Die Krisenkolumne: Bitte um etwas professionellere Politinszenierungen!

22. April 2019, 12:00
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Zirkus Bastibumsti. "Inszenierungen", mit denen das Deppensegment der Wähler bei Laune gehalten oder in die Irre geführt wird

Postdemokratie, die 2003 erschienene Studie des britischen Soziologen Colin Crouch hat 16 Jahre auf dem Buckel, ist in ihrer Stoßrichtung aber noch brandaktuell: Nominell gibt es immer mehr Demokratien auf der Welt, faktisch sind viele von ihnen windschiefe Ruinengebilde.

Es wird noch gewählt und auch abgewählt. Die wirklich relevanten Dinge machen sich Politiker und Konzerne jedoch hinter verschlossenen Türen aus, und der angebliche Souverän, das Wahlvolk, wird mithilfe von zigtausenden Politberatern und Abermillionen Dollar (Euro etc.) exakt dorthin genudgt, wo man ihn haben will. Sentimentalitäten wie Gerechtigkeit oder Solidarität sind für Gänseblümchen, den Zynikern gehört die Welt.

Weil die Politiker kaum etwas zu tun und nur noch das zu melden haben, was ihnen zu melden nahegelegt wird, konzentriert sich ihr Schaffen auf das Aushecken von "Inszenierungen", mit denen das Deppensegment der Wähler bei Laune gehalten oder in die Irre geführt wird.

Hirnrissige Tipps

Großmeister in dieser Kunst ist "König Tohuwabohu" (der Soziologe Bruno Latour über Donald Trump), welcher sich soeben durch hirnrissige Tipps an die Franzosen hervorgetan hat, wie sie den Notre-Dame-Brand löschen sollten. Hätten sie sich daran gehalten, stünde heute selbst der Eiffelturm nicht mehr.

In Österreich kennen wir die "Inszenierung" selbstverständlich auch: geilomobilfahrende Jungkonservative, Bundeskanzler als Pizzaboten, taferlschwenkende Parlamentarier usf. Besonders gute Inszenierer sind die Freiheitlichen mit ihren feuchtfröhlichen Bierzeltfeten, bei denen 15.000-Euro-pro-Monat-Prolos den 1500-Euro-pro-Monat-Prolos erzählen, wie grindig Ausländer und wie deppert die Linken sind. Und was die Linken betrifft, haben sie recht: Wie anders als fetzendeppert sollte man eine Partei nennen, die jahrelang den Boulevard finanziert, damit er sie dann bei erster Gelegenheit in Grund und Boden schreibt?

Österreich ist schon recht geil, aber noch geiler wäre ein offiziell ins Leben gerufener, hochprofessioneller Politzirkus namens Zirkus Bastibumsti, mit allem, was dazu gehört: eine Luftnummer mit Basti, dem süßen Babyelefanten, Hazee, dem rauchenden Weißclown, und dem grrrrroßen Herbert, der gern der stärkste Mann der Welt wäre, mit seiner sensationellen Pferdenummer. Am äußerst rechten Manegenrand, wo denn sonst. (Christoph Winder, 22.4.2019)

  • Ein hochprofessioneller Politzirkus namens Zirkus Bastibumsti, mit dem grrrrroßen Herbert, der gern der stärkste Mann der Welt wäre, mit seiner sensationellen Pferdenummer.
    foto: apa / barbara gindl

    Ein hochprofessioneller Politzirkus namens Zirkus Bastibumsti, mit dem grrrrroßen Herbert, der gern der stärkste Mann der Welt wäre, mit seiner sensationellen Pferdenummer.

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