Mehr ausländische Köche und Spargelstecher gegen Arbeitskräftemangel

    13. April 2019, 08:44
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    Mehr befristete Arbeitskräfte aus Drittstaaten sollen den Mangel mildern. Statt Billigarbeitskräfte zu holen, möge man Bedingungen verbessern, so die SPÖ

    Wien – Die Bundesregierung hat Ende der Woche ihre Verordnung für mehr befristete Arbeitskräfte aus Ländern außerhalb der EU in Begutachtung geschickt. Mehr der gefragten Kräfte in Tourismus und Landwirtschaft sollen demnach künftig kommen dürfen. Demnentsprechend euphorisch reagiert die WKÖ-Spartenobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher. Sie spricht in einer Aussendung von einem Meilenstein auf dem Weg zur Arbeitskräftesicherung.

    Waren im Tourismus bisher 1.000 Personen im Winter und 720 im Sommer genehmigt, sind es mit der neuen Verordnung ganzjährig durchgehend 1.263. Gerade angesichts des akuten Fachkräftemangels ist dies ein enorm wichtiger Schritt für die Branche," so Nocker-Schwarzenbacher.

    Erntehelfer

    Auch der Landwirtschaft, die sich immer wieder schwer tut, ausreichend Erntehelfer zu finden, wird das Kontingent erhöht. Was den Bauernbund naturgemäß freut. Dessen Präsident Georg Strasser weiß auch schon, wo die Kräfte eingesetzt werden sollen. Die Land- und Forstwirtschaft sei der Hauptbetroffene des Klimawandels", heißt es in einer Aussendung. Neben der Erntesaison hätten Dürren und Schädlingsbefall auf den Äckern und in den Wäldern Sorgen bereitet. Schadholz müsse aus dem Wald so schnell wie möglich abtransportiert werden. Geschieht das nicht, wäre die Ernte in Gefahr und der Borkenkäfer könnte sich wieder vermehrt ausbreiten. Im vergangenen Jahr hat es hier an Arbeitskräften gemangelt, daher ist für die bäuerlichen Betriebe sehr wichtig, dass sie für dieses Jahr planbare Rahmenbedingungen vorfinden", so Strasser.

    Die Zahl steigt von 2.610 auf 2.727 plus 288 Kurzzeitkräfte (bisher 275). Für ein und dieselbe Saisonarbeitskraft dürfen innerhalb eines Zeitraumes von zwölf Monaten Beschäftigungsbewilligungen für eine Gesamtdauer von längstens neun Monaten erteilt oder verlängert werden. Im Schnitt steigt damit die Zahl der Kurzzeitkräfte aus Nicht-EU-Ländern um 4,5 Prozent.

    Spitzen

    Außerdem darf die Zahl der Saisonniers kurzfristig um 20 Prozent erhöht werden, dieses Plus muss aber im Laufe des Jahres wieder abgebaut werden, so das Landwirtschaftsministerium am Freitag in einer Aussendung. Die Bundesregierung ergreife damit nach der Reform der Rot-Weiß-Rot Card und der Regionalisierung und Erweiterung der Mangelberufsliste die nächsten Maßnahmen.

    "Die neue Saisonnierskontingent-Verordnung bringt mehr Flexibilität und vor allem ein höheres Kontingent für die Arbeitsspitze, wenn es dringend gebraucht wird", meint dazu auch Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Naturgemäß zufrieden sind auch: Wirtschaftskammer, Wirtschaftsbund und die Hoteliervereinigung. SPÖ und Gewerkschaften hatten in der Vergangenheit die geplante Erhöhung kritisiert und auf die hohen Arbeitslosenzahlen verwiesen. Am Freitag legt SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch nach. Er fordert, dass mehr in die Qualifikation von Arbeitssuchenden investiert wird.

    Probleme angehen

    Die strukturellen Probleme im Tourismus gehörten grundsätzlich angegangen. "Die Regierung ignoriert schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Löhne und hat überhaupt kein Rezept, wie man Arbeit in der Tourismusbranche attraktiver machen könnte", sagt Muchitsch.

    Den österreichischen Arbeitsmarkt für Billigarbeitskräfte aus Drittstaaten immer weiter zu öffnen, sei keine gute Idee, so Muchitsch. Er verwies in einer Aussendung darauf, dass im Vorjahr im Jahresdurchschnitt die Tourismusbranche 38.000 Arbeitslose verzeichnete. "Was die Regierung macht, ist organisiertes Lohndumping. Sie lässt die arbeitssuchenden Menschen in Österreich, Inländer und Ausländer, im Stich." (APA, red, 13.4.2019)

    • Händeringend gesucht – für die Spargelstecher gilt das bisher noch nicht.
      foto: apa

      Händeringend gesucht – für die Spargelstecher gilt das bisher noch nicht.

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