Eltern verteidigen nach Skandal Balletakademie

    Kommentar der anderen15. April 2019, 16:18
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    In einem offenen Brief melden sich Eltern, deren Kinder die Talenteschmiede der Wiener Staatsoper besuchen, zu Wort

    Die Ballettakademie der Wiener Staatsoper sieht sich mit Missbrauchsvorwürfen – Demütigungen, Drill, Gewalt – konfrontiert. 65 Eltern fordern eine lückenlose Aufklärung, auch wenn ihr Bild von der Ballettausbildung an der Staatsoper ein gänzlich anderes ist.

    Unseren Kindern geht es um die Freude am Tanzen. Sie verfolgen eine Leidenschaft, die aus ihnen selbst kommt. (...) Kein Kind, kein Teenager kann gezwungen werden, jahrelang die täglichen Strapazen auf sich zu nehmen, wenn es nicht selbst für die Sache brennt. Und ja, es sind Strapazen: Schule am Vormittag und Training am Nachmittag, Lernen am Wochenende, schweißtreibendes Wiederholen von Übungen und manchmal auch Blasen an den Füßen.

    Freude am Tanzen

    Wir unterstützen unsere Kinder dabei und ermöglichen ihnen, diesen Traum zu verfolgen. Und wir hören genau hin, was sie von ihrem Alltag in der Ballettakademie erzählen. Meistens freuen wir uns mit ihnen, und wenn es notwendig ist, stehen wir ihnen zur Seite. Wir sind oft auch vor Ort. Dort sehen wir unsere Kinder, wie sie sich auf das gemeinsame Training freuen, lachend durch das Haus laufen und als Ausgleich zum klassischen Tanz in den Nebenfächern improvisieren. Sie sind stolz auf ihre Leistungen und darauf, dass sie der Ballettakademie der Wiener Staatsoper angehören. Das alles passt zwar nicht ins Bild der letzten Tage, aber dennoch ist das der Alltag unserer Kinder. Oder besser gesagt, es war der Alltag. Jetzt sind unsere Kinder – und mit ihnen auch wir Eltern – verunsichert und verstehen vieles nicht mehr.

    Der von unseren Kindern hochersehnte Auftritt auf der Bühne der Wiener Staatsoper als Engel, Waldfee oder Ratte im Nussknacker ist eine großartige Möglichkeit, aus ihrem Alltag hervorzutreten und wunderbare Verwandlungen zu erleben. Leider wird das von manchen als schlecht bezahlte Kinderarbeit verunglimpft. In Wirklichkeit sehen unsere Kinder solche Auftritte als Zeichen der Anerkennung und als einzigartige Möglichkeit, ihr Können zu präsentieren und die so wichtige Bühnenerfahrung zu sammeln.

    Indiskutable Übergriffe

    Selbstverständlich sind Misshandlungen und sexuelle Übergriffe absolut indiskutabel, und wir sind die Ersten, die an einer lückenlosen Aufklärung interessiert sind, auch wenn das nicht unser Bild ist, das wir und unsere Kinder in der Ballettakademie bisher erlebt haben. (...)

    Es ist uns bewusst – und als verantwortungsvolle Eltern besprechen wir das auch mit unseren Kindern –, dass die professionelle Ausbildung zur Balletttänzerin oder zum Balletttänzer mit fortschreitender Dauer intensiver wird. Wenn in den oberen Klassen ein internationales Spitzenniveau erreicht werden soll, so ist wie in jeder Art des Spitzensports oder bei Profimusikern ein sehr hoher Einsatz erforderlich. Dieser Einsatz kann auch an Grenzen gehen, die Eltern und Lehrkräfte genau beobachten müssen. Wir finden es gut, dass die aktuelle Diskussion die Aufmerksamkeit auf diese laufende Begleitung der Elevinnen und Eleven lenkt und dass sich die Ballettakademie der Wiener Staatsoper künftig – im Sinne einer modernen Ausbildungsstätte – auch dem Thema der psychologischen Betreuung der Kinder widmen wird.

    Mit diesem offenen Brief wünschen wir für unsere Kinder, dass ihnen die Freude an ihrer Leidenschaft erhalten bleibt. Sie sind keine Opfer, die Mitleid und Bedauern seitens der Öffentlichkeit brauchen, sondern kleine Heldinnen und Helden, denen wir Anerkennung und Achtung zukommen lassen möchten und auf jeden Fall mehr Verständnis für ihre Leidenschaft – das Tanzen. (16.4.2019)

    Vitali Bodnar, Alexander Edlmayer, Gabriella Govrik, Kurt Leutgeb, Astrid Murg und Erwin Ulreich haben den bisher von 65 Eltern unterzeichneten offenen Brief initiiert. Ihre Kinder im Alter zwischen zehn und 13 Jahren besuchen die Ballettakademie der Wiener Staatsoper.

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