Walter Meischberger, mit dem er zwischenzeitlich gebrochen hatte, hat sich Grasser mittlerweile versöhnt. "Man kann nicht ewig nachtragend sein", sagt er dem Kurier. Dem ebenfalls angeklagten Peter Hochegger wirft er vor, ein "Lügen-Geständnis" abgelegt zu haben, um selbst "den Hals aus der Schlinge zu ziehen".

    Was sein Privatleben betrifft und seinen Abstieg vom Traumschwiegersohn zum "Buhmann" (O-Ton Kurier) so sagt er: Ich kann meiner Frau, meinen Kindern und meiner Familie nicht genug danken. Wenn man zehn Jahre durch diese Abgründe geht, durch die ich gehe, und man das als Ehepartner aushalten muss, obwohl meine Frau ein sorgenfreies Leben führen könnte, dann ist das eine außerordentliche Leistung, vor der ich immer wieder den Hut ziehe. (red, 21.4.2019)

    • Karl-Heinz-Grasser im Schwurgerichtssaal am Wiener Straflandesgericht.
      foto: apa/georg hochmuth

      Karl-Heinz-Grasser im Schwurgerichtssaal am Wiener Straflandesgericht.

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