Senfgeschmack verdirbt Spinnen den Appetit

    16. April 2019, 16:23
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    Forscher bestrichen Spinnenbeine mit verschiedenen Substanzen – eine davon schmeckte diesen gar nicht

    Chemische Verbindungen, die – unter anderem – einen prägnanten Geschmack hervorrufen, kommen nicht bei allen "Konsumenten" gleich gut an. Das kann man sich zunutze machen, vor allem wenn besagte Konsumenten unterschiedlichen Spezies angehören. So lässt sich Vogelfutter durch eine Beimengung von Capsaicin, ein für Chili typisches Alkaloid, davor bewahren, von Eichhörnchen weggefressen zu werden. Für die Nager ist solche Nahrung unangenehm scharf, die Vögel hingegen merken davon nichts.

    Der Geschmackstest

    Insekten machen sich durch verschiedene Substanzen für potenzielle Fressfeinde unbekömmlich – für Säugetiere ebenso wie für Vögel. Forscher der Wake Forest University im US-Bundesstaat North Carolina wollten nun aber wissen, ob es auch Geschmäcker gibt, die Spinnen abschrecken. Die Ergebnisse wurden auf dem Jahrestreffen der Association for Chemoreception Sciences in Bonita Springs, Florida vorgestellt.

    Für sein Experiment konfrontierte das Team um C. J. Saunders Wolfsspinnen (Lycosidae) mit drei Verbindungen, die dafür bekannt sind, dass sie – auch – abschreckende Wirkung hervorrufen können: Capsaicin, Menthol und Allylisothiocyanat (AITC), das in Senf und Wasabi enthalten ist. Es wurden sowohl Insekten, die zum Beutespektrum der Spinnen zählen, in die jeweilige Substanz getunkt als auch kurzerhand die Beine der Spinnen selbst mit den Substanzen bestrichen.

    Das Ergebnis: Auf Menthol reagierten die Spinnen kaum, auf Capsaicin gar nicht. Der Senfgeschmack rief hingegen spektakuläre Reaktionen hervor: Biss eine Spinne ein Insekt mit Senfnote, ließ sie sofort wieder von ihm ab und putzte ihre Kieferwerkzeuge ab. Und die armen Spinnen, deren Beine man mit AITC bestrichen hatte, verrenkten sich geradezu vor Eifer, den unangenehmen Überzug wieder loszuwerden. Sie stellten sich auf das notwendige Minimum von drei Beinen und nutzten alle freien Gliedmaßen, um die bestrichenen zu putzen.

    Mögliche Anwendungen

    Das Experiment zeigt laut Saunders, dass Spinnen über ähnliche Strukturen verfügen müssen wie die TRP-Kanäle, die Säugetiere haben. Diese "transient receptor potential channels" genannten Ionenkanäle sind unter anderem für die Wahrnehmung von Schmerz, aber auch von Geschmack zuständig.

    Wenn hier Ähnlichkeiten zwischen Spinnen und Säugetieren inklusive des Menschen bestehen, wäre es denkbar, Spinnen als "Vorkoster" einzusetzen, wenn es um Tests von potenziell schädlichen Chemikalien geht. Eine andere Anwendung läge ebenfalls auf der Hand: nämlich spinnenabschreckende Substanzen auf natürlicher Basis zu entwickeln. (jdo, 16. 4. 2019)

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