Medienhaus Axel Springer will "immer digitaler werden"

    17. April 2019, 14:34
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    Bedeckt zu angeblichem Interesse an Kleinanzeigengeschäft von Ebay

    Berlin – Das deutsche Medienhaus Axel Springer ("Bild", "Die Welt") will seine Geschäftsstrategie schärfen und sich noch mehr auf die digitale Welt ausrichten. Man wolle sich noch stärker auf die Hauptsegmente digitaler Journalismus und digitale Rubriken fokussieren, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin.

    Das hieße auch, dass das dritte Segment Marketing mittel- bis längerfristig "nicht mehr zum Unternehmen" gehören werde.

    Macht Geld mit Job-, Immobilien- und Autorubriken

    "Das Unternehmen ist auf seinem Weg, immer digitaler zu werden, einen weiteren Schritt vorangekommen", sagte Döpfner zum vergangenen Geschäftsjahr. Das Medienhaus verdiente zuletzt immer mehr Geld mit digitalen Portalen für Job-, Immobilien- und Autoanzeigen, zum Beispiel mit der Stellenbörse Stepstone. Die Entwicklung im digitalen Geschäft von "Bild" und "Welt" sei ebenfalls erfolgreich. "Wir konvertieren immer mehr Abonnenten aus einzelnen Artikeln."

    Axel Springer wolle und könne in Zukunft mehr auf Wachstum setzen, sagte Döpfner. Am Mittwoch stellte er zudem ein neues Unternehmenslogo vor. In einem Unternehmen, das mehr als die Hälfte seines Geschäfts nicht mehr in Deutschland und viele internationale Mitarbeiter habe, müsse zudem die Unternehmenssprache Englisch sein.

    Weitere Zukäufe geplant

    Springer hält sich weiter bedeckt zu seinem Interesse am Kleinanzeigen-Geschäft von Ebay. Zu konkreten Assets könne er sich nicht äußern, sagte Springer-Vorstand Andreas Wiele auf der Hauptversammlung. Er betonte aber: "Natürlich würden wir uns Möglichkeiten, weiter durch Zukäufe zu wachsen bei den Rubrikenangeboten im Jobs- und Immobilienbereich, grundsätzlich sehr gerne anschauen." Bereits in der Vergangenheit habe man im Digitalgeschäft durch internes Wachstum und durch Übernahmen zugelegt. Noch sei aber nicht entschieden, ob Assets von eBay tatsächlich zum Verkauf stünden. Finanzchef Julian Deutz ergänzte, vor allem im Geschäft mit digitalem Journalismus und Internetportalen plane man Zukäufe.

    Vor rund einem Monat hatte das Wirtschaftsmagazin "Capital" berichtet, der Konzern spiele mögliche Varianten für einen Kauf der eBay Classifieds Group (ECG) durch. eBay hatte Anfang März angekündigt, seine Konzernstruktur zu überprüfen. Dabei gehe es unter anderem um die Online-Ticketbörse Stubhub und das Kleinanzeigengeschäft. eBay kommt damit dem Großaktionär Elliott entgegen. Der US-Hedgefonds hatte sich in der Vergangenheit bereits für den Verkauf der beiden Sparten ausgesprochen und das Kleinanzeigengeschäft auf zwischen 8 und 12 Mrd. Dollar taxiert. Die Sparte ECG setzte 2018 rund eine Milliarde Dollar um.

    Ralph Büchi sitzt neu im Aufsichtsrat

    Die Hauptversammlung wählte in Berlin auch den Aufsichtsrat neu. Dem Gremium gehört künftig Ralph Büchi an, zuständig für das operative Geschäft der Schweizer Ringier Gruppe ("Blick"). Er soll den Aufsichtsrat als Nachfolger von Giuseppe Vita leiten. Als Nachfolger von Lothar Lanz wurde der Wirtschaftsprüfer Ulrich Plett in das Kontrollgremium gewählt. Dem neunköpfigen Aufsichtsrat gehört auch weiterhin Hauptaktionärin Friede Springer an. (APA, 17.4.2019)

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