"Art & Antique" in Salzburg: Schlüpfrige Köder in erzbischöflicher Residenz

    16. April 2019, 16:29
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    Die Kunstmesse hat sich bei den Osterfestspielen als Rahmenprogramm etabliert: 38 Teilnehmer hoffen auf Verkäufe

    Der Auftakt verlief zufriedenstellend, zum spesendeckenden Händlerglück bedarf es aber noch zusätzlicher Verkäufe. So weit die knappe Zwischenbilanz zu der seit Freitag in Salzburg anberaumten "Art & Antique". 1976 fand die Kunstmesse erstmals statt, die sich bei den Gästen der Osterfestspiele im Laufe der Jahre als Rahmenprogramm etabliert hat. Bei der aktuellen 44. Auflage haben sich 38 Teilnehmer in die Prunkräume der ehemals erzbischöflichen Residenz einquartiert.

    Älteres, Neueres und "Salzburgensien"

    Die hier feilgebotenen Köder repräsentieren einen Streifzug durch die ältere und neuere Kunstgeschichte aller Gattung, von volkstümlichen Gegenständen und Mobiliar sowie höfischen Tischlerarbeiten über Kunsthandwerk bis hin zu Malerei der Gegenwart. Der Schwerpunkt liegt bei Werken heimischer Herkunft und inkludiert die Besonderheit der "Salzburgensien". Dazu gehört Berthold Löfflers Heiliger Virgil bei Mahringer & Kolhammer. Wer den Schutzpatron und Gründer Salzburgs im Wohnzimmer hängen sehen will, muss 28.000 Euro bereit halten.

    Viele Gustostückerln wurden reserviert, einige wechselten schon den Besitzer: Bei Giese & Schweiger eine Reihe von Bildern, darunter solche von Rudolf von Alt, Alfons Walde oder Anton Romako. Dem Antikenspezialist Christoph Bacher kam kurz vor der Vernissage das 80.000-Euro Highlight "abhanden". Der römische Marmorkopf eines jungen Satyrs nach hellenistischem Vorbild fand in einer bedeutenden Privatsammlung zeitgenössischer Kunst in Wien Unterschlupf. Via Salzburg wanderten ausgesuchte Stücke dank des kauffreudigen Adels nach Deutschland ab.

    Demel-Designer

    Bei der Galerie bei der Albertina fischte sich wiederum ein Salzburger Käufer das märchenhafte Gemälde Iris am Wasser von Friedrich von Berzevicy-Pallavicini aus dem Angebot. Dem als Demel-Designer bekannt gewordenen exzentrischen Künstler widmet die Universität für angewandte Kunst bald eine Ausstellung (Der Hausfreund, 1.5.–1.6.). Museumsluft schnupperte indes George Grosz wilde Lady Hamilton bei Wienerroither & Kohlbacher bereits im Belvedere (Die Kraft des Alters, bis 18.3.18). Wer diesen Lapdance nun exklusiv genießen möchte, muss 55.000 Euro hinblättern.

    Hier wie dort harren obligat Zeichnungen der heimischen "Nationalheiligen" Gustav Klimt und Egon Schiele ihrer Entdeckung: eine von Klimt 1908-09 mit blauem Farbstift hingeworfene Liegende mit hoch gerafftem Kleid (Wienerroither & Kohlbacher") oder seine Studie Stehende von vorne mit gerafftem, langen Gewand (Giese & Schweiger) für das legendäre Fries des Palais Stoclet in Brüssel. Und während Schieles Sitzende junge Frau (Galerie bei der Albertina) mit ihren Reizen geizt, kommen kunstaffine Voyeuristen bei seinem Liegendem Mädchen mit hochgezogenem Rock (Kunsthandel Freller) von 1916 recht eindeutig auf ihre Rechnung. (Olga Kronsteiner, 16.4.2019)

    Bis 22. 4.

    Art & Antique

    • Der Lapdance der "Lady Hamilton" anno 1930: ein geifernder Glatzkopf im Grabschmodus und kurz vorm Herzkasperl, vom Deutsch-Amerikaner George Grosz treffend skizziert.
      foto: wienerroither & kohlbacher

      Der Lapdance der "Lady Hamilton" anno 1930: ein geifernder Glatzkopf im Grabschmodus und kurz vorm Herzkasperl, vom Deutsch-Amerikaner George Grosz treffend skizziert.

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