Bremsversagen bei tödlichem Busunfall in Madeira für möglich gehalten

    19. April 2019, 12:15
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    Bus war auf der Ferieninsel von Fahrbahn abgekommen und auf Haus gestürzt

    Funchal – Überlebende des schweren Busunglücks von Madeira mit 29 Toten haben ein Bremsversagen als wahrscheinliche Unfallursache bezeichnet. Die Behörden warnten vor vorschnellen Urteilen. 27 Menschen wurden bei dem Unfall verletzt. Nach Angaben der Regionalregierung schwebte keiner mehr in Lebensgefahr.

    Der deutsche Außenminister Heiko Maas reiste am Donnerstag auf die portugiesische Atlantikinsel. Er traf dort seinen Amtskollegen Augusto Santos Silva, besuchte die Unglücksstelle, an der er einen Kranz niederlegte, und dankte den Hilfskräften. Ein weiterer Termin vor der Rückreise nach Deutschland war ein Besuch im Krankenhaus.

    Bus wurde immer schneller

    Ein leicht verletzter Passagier berichtete noch am Donnerstag von seinen Eindrücken. "Ich denke, die Bremsen funktionierten nicht. Ich kann mir keine andere Ursache vorstellen. Der Bus fuhr von der Quinta Splendida los, nach einigen Sekunden wurde er immer schneller. Er schlug gegen die Mauer, wir glaubten sofort, dass er außer Kontrolle geraten war. Er wurde immer schneller, und dann überschlug er sich", sagte der Mann nach einem Bericht der Online-Zeitung "Observador".

    Er hatte sich laut Bericht bei dem Unfall eine Rippe gebrochen, seine Frau wurde am Nacken leicht verletzt. Alter und Herkunft des Ehepaars nannte "Observador" nicht. Im ARD-"Brennpunkt" kam ein deutsches Paar mit der gleichen Schilderung zu Wort. Die Frau erzählte dabei, dass ein Tipp auf dem Hinflug wohl dafür gesorgt habe, dass sie glimpflich davon kamen. Im Flugzeug werde erklärt, was im Ernstfall zu tun sei. "Wir kauerten uns zusammen wie die Babys. Und das war unser Glück."

    Meisten Passagiere waren Deutsche

    Bei den 16 Patienten im Krankenhaus handle es sich um 14 Deutsche und zwei Portugiesen, hieß es. Bei dem Unfall waren auch der Fahrer und der Reiseleiter verletzt worden, beides Einheimische. Der Fahrer konnte Berichten zufolge bisher nicht befragt werden.

    Ursprünglich waren 28 Verletzte in das Krankenhaus gebracht worden, "26 mit deutscher Nationalität", erklärte die Klinik. Ein Patient starb später. Etliche andere wurden mittlerweile entlassen.

    Bis zum Freitag gab es noch keine offizielle Bestätigung der deutschen Bundesregierung, ob die Todesopfer – nach portugiesischen Berichten elf Männer und 18 Frauen – ausschließlich Deutsche waren. Nach portugiesischen Medienberichten könnten auch zwei Einheimische ums Leben gekommen sein.

    In Haus eingeschlagen

    Die Urlauber wollten vom Hotel Quinta Splendida im östlich der Inselhauptstadt gelegenen Ort Caniço zu einem traditionellen Abendessen nach Funchal. Der Bus fuhr eine leicht abschüssige Straße hinunter und bog dann links ab. In der Kurve kam er – nur rund 250 Meter vom Hotel entfernt – von der Fahrbahn ab, stürzte mehrere Meter tief und schlug in ein Haus ein. Dessen Bewohner war laut "Observador" nicht zu Hause. Eine Augenzeugin sagte dem Sender TVI24, dass sie laute Schreie aus dem Bus hörte. Der Bus wurde am Donnerstagfrüh geborgen, auf Fotos klaffte ein großes Loch im Ziegeldach und der Rückwand des Hauses.

    Der Reiseveranstalters trendtours teilte mit, dass nach Erkenntnisstand von Donnerstagnachmittag 51 seiner Gäste an Bord des Unglücksbusses waren. Der Veranstalter Schauinsland-Reisen meldete, dass zwei seiner Gäste im Bus saßen. Das wäre in der Summe ein Gast mehr als die mutmaßlich 27 deutschen Toten und die maximal 25 deutschen Verletzten.

    TVI24 berichtete, dass zwei Busse mit deutschen Urlaubern von dem Hotel losgefahren seien. Der zweite Bus war in den Unfall nicht verwickelt. Der verunglückte Bus war erst fünf bis sechs Jahre alt, der Mann am Steuer galt als erfahrener Fahrer. Der Vizepräsident der Regionalregierung von Madeira, Pedro Calado, nannte alle Mutmaßungen zur Unglücksursache "verfrüht". Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein.

    Staatstrauer angeordnet

    Die portugiesische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer bis einschließlich Samstag an. Ministerpräsident António Costa kondolierte der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er sei bestürzt und übermittle der Kanzlerin "in dieser schweren Stunde" sein Bedauern, twitterte Costa noch am Mittwochabend. Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa wird am Freitag auf Madeira erwartet.

    Die sehr gebirgige "Blumeninsel", die kaum doppelt so groß ist wie Wien, ist neben der Algarve das beliebteste Reiseziel der Deutschen in Portugal. Nach Angaben des Portals A-Z Madeira stellten Deutsche und Briten 2017 je ein Fünftel der 1,3 Millionen Urlauber. (APA, AFP, 19.4.2019)

    Der Artikel wird laufend aktualisiert.

    • Der Unglücksbus stürzte einen Abhang auf ein Wohnviertel hinab.
      foto: apa/afp/stringer

      Der Unglücksbus stürzte einen Abhang auf ein Wohnviertel hinab.

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