Hunderte Impfungen nach neuem Masernausbruch

    12. April 2019, 15:48
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    Ärztekammer will, dass Kinderärzte künftig auch Erwachsene impfen dürfen – Für Gesundheitsministerin kein Thema

    Bregenz/Klagenfurt/Wien – Die Kärntner Gesundheitsbehörden waren am Freitag um Beruhigung bemüht: Vier bestätigte Masernfälle und mindestens vier Verdachtsfälle zählten Landessanitätsdirektion und Klagenfurter Gesundheitsamt, zusammengefasst "keine weitere Ausbreitung der Masern in Kärnten", wie sie in einer Aussendung festhielten. Drei Erkrankte wurden im Klinikum Klagenfurt stationär behandelt.

    Wer vermutet, dass er an Masern erkrankt ist, soll nicht in ein Spital fahren, sondern sich telefonisch an den Hausarzt wenden beziehungsweise an den Gesundheitsnotdienst 141, lautete der Appell der Kärntner Behörden. "Weder kann man sich dort impfen lassen, noch gibt es im Labor irgendwelche Auskünfte", hieß es vom Klinikum Klagenfurt. Seit Bekanntwerden der Masernfälle ließen sich in dem Bundesland mindestens 400 Menschen impfen.

    Im Fall des in Göfis im Vorarlberger Bezirk Feldkirch erkrankten Kindes blieb die Volksschule am Freitag geschlossen. Bis auf die Direktorin war keine einzige Lehrperson nachweislich immunisiert, weshalb die Pädagogen aufgrund des Krankheitsfalls vorsorglich drei Wochen zu Hause bleiben müssen, wie die Landessanitätsdirektion informierte. Wie das Kind sich angesteckt hat, war noch unklar. Masern sind hochansteckend, das Virus wird über Tröpfchen übertragen und hält sich in der Atemluft zwei Stunden lang.

    Vieldiskutierte Impfpflicht

    Während sich die Kärntner Gesundheitslandesrätin Beate Prettner (SPÖ) dezidiert gegen eine generelle Impfpflicht für die Bevölkerung äußerte, sagte ihr Vorarlberger Kollege Christian Bernhard (ÖVP), diese sei "natürlich zu diskutieren".

    Die Ärztekammer hat sich diese Woche mehrheitlich für eine generelle Impfpflicht ausgesprochen. Die Bioethikkommission im Bundeskanzleramt befasste sich bereits 2015 mit Fragen dazu und kam damals zu dem Schluss, für das Personal in Gesundheitsberufen bestehe eine ethische Verpflichtung zur Impfung, und für jene, die mit vulnerablen Patienten wie zum Beispiel Babys arbeiten, sah die Kommission "eine gesetzliche Impfpflicht als rechtfertigbar".

    Für Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) ist eine Impfpflicht grundsätzlich kein Thema. Die Thematik sei so sensibel, dass man mit Zwang auch sehr viel Schaden anrichten könne, lautet ihr Standpunkt.

    Ausgeweitete Impfbefugnis "kein Thema"

    Die Ärztekammer hat diese Woche neben ihrem vielbeachteten Ja zur Impfpflicht auch eine Ausweitung der Impfbefugnis für Ärzte gefordert – genaugenommen einen Wegfall der Beschränkung der Impfbefugnis für Kinder- und Jugendärzte auf unter 18-Jährige. Dann dürften Kinderärzte also auch die Begleitpersonen ihrer Patienten impfen. Aber auch das ist für die Gesundheitsministerin derzeit kein Thema, wie es auf STANDARD-Nachfrage aus ihrem Büro hieß. (Gudrun Springer, 12.4.2019)

    • Die Ärztekammer hat einen Wegfall der Beschränkung der Impfbefugnis für Kinder- und Jugendärzte auf unter 18-Jährige gefordert.
      foto: apa/georg hpchmuth

      Die Ärztekammer hat einen Wegfall der Beschränkung der Impfbefugnis für Kinder- und Jugendärzte auf unter 18-Jährige gefordert.

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