VSStÖ-Kandidatin Jandl: Soziale Absicherung statt Glücksrad

    Reportage mit Video17. April 2019, 08:00
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    Dora Jandl will mit dem Verband sozialistischer Studierender wieder so gut wie 2017 abschneiden

    der standard
    Wie sehen Studierende den VSStÖ und was sind die Pläne von Spitzenkandidatin Dora Jandl?

    Wien – Es ist zunächst ein nasser Montagmorgen vor der Universität Wien, Dora Jandl ist in dem grauen Wetter nicht zu übersehen. Die Spitzenkandidatin des Verbands sozialistischer Studierender (VSStÖ) steht in einem knallpinken Mantel vor dem Wahlkampfzelt ihrer Fraktion, die bekanntlich für eine andere Farbe steht. "Vielleicht sollte ich mir in Zukunft ja einen roten Mantel zulegen", sagt die 23-Jährige und lächelt.

    Glücksrad für Goodies

    Jandl hat soeben ihr Bachelorstudium in Bildungswissenschaft abgeschlossen, der Master muss noch etwas warten, denn für die Uni bleibe aktuell nicht viel Zeit. Sie möchte an das Ergebnis der Wahl 2017 anknüpfen und in der ÖH-Spitze vertreten sein, ein Plus von vier Mandaten gab es obendrein.

    Der regnerische Montag ist der erste Wahlkampftag vor der Uni. Das Wetter ist dabei keine Hilfe. Nur wenige Studierende wollen stehen bleiben und sich über die Forderungen des VSStÖ informieren – oder Goodies abstauben. Jandl weiß, dass Letzteres wichtig ist. "Hat jemand Lust, ein Bib-Tascherl zu gewinnen?", fragt sie in eine Runde vorbeigehender Menschen. Drei Mädels kommen mit zum Glücksrad. "Wer es schafft, dass das Rad bei reich stehen bleibt, gewinnt", erklärt Jandl. Eine hat Glück und nimmt die transparente Tasche mit Sticker, dem Wahlprogramm und einem Energydrink mit.

    Erklärungen für niedrige Wahlbeteiligung

    Zum Stand locken sollen aber auch kostenloser Kaffee, Kuchen, Zuckerln und Feuerzeuge. Selten bleibt Zeit, die vorbeigehenden Menschen in ein Gespräch über die ÖH zu verwickeln. Viele winken ab, sagen, sie haben kein Interesse.

    foto: christian fischer
    Jandl vor der Hauptattraktion des VSStÖ-Wahlkampfstandes – dem Glücksrad.

    Woran könnte es liegen, dass bei der letzten Wahl weniger als ein Viertel aller Studierender über die eigene Vertretung abgestimmt hat? Jandl hat eine Vermutung, denn sie ist keine Newcomerin in der Studierendenpolitik. Die Niederösterreicherin hat sich auch in der aktuellen Bundesvertretung der Hochschülerschaft eingebracht, sie war Sozialsprecherin. Jandl meint, dass "sehr viel Arbeit der ÖH im Unsichtbaren passiert. Und jene Leute, die sagen, dass sie die ÖH nicht brauchen, denen geht es generell sehr gut."

    Was der VSStÖ will

    Als zahnlosen Tiger würde sie die Studierendenvertretung nicht bezeichnen. "Ja, wenn die Regierung Zugangsbeschränkungen beschließt, dann können wir nichts machen, das stimmt. Aber wir haben andere Dinge erreicht, die das Leben von vielen Studierenden verbessert haben." Jandl nennt die Befreiung von der Studiengebühr für berufstätige Studierende, die allerdings durch ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs mit dem Wintersemester 2018 endete.

    Hier wollen Jandl und der VSStÖ "mehr", wie auf den Wahlplakaten zu lesen ist. Mit welchem Programm? Da hat sich in den letzten Jahren wenig getan: offener und freier Hochschulzugang, ein Beihilfensystem, das nicht "löchrig" ist, sondern "allen Studierenden, unabhängig von sozialer Herkunft, Nationalität oder Geschlecht, ein Studium ermöglicht". Altersgrenzen bei Beihilfen sollen fallen.

    Wer stehen bleibt, kann das von Jandl und ihrem Team erklärt bekommen. Nach fast einer Stunde spielt auch der Wettergott mit und die Sonne zeigt sich. Die Einzigen, die ihnen jetzt noch einen Strich durch die Rechnung machen können, sagt eine Unterstützerin, "sind die Fundraising-Leute, die direkt bei der Rolltreppe zur U-Bahn schon Leute abfangen". (Lara Hagen, 17.4.2019)

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