Erste Kurztests des Galaxy Fold: 2.000 Euro für ein faltbares Handy mit Knick

    16. April 2019, 09:57
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    Obwohl es die erste Generation einer neuen Geräteklasse ist, macht Samsungs Falthandy einen erstaunlich fertigen Eindruck

    Die faltbaren Smartphones kommen und wer beim neuesten Innovationssprung ganz vorne dabei sein will, muss tief in die Tasche greifen. 2.000 Dollar bzw. Euro will Samsung für seinen Erstling, das Galaxy Fold. Es vereint einen Außenbildschirm mit 4,6-Zoll-Diagonale mit einem Innendisplay, das 2.152 x 1.536 Pixel auf 7,3 Zoll bietet und zugänglich wird, wenn man das Handy auseinanderfaltet.

    Die technische Einheit aus Telefon und Tablet soll zeigen, wo die Zukunft der Smartphones liegt. Erste US-Medien hatten zum Start der US-Vorbestellungen nun Gelegenheit, das Gerät eine kurze Weile anzutesten. Wir fassen die Erfahrungen von The Verge, Wired und Engadget zusammen.

    samsung

    Gut gebaut

    Unisono angetan geben sich alle drei Autoren von der technischen Umsetzung des Fold. Wer dachte, dass Samsung einen besseren Prototypen auf den Markt wirft, wird in dieser Hinsicht eines Besseren belehrt. Das Gerät ist gut verarbeitet. Das Auf- und Zuklappen eignet man sich schnell an und es wird als einigermaßen befriedigendes Erlebnis beschrieben. Die Schilderung der Akustik unterscheidet sich geringfügig. Das Einrasten des Scharniers beim Entfalten des Fold wird beispielsweise verglichen mit dem Schließen einer Tür unter Wasser.

    Das Herzstück ist freilich das große, in der Ursprungsposition auf sich selbst geklappte Display. Es liefert schöne Darstellung, fühlt sich aber weniger "premium" an, als der Bildschirm anderer Handys. Der simple Grund: Man hat es nicht mit einer Glasoberfläche zu tun, sondern einem Kunststoff. Denn bislang ist es noch niemandem gelungen, derart biegsames Glas zu entwickeln.

    Ein fühlbarer Knick

    Eine der größeren Bedenken hinsichtlich der neuartigen Handys ist die Falz in der Mitte. Ist sie sichtbar? Ist sie fühlbar? Die gute Nachricht: Optisch wahrnehmbar wird sie nur, wenn man aus einem seitlichen Winkel auf das Handy schaut, während am Display etwas Helles zu sehen ist. Auf dunklem Untergrund verschwindet sie praktisch. Die schlechte Nachricht: Sie lässt sich stets ertasten, was für einige Nutzer ein No-Go sein könnte.

    Das Faltkonzept führt dazu, dass das Fold nicht nur im Vergleich mit den aktuellen und recht schlanken Smartphones einen klobigen Eindruck hinterlässt. Generell erscheint es als Gerät, das man in Jacken- und Handtaschen verwahrt und weniger als ein Gadget, das man aus der Hosentasche zieht.

    Solide Software

    Hardwareseitig hat Samsung unter die Haube aktuelle Komponenten gesteckt, beginnend beim Qualcomm Snapdragon 855 in Tandem mit üppigen 12 GB RAM und 512 GB Speicher. Softwareseitig zeigt sich das Fold ebenfalls "erstaunlich" fortgeschritten. Besonders in Anbetracht dessen, dass die Android-Optimierung für Tablets schon seit Jahren zu wünschen lässt, hat Samsung seine Software gut hinbekommen.

    Die meisten Apps entfalten sich verlässlich vom kleinen auf das große Display, wenn man das Telefon aufklappt. Das Onscreen-Keyboard ist im Porträtmodus in der Mitte geteilt, um alle Tasten mit den Daumen erreichen zu können. Wer mag, kann auch zwei oder drei Apps nebeneinander auf das Display legen.

    Ganz ohne Kinderkrankheiten kommt aber auch das Fold nicht aus. Manche Programme tun sich noch schwer mit dem etwa eigenwilligen Formfaktor von 4,2:3 und auch der im Eck befindliche Notch, der das Kameramodul beherbergt, gerät manchmal in den Weg. Und nicht jede App unterstützt den Splitscreenmodus.

    Gelungenes Debüt für kleine Zielgruppe

    Geteilte Meinungen gibt es ob der Erwartungen an die Akkulaufzeit. Definitive Aussagen lassen sich aufgrund der kurzen Testzeit freilich nicht fällen. Während man bei The Verge optimistisch ist, dass man mit einer Kapazität von 4.380 mAh gut über den Tag kommen wird, ist die Erwartungshaltung bei Endgadget eher skeptisch.

    Beim Fazit kommt man aber wieder überein. Nach Monaten der Geheimhaltung habe man Schlimmes befürchtet, wurde aber mit einem erstaunlich fertigen Gerät überrascht. Samsung hat auf den ersten Blick gute Arbeit für seinen faltbaren Erstling geleistet, auch wenn das Galaxy Fold nicht nur aufgrund seines Preises für viele Smartphone-Enthusiasten eher noch nicht in Frage kommt. Dennoch gebührt dem Hersteller Lob dafür, ein vollständig funktionierendes Falthandy gebaut zu haben, auch wenn dessen erster Version noch der Charakter eines sehr gut ausgearbeiteten Prototypen anhaftet.

    In Österreich können Interessenten sich ab 26. April für die Bestellung des Galaxy Fold registrieren. (gpi, 16.04.2019)

    • Samsungs erstes Falthandy bringt erstaunlich wenige Kinderkrankheiten mit.
      foto: ap

      Samsungs erstes Falthandy bringt erstaunlich wenige Kinderkrankheiten mit.

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