Können Investoren die Welt verbessern und gleichzeitig Geld machen?

    14. April 2019, 15:22
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    Die Fondsmanagerin Béryl Bouvier di Nota glaubt daran. Sie investiert in Unternehmen, die neben Rendite auch messbaren sozialen Mehrwert bieten

    Wien – Wer Geld investiert und dabei bestimmte Themen ausklammern will, findet im Bereich der nachhaltigen Investments viele Möglichkeiten. So kann nur in jene Unternehmen veranlagt werden, die auf faire Entlohnung achten, keine Kinderarbeit zulassen und nicht in die Herstellung von Waffen oder Tabak involviert sind.

    Béryl Bouvier di Nota dreht diesen Ansatz noch einen Schritt weiter. Die Fondsmanagerin fokussiert sich bei ihren Investments auf die positive Seite der Ökonomie. Die Gelder des von ihr gemanagten Fonds "OFI Fonds RS European Equity Positive Economy" fließen in Unternehmen, die mit ihrem Geschäft soziale, gesellschaftliche oder ökologische Probleme lösen und damit einen positiven Beitrag für den Schutz der Umwelt und die Verbesserung der Lebensbedingungen leisten.

    Vier Grundthemen

    Für Bouvier di Nota stehen die Themenfelder "Bewahrung der natürlichen Ressourcen" (etwa Müllverwertung und -vermeidung), "Gesundheit und Wohlbefinden" (z. B. Ernährung, medizinische Behandlungsmöglichkeiten), "Energiewende" (etwa der Fokus auf erneuerbare Energie oder CO2-Reduktion) sowie "Sicherheit" (etwa Datenschutz) im Mittelpunkt ihrer Strategie. Sie sucht für diese Bereiche europäische Unternehmen mit geringer und mittlerer Marktkapitalisierung. Auch hier gilt: Unternehmen mit schlechter Praxis werden ausgeschlossen.

    Unternehmen müssen für Bouvier di Nota nicht nur eine gute Idee haben, die sich rentiert – "das Geschäft muss auch einen positiven Effekt haben, der sich messen lässt". Auch auf Nachhaltigkeit spezialisierte Ratingagenturen würden immer mehr auf die Messbarkeit des Effekts von Investments achten. Doch wie lassen sich solche Erfolge messen?

    Mehr Lebensqualität

    Das beantwortet die Fondsmanagerin mit dem Beispiel Scatec Solar, einem Betreiber und Anbieter von Solarenergie in Emerging Markets. Das Unternehmen setzt auf grüne Energie und verbreitet seine Produkte dort, wo es bis heute keine flächendeckende Stromversorgung gibt. Gleichzeitig werden mit dem Einsatz von Solarenergie die CO2-Emissionen reduziert. Bis 2017 waren das 700.000 Tonnen, bis zum Jahresende soll sich dieser Wert verdoppelt haben. Hinzu kommt, dass damit Strom in Gebiete kommt, die bisher keinen haben. Das erhöht die Lebensqualität der Menschen. Das ist der zweite positive Effekt. Beides sind laut Bouvier di Nota Effekte, die messbar sind.

    "Die Welt ist in Summe sehr ungleich", sagt Bouvier di Nota. Themen, die es zu lösen gibt, betreffen neben der Wasserversorgung auch die Ernährung (Unterernährung versus Erkrankungen durch Überernährung bzw. Fastfood), das Müllrecycling und auch die Cybersicherheit. Denn Smart Cities oder Smart Meter seien alle auch Datensammler, und diese gehörten entsprechend gesichert. Für die Fondsmanagerin ist der sichere Umgang mit Daten auch ein Teil von Sustainability.

    Millennials wollen Impact

    Es sind laut Bouvier di Nota vor allem die Millennials, "die verantwortungsvoll investieren und einen Impact, also eine Auswirkung, sehen wollen". Ein wichtiges Thema ist für diese Gruppe auch die Ernährung. Der Einsatz von gesunden Lebensmitteln sowie von Salz und Zucker steht bei dieser Zielgruppe ebenfalls stark im Fokus – ein Thema, auf das auch die Regulierungsbehörden immer stärker achten.

    Die EU-Kommission etwa nimmt Nahrungsmittelhersteller immer genauer ins Visier. Zu viel Salz und Zucker – etwa in Fertigpizzen – ist etwas, das Konsumenten immer öfter sauer aufstößt. Eine Veränderung hier sei Teil des Innovationsprozesses, erklärt Bouvier di Nota. Die Ausschilderung der Inhaltsstoffe auf den Produkten sei ein wichtiger Schritt. Jeder könne sich so zumindest anschauen, was in der Pizza drin ist.

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    Fondsmanagerin Béryl Bouvier di Nota: "Unternehmen müssen neben der Rendite auch einen positiven Effekt haben, der messbar ist

    Ein weiteres wichtiges Thema für die Fondsmanagerin ist Plastik. Auch wenn die EU Einwegplastik verbietet, bedeute das nicht, dass gar kein Plastik mehr zum Einsatz komme. Aktuell würden nur zwei Prozent des weltweiten Plastiks recycelt. Die anderen 98 Prozent schlummerten im Restmüll, in der Umwelt und im Ozean. Wer innovative Ideen für ein nachhaltiges Recyclingsystem hat, das auch in Emerging Markets flächendeckend eingesetzt werden kann, könnte punkten.

    Auch das länderübergreifende Engagement mit den Social Development Goals (SDGs) zeige, dass erkannt wurde, dass auf die Ressourcen besser geachtet werden muss, fasst Bouvier di Nota zusammen.

    Fokus auf SRI-Themen

    Trotz des engmaschigen Themenfeldes, umfasst das Anlageuniversum in Europa etwa 400 Aktien. Die Themenaufteilung im Portfolio setzt sich aktuell so zusammen: 36 Prozent sind in den Bereich Energie investiert, 31 Prozent fließen in den Bereich Gesundheitswesen, 14 Prozent in die Erhaltung von natürlichen Ressourcen und 19 Prozent in den Bereich Sicherheit. Im Fonds hält Bouvier di Nota aktuell 56 Titel, mit Lenzing auch ein Unternehmen aus Österreich.

    Die französische Fondsgesellschaft Ofi ist seit 2017 in Österreich aktiv. Mit einem verwalteten Vermögen von 72 Milliarden Euro gehört der Asset-Manager in Frankreich zu den größten Anbietern. Der Schwerpunkt bei Investitionen liegt im Bereich Socially Responsible Investments. (Bettina Pfluger, 11.4.2019)

    • Solarenergiegilt als eine nachhaltige Form der Energiegewinnung. Damit lässt sich der CO2-Ausstoß reduzieren – das schafft einen sozial messbaren Mehrwert.
      foto: afp / manjunath kiran

      Solarenergiegilt als eine nachhaltige Form der Energiegewinnung. Damit lässt sich der CO2-Ausstoß reduzieren – das schafft einen sozial messbaren Mehrwert.

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