Faschisten mit Todesliebe

Einserkastl12. April 2019, 18:04
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Die Identitären nehmen die Spartaner als Vorbild

Als sich am Engpass der Thermopylen 300 Spartaner einem persischen Heer von mindestens 100.000 Mann entgegenstellten, sollen die Perser sie zur Übergabe aufgefordert haben: "Unsere Pfeile werden die Sonne verdunkeln" – "Dann kämpfen wir eben im Schatten", soll der spartanische König Leonidas geantwortet haben.

Ultracool. Und hammerhart. So möchten unsere "Identitären" auch sein. Sie führen das griechische "Lambda" (für "L", da der zweite Name für die Spartaner "Lakedaimonier" lautete) auf ihren Fahnen. Sie unterteilen sich in Ränge wie "Hopliten" (Schwerbewaffnete in Bronzerüstungen) und normale "Spartiaten", obwohl das unhistorisch ist. Apropos unhistorisch: In dem US-Film "300", der unter Identitären Kultstatus genießt, aber eher "Rambazamba in der Herrensauna" heißen sollte, treten die Spartaner nur mit herzigen Spielhoserln gegen die Perser an, deren König Xerxes als klirrschmuckbehängte Ultraschwuchtel gezeigt wird. Kein Willkommensklatschen für Xerxes!

Ohne den Sieg der Griechen insgesamt gegen das persische Großreich wäre es vermutlich mit der klassischen Antike, die ein Fundament unserer Kultur ist, nichts geworden. Aber wer sich heute die Spartaner zum Vorbild nimmt, die in einer grausamen Gewaltgesellschaft lebten, der findet auch Faschismus gut. Und er zeigt eine für Faschisten typische Todesliebe, da die 300 bekanntlich alle draufgegangen sind. (Hans Rauscher, 12.4.2019)

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