Identitäre in Tirol unbedeutend, aber mit Verbindungen zur FPÖ

    15. April 2019, 17:45
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    Dokumente und Mailverteiler zeigen, dass die Gruppierung kaum Zulauf hatte, aber Unterstützer im freiheitlichen Umfeld sowie unter Bundesheerangehörigen

    Innsbruck – In Tirol schaffte es die Identitäre Bewegung nicht, Fuß zu fassen. Wie dem STANDARD vorliegende Dokumente aus dem inneren Zirkel der Gruppe zeigen, bestand sie zu ihren Hochzeiten 2016 und 2017 aus maximal 40 Personen, von denen nur zehn als wirklich aktive zu bezeichnen gewesen seien. Man versuchte, eine Buchpräsentation zu stören, hing weitgehend unbemerkt ein Transparent auf das Befreiungsdenkmal vor dem Landhaus und beteiligte sich an einer Demonstration gegen eine Flüchtlingsunterkunft.

    Interessant sind allerdings die Verbindungen des Grüppchens zur FPÖ. Denn wie ein Mailverteiler der Tiroler Identitären, den der Blogger Markus Wilhelm dieser Zeitung zuspielte, zeigt, waren 2016 mehrere Jung-Funktionäre der Tiroler Freiheitlichen unter den Adressaten. Darauf angesprochen räumt der blaue Landtagsabgeordnete Christofer Ranzmaier, damals Generalsekretär des Ringes Freiheitlicher Jugend (RFJ) in Tirol und heute dessen Landesobmann, diese Kontakte auch ein.

    RFJ statt Identitäre: "Patriotische Jugend"

    Doch eine "große Nähe" sieht er nicht gegeben. Zwei dieser Funktionäre seien mittlerweile aus der Partei ausgeschlossen worden, ein dritter fungiert heute als sein Stellvertreter. "Mit ihm wurde gesprochen", so Ranzmaier. Der junge Mann sei damals erst 16 Jahre alt gewesen und habe nur "einmal an einem Stammtisch der Identitären teilgenommen, eine Jugendsünde". Der RFJ sei die einzige Organisation in Tirol, die die "patriotische Jugend" vertrete, sagt Ranzmaier: "Neben uns braucht es keine andere."

    In dem Mailverteiler findet sich auch Georg Watschinger, der für den FPÖ-Freundeskreis im ORF-Stiftungsrat sitzt. Drauf angesprochen weist er jede Verbindung zu den Identitären strikt zurück. Wie sein Name in diesen Verteiler kam, in dem die Adressaten als Mitglieder und Unterstützer bezeichnet werden, sei ihm ein Rätsel. Er habe sich damals über die Zuschrift "sehr geärgert" und sich vom Verteiler abgemeldet.

    Watschinger ist "Alt-Herr" der schlagenden Burschenschaft Brixia in Innsbruck. Diese lud die Identitären "zum Heimatabend" auf die Bude ein, wie Mails belegen. Wer in Tracht erschien, dem wurde ein kostenloses Paar Weißwürste zuteil.

    Freiheitliche im Mailverteiler

    Im Mailverteiler sind neben Ex-FPÖ-Politikern wie Werner Königshofer oder Alois Wechselberger, mehrere aktive Bundesheersoldaten zu finden. Auch ein dem rechten Rand zuzuordnender Publizist, der auf FPÖ-nahen Portalen wie unzensuriert.at oder Genius schreibt, ist darunter.

    Zudem finden sich zwei Ersatzgemeinderäte der FPÖ Ried im Innkreis unter den Adressaten. Der dortige Vizebürgermeister Thomas Dim (FPÖ) sagt, er habe davon nichts gewusst. Dabei fungierte einer der beiden sogar offiziell als Sprecher der Tiroler Identitären. Dim betont, dass beide keine Funktion in Ried innehätten.

    Eine weitere Adressatin tritt online als FPÖ-Fan auf und hat das Manifest des norwegischen Massenmörders Breivik auf eine öffentliche Plattform hochgeladen, um es als "detaillierte Programmschrift zum Sturz der Multikulti-Regimes in Europa" anzupreisen. (Steffen Arora, 16.4.2019)

    • Am vergangenen Freitag verwehrte sich Heinz-Christian Strache beim Landesparteitag der Tiroler FPÖ gegen jede Vereinnahmung durch Identitäre.  Doch die Verbindungen sind unübersehbar.
      foto: apa/expa/johann groder

      Am vergangenen Freitag verwehrte sich Heinz-Christian Strache beim Landesparteitag der Tiroler FPÖ gegen jede Vereinnahmung durch Identitäre. Doch die Verbindungen sind unübersehbar.

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