Aslan als Leiter des islamischen Uni-Instituts abberufen

    20. April 2019, 08:00
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    Dekanin vorerst Vorständin – Massive Konflikte im Hintergrund – Uni Wien verweist auf administrative Reorganisation

    Wien – Wer auf die Homepage der Universität Wien geht, stolpert dort über eine ungewöhnliche Doppelfunktion: Die Dekanin der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät ist nämlich gleichzeitig als Vorständin des Instituts für Islamisch-Theologische Studien aufgeführt. Wie das? Ist Melanie Malzahn doch Professorin für Vergleichende Indogermanische Sprachwissenschaft am Institut für Sprachwissenschaft.

    Nun, bis vor kurzem hieß der Leiter des Islamisch-Theologischen Instituts noch Ednan Aslan. Der islamische Religionspädagoge wurde aber vor kurzem von Rektor Heinz W. Engl von seinen Aufgaben als Institutsvorstand enthoben. Das Institut wird bis auf weiteres von der Dekanin der Fakultät selbst geleitet.

    Professor ist Aslan – einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden durch die Studie über islamische Kindergärten in Wien, die wissenschaftlich, aber auch wegen politischer Eingriffe umstritten war – weiterhin.

    Schwere Vorwürfe

    Was ist passiert, dass Aslan jetzt als Institutsleiter abgesetzt wurde? Die Schilderungen gehen auseinander. Insider berichten im vertraulichen Gespräch von "grundlegendem Fehlverhalten, nicht zuletzt in der Personalführung". Die Vorwürfe reichen bis hin zu angeblichem Mobbing. Da müsse eine Universitätsleitung etwas unternehmen. Die Stimmung am Institut wird von mehreren Seiten als "sehr angespannt", "unkollegial" bis hin zu regelrecht "feindlich" geschildert.

    Aus dem Rektorat der Uni Wien und namens der Dekanin hieß es auf STANDARD-Anfrage bloß: "Die derzeitige Situation ist eine Übergangslösung und liegt in der Reorganisation des Instituts im administrativen Bereich begründet." Das Institut für Islamisch-Theologische Studien sei "noch ein sehr junges Institut, das ständig wächst". Seit Herbst 2018 gebe es dort zwei neue Professuren – Ebrahim Afsah auf dem Lehrstuhl für Rechtswesen und Ethik im Islam und Handan Aksünger-Kizil, die Alevitische Studien leitet. Eine weitere Professur soll im Lauf des Jahres 2019 bestellt werden.

    Aslan weist Mobbingvorwürfe zurück

    Aslan selbst, vom STANDARD mit den kolportierten Vorwürfen konfrontiert, weist sie zurück: "Ich glaube nicht, dass es an unserem Institut Mobbing gibt, auch nicht durch mich. Da geht's nicht darum, dass wir bestimmte Leute nicht wollen. Dass an einer Einrichtung nicht alle gleich zufrieden sind, ist normal." Auch er verweist auf das im Aufbau befindliche Institut. "Wir sind ein theologisches Institut, aber es fehlen noch islamische Theologen, damit wir theologisches Profil zeigen können."

    Er sei seit 2006 am Institut tätig und "verwaltungstechnisch sehr belastet", sagt Aslan: "Alles ist ein Provisorium. Viele neue Kollegen sind gekommen, weitere werden noch folgen. Das alles ist für uns am Institut auch neu. Dass wir Orientierung suchen, ist selbstverständlich. Wir haben intern viel geredet, und um diese Umbruchphase besser gestalten zu können, haben wir gesagt, dass es besser ist, wenn die Leitung des Instituts vorerst von der Dekanin übernommen wird. Die Verwaltungsstrukturen so umzustellen, ist im Interesse von allen, auch in meinem." Wenn die noch fehlenden zwei Professuren besetzt seien, solle eine neue Leitung des Instituts entschieden werden.

    Im Islamgesetz 2015 sind "bis zu sechs Stellen für Lehrpersonal" und ein eigener Studienzweig "für jede Religionsgemeinschaft" verankert. Der Abschnitt über "Theologische Studien" sieht auch vor, dass vor der Besetzung der akademischen Stellen "mit den Religionsgesellschaften in Fühlungnahme" getreten werden muss und die jeweilige Person, so sie "im theologischen Kernbereich" arbeiten soll, Anhänger oder Anhängerin der jeweiligen Glaubenslehre sein muss.

    Einreiseverbot in der Türkei

    Aslan begründet seinen äußerlich gelassenen Umgang mit der Absetzung als Institutsleiter übrigens auch mit Druck auf ihn aus der Türkei. Als er Anfang März zum Begräbnis seines Schwagers reisen wollte, wurde ihm am Flughafen in Istanbul, wo er 15 Stunden ohne Essen festgehalten wurde, mitgeteilt, dass er mit einem Einreiseverbot belegt sei. "Ich habe meine Heimat verloren, ich habe meine Schwester seit drei Jahren nicht gesehen – die Institutsleitung fehlt mir da nicht."

    Er vermutet, dass sein Eintreten für einen "europäischen Islam" bei der türkischen Religionsbehörde in Ankara, die quasi den türkischen Islam verwaltet und als verlängerter Arm von Präsident Recep Erdoğan gilt, nicht gut ankam und er deswegen auf der Einreiseverbotsliste landete. (Lisa Nimmervoll, 20.4.2019)

    • Ednan Aslan fühlt sich nicht nur administrativ "sehr belastet", neben Mobbingvorwürfen am Institut ist er auch mit einem Einreiseverbot in die Türkei konfrontiert.
      foto: apa / herbert pfarrhofer

      Ednan Aslan fühlt sich nicht nur administrativ "sehr belastet", neben Mobbingvorwürfen am Institut ist er auch mit einem Einreiseverbot in die Türkei konfrontiert.

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