Radiologietechnologin: "Sind die Fluglotsen des Krankenhauses"

    16. April 2019, 07:00
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    Ohne Radiologietechnologen geht in Krankenhäusern nichts, sagt Michaela Knabl. Sie leitet den Studiengang an der FH Wiener Neustadt

    "Sie sind die Fluglotsen des Krankenhauses: die Radiologietechnologen. Ohne sie funktioniert es genauso wenig wie ohne Ärzte. Das ist Teamwork. Obwohl wir Radiologietechnologen im Hintergrund arbeiten, ist unser Job immens wichtig. Denn in der heutigen Zeit gibt es kaum mehr Diagnosen, die ohne Bildgebung stattfinden.

    Wir machen also Röntgenuntersuchungen etwa des Skeletts, der Lunge sowie Mammografie, Computertomografie, Magnetresonanztomografie und Ultraschall. Es ist schließlich auch unsere Aufgabe, die Ergebnisse so aufzubereiten, dass die Ärzte damit etwas anfangen können. Außerdem arbeiten wir in der Strahlentherapie. Die Ärzte prüfen zunächst, ob Strahlentherapie möglich ist. Wenn ja, machen wir einen Plan für die Bestrahlung: Welche Dosen sollen die Patienten bekommen? Wir führen auch die Bestrahlung durch.

    Krebserkrankungen erkennen

    Ein weiterer Bereich, in dem wir arbeiten, ist die Nuklearmedizin. Hier machen wir vor allem diagnostische Untersuchungen, aber auch Therapie. In der Nuklearmedizin werden den Patienten sogenannte Radiopharmaka verabreicht, das sind radioaktive Arzneimittel. Damit kann man Stoffwechselprozesse sichtbar machen.

    Bei Krebserkrankungen zeigt sich eine erhöhte Aufnahme dieses Radiopharmakons, und das kann man mit den Messgeräten darstellen. Man sieht dann auch zum Beispiel, ob es Tumormetastasen gibt. Für die Therapie macht man sich zunutze, dass diese aktiven Zellen das Radiopharmakon aufnehmen und davon zerstört werden. Das geht zum Beispiel bei gewissen Erkrankungen der Schilddrüse.

    Gute Jobaussichten

    Wie man sich vorstellen kann, haben wir in unserer Arbeit viel Kontakt mit den Patienten. Wir erklären ihnen die einzelnen Therapieschritte, stehen ihnen Rede und Antwort und unterstützen sie psychisch während der Therapie. Zu uns sind die Leute oft viel offener als zu den Ärzten. Es scheint, als hätten sie manchmal Scheu, sie alles zu fragen. Dann sind wir da.

    Radiologietechnologen arbeiten aber nicht nur im Krankenhaus. Sie sind auch in Ambulatorien, Ordinationen oder in der Forschung zu finden. Wer den Beruf ausüben will, darf sich nicht vor Verantwortung scheuen. Radiologietechnologen müssen Risiken abschätzen können. Wichtig ist auch, dass man ehrgeizig ist. Anstrengungsvermeider werden im Studium kaum erfolgreich sein, denn es ist schon viel zu lernen.

    Dafür sind die Jobchancen nach dem Studium sehr gut. Sie werden in den nächsten Jahren vermutlich auch immer besser, weil der Gesundheitsbereich insgesamt mehr Leute brauchen wird. Die Bezahlung liegt anfangs zwischen 2500 und 2800 Euro brutto.

    Beruf liegt in der Familie

    Wie ich zu dem Beruf gekommen bin? Mein Vater war Facharzt für Radiologie, und meine Mutter bereits Radiologietechnologin. Mein Bruder war auch Facharzt für Radiologie. Ich war also drin in dem ganzen Thema. Nach der Matura habe ich die Ausbildung in Wien begonnen, dann am Landesklinikum Wiener Neustadt zu arbeiten begonnen und später die Abteilung geleitet.

    Vor 25 Jahren wurde ich gefragt, ob ich die Medizisch-technische Akademie für Radiologietechnologie aufbauen will. Diese habe ich als Direktorin bis 2005 geleitet. Dann bin ich an die Fachhochschule Wiener Neustadt gekommen.

    Als ich angefangen habe, war der Beruf ein fast reiner Frauenberuf. 2005 wurde er aufgewertet und an die Fachhochschule gebracht. Das hat bewirkt, dass sich nun auch viele Männer dafür interessieren. Mittlerweile sind fast 40 Prozent Männer. Das aber liegt sicher auch daran, dass es ein sehr technischer Beruf ist. Es entstehen immer wieder neue Arbeitsfelder, weil uns die Medizintechnik treibt. Außer für Technik muss man sich aber auch für Medizin interessieren und gut mit Menschen können. Es ist also ein vielfältiger Beruf. Ich mag ihn sehr." (Lisa Breit, 16.4.2019)

    Michaela Knabl ist seit 1980 Radiologietechnologin. In ihrer Dissertation geht es um die Geschichte der Disziplin. Seit 2005 leitet Knabl das Studium Radiologietechnologie an der FH Wiener Neustadt. Sie ist auch Präsidentin des Berufsfachverbandes für Radiologietechnologie.

    • Sie arbeiten mit den neuesten Geräten: Radiologietechnologen.
      foto: getty images

      Sie arbeiten mit den neuesten Geräten: Radiologietechnologen.

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