ÖBB will Kosten bremsen und kein neues Personal einstellen

    19. April 2019, 17:47
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    Im ersten Quartal lag die ÖBB-Güterbahn Rail Cargo Austria hinter dem Vorjahr. Die Konjunktur lasse nach, heißt es

    Im ÖBB-Güterverkehr läuft es offenbar bei weitem nicht so rund, wie von der ÖBB-Spitze verbreitet wird. Im ersten Quartal liege man bei Frachtaufkommen und Ertrag aktuell trotz relativer Hochkonjunktur nicht nur unter Plan, sondern sogar unter den Vorjahreswerten. Das erschließt sich aus internen Mitteilungen an die Führungskräfte und Mitarbeiter der staatlichen ÖBB-Güterbahn Rail Cargo Austria (RCA).

    "Das vorläufige Ergebnis der ersten zwei Monate weist eine deutlich negative Planabweichung und einen noch deutlicheren Ergebnisrückgang zum Vorjahr auf", heißt es in dem vom RCA-Dreiervorstand rund um Clemens Först vor zwei Wochen verschickten Schreiben. Und: Unter Berücksichtigung der alljährlichen Buchungsunsicherheiten in den ersten Monaten müsse man davon ausgehen, "dass 2019 ergebnistechnisch angespannt sein wird".

    Hoher Margendruck

    Heißt auf gut Deutsch: Der Rail-Cargo-Gruppe (RCG) laufen die Kosten davon, insbesondere in der Kerngesellschaft RCA AG in Österreich. Sie steht angesichts der vitalen Wettbewerbssituation – die privaten Schienenbahnen werden mehr – unter hohem Margendruck, braucht wohl höhere staatliche Bestellungen im Einzelwagenverkehr. Die österreichische Leitgesellschaft RCA AG zeichnete laut Jahresabschluss 2017 mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro für rund die Hälfte der Umsatzerlöse der gesamten Rail Cargo Group (RCG) verantwortlich, zu der auch die ungarische RCH (ehemals MávCargo, Anm.) gehört.

    "Unter Plan" heißt im Fall der RCG, dass erhebliches Neukundengeschäft notwendig ist, sonst wird der RCG-Konzernumsatz des Vorjahrs von 2,2 Milliarden Euro ebenso verfehlt wie die Latte der beförderten Nettotonnen, die auf 115 Millionen liegt. Bei Preisverhandlungen und Neugeschäften ist der RCA-Vertrieb getreu dem Motto "billiger produzieren, teurer verkaufen" angehalten, die "Preisschraube bis aufs Äußerste nach oben" zu drehen, wie es im Brief heißt. Außerdem hat die RCA-Führung einen Personalaufnahme- und Überstundenstopp verhängt. Jeder Euro sei mehrmals umzudrehen, nicht nur zweimal.

    Auf schmale Kost einstellen

    Auf Erträge aus ihren zahlreichen Beteiligungen sollte die Österreich-Tochter RCA AG heuer nur eingeschränkt hoffen. Denn im Gegensatz zu den Vorjahren müssen sich auch die für Traktion zuständige ÖBB-Produktion und Rail Cargo Logistics auf schmale Kost einstellen. Ohne Gegensteuerung würde die Österreich-Tochter auf einen Verlust (EGT) jenseits der 60 Millionen Euro zusteuern, melden Insider alarmiert.

    Zum Vergleich: 2017 wies die RCA AG laut der im Firmenbuch hinterlegten Bilanz (UGB) ein Betriebsergebnis von minus 20 Millionen Euro aus, das dank des Finanzergebnisses auf ein Ergebnis vor Steuern von minus 8,6 Millionen Euro reduziert wurde. Erträge aus Beteiligungen wie Technische Services (ÖBB-Werkstätten), Produktion und Wagon-Vermietung der RCA-Tochter Rail Cargo Wagon waren also wesentliche Ergebnisbringer, die freilich zu einem Gutteil aus dem überwiegend staatlich finanzierten ÖBB-Personenverkehr stammten, einer Konzernschwester der RCA.

    Ein ÖBB-Sprecher stellt die angespannte Umsatz- und Ergebnissituation gar nicht in Abrede: Die Konjunktur schwäche sich ab, das sei bereits spürbar bei Stahl-, Kohle- und Rohstofftransporten ebenso wie im Automotive-Sektor. Wohl gebe es Mengenzuwächse bei Holztransporten, allerdings sei dort die Marge noch geringer. Vor diesem Hintergrund sei die Kostenbremse und frühzeitige Weichenstellung durch die RCA-Führung richtig. Erklärtes Ziel sei profitables Wachstum, vor allem in Ausland. Auch seien die Zahlen der ersten zwei Monate nicht linear auf das ganze Jahr hochzurechnen, das "Schneechaos" im Jänner habe den Geschäftsverlauf massiv behindert. (Luise Ungerboeck, 19.4.2019)

    • Der Aufschwung brachte am Verschubbahnhof Kledering nicht so viele Bahntransporte wie erhofft. Nun fährt der Abschwung ein.
      foto: ho

      Der Aufschwung brachte am Verschubbahnhof Kledering nicht so viele Bahntransporte wie erhofft. Nun fährt der Abschwung ein.

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