EU-Parlament stimmt für VW-Funkstandard für autonomes Fahren

17. April 2019, 18:07
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Autobauer, Mobilfunker und die EU sind uneins, was die künftige Funkanbindung für Autos ohne Fahrer betrifft

Straßburg – Seit Jänner ist es in Österreich offiziell erlaubt: Wer schon ein Auto mit automatischer Einparkhilfe sein Eigen nennt, darf aussteigen, bevor sich das Auto selbstständig in Parkposition begibt. Seit März dürfen Pkws laut Gesetz auch auf den Autobahnen vollständig autonom fahren.

Konkret heißt das aber nicht mehr, als dass es erlaubt ist, den Autobahnpiloten mit automatischer Spurhaltung einzusetzen. Autobahnfahrer dürfen also fahren, ohne die Hand am Lenkrad zu haben. Und das ohne zeitliche Beschränkung. Regierungen wollen weltweit die Entwicklung rund um fahrerlose Pkws und Lkws für einen Innovationsschub nutzen.

Funkanbindung

Das Europäische Parlament stellt sich nun hinter einen von Volkswagen und Toyota favorisierten neuen Funkstandard für das autonome Fahren in der EU. Die Abgeordneten in Straßburg stimmten am Mittwoch mehrheitlich für die von der EU-Kommission vorgeschlagene künftige Funkanbindung für Autos ohne Fahrer auf Basis des Wlan-Standards für drahtlose Netzwerke. Damit unterlag die alternativ vorgeschlagene Weiterentwicklungen der künftigen Mobilfunktechnologie 5G. Letztere wird von BMW, Daimler und der Deutschen Telekom favorisiert. Der Standard wird bestimmen, wie selbstfahrende Autos künftig miteinander Daten austauschen. Nun müssen noch die EU-Mitgliedsländer zustimmen. Der Ausgang der Abstimmung war völlig offen.

Auch die Autobranche ist gespalten. Hintergrund ist die Frage, wie selbstfahrende Autos sich künftig miteinander "unterhalten" sollen. Der ständige Austausch von Daten ist wichtig, damit etwa der Bordcomputer merkt, dass der Wagen vor ihm bremst. Zusätzlich sollen die Autos mit Funkeinrichtungen am Straßenrand kommunizieren. Ampeln könnten so ein heranrollendes Autos automatisch stoppen.

Doch über die Umsetzung der digitalen Vernetzung ist ein Grabenkampf entbrannt, nicht nur, weil es um Milliardenumsätze geht. Ein einmal gesetzter Standard bestimmt die Entwicklung für Jahrzehnte und kann später kaum noch geändert werden. Beliebtes Beispiel ist der Streit um die beiden Videostandards VHS und Betamax in den 80er Jahren.

Verfügbare Technik

Die EU-Kommission schlug vor einigen Monaten vor, bei autonomen Fahrzeugen in Europa auf den neuen Wlan-Standard ITS-G5 zu setzen. Großer Vorteil sei, dass die Technologie ausgereift und bald verfügbar sei, argumentierte die Brüsseler Behörde. Nur so könnten die Straßen in Europa sicherer werden. Dort kamen 2016 mehr als 25.000 Menschen ums Leben. Von den Autobauern stehen Schwergewichte wie Volkswagen, Toyota oder Renault hinter dem Entwurf.

In der Tat haben sich namhafte Kritiker formiert: BMW, Daimler, die Deutsche Telekom, Vodafone und andere sehen in dem Kommissionsplan eine technische Sackgasse. Sie machen sich stattdessen für einen EU-Standard auf Basis von 5G stark. BMW-Chef Harald Krüger und sein Telekom- Amtskollege Tim Höttges fordern in einem Reuters vorliegenden Brandbrief an die Bundesregierung ein Veto gegen den EU-Vorschlag. "Dieser ist aus unserer Sicht nur eine Übergangstechnologie", heißt es. Die Einführung der Wlan-Technologie würde den Marktstart von selbstfahrenden Autos in Europa erheblich verzögern. Die beiden Konzernchefs argumentierten, die 5G-basierte Technik (C-V2X) sei bereits in China Standard und werde sich voraussichtlich auch in den USA durchsetzen.(Reuters, red, 17.4.2019)

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