"Vom Neonazi zum Sportminister": Maschek-Folge über Strache wurde Opfer von Zensur

    13. April 2019, 14:21
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    "Willkommen Österreich" in der TVthek ohne Satirebeitrag mit neu betextetem Sportinterview mit Kurz und Strache

    Wien – Der ORF hat den Satirebeitrag von Maschek mit Bildern von Sportminister Heinz-Christian Strache und Kanzler Sebastian Kurz in der TVthek aus der jüngsten Folge von "Willkommen Österreich" entfernt. Freitagnachmittag verschwand das Video dann auch von Youtube.

    Mittlerweile ist der Satire-Beitrag wieder online. Allerdings wurde die kritische Passage, die zur vorübergehenden Löschung geführt hatte, von den Satirkern selbst geändert geändert. Das Wort "Neonazi" wird im neuen Beitrag von einem Geräusch ("beeeeeep") überblendet. Ohne "rechtlich problematische Passage", erklärte das ORF-Sprecher Martin Biedermann auf Twitter.

    "Typisch österreichische Karriere"

    Maschek texteten in der jüngsten Folge über ein Sportinterview von Ernst Hausleitner (ORF Sport) mit Vizekanzler Strache und Bundeskanzler Kurz. Strache wurde eingeleitet mit "vom Neonazi zum Sportminister – eine typisch österreichische Karriere". Sebastian Kurz verteidigte Wehrsportübungen seines Vizes als "Jugendsünde", auch der ORF-Reporter werde nicht frei von Jugendsünden sein – "im Wald Krieg spielen oder Schneeballschlacht".

    Skiverbandspräsident Peter Schröcksnadel verneint in der Maschek-Version, dass es in Österreich nur Rechtsradikale gebe: "Austria is a Country to small for good Rechtsradikalismus." Damit das so bleibt, stelle er seine Mittel – Skilifte und Wetterkameras – zur Verfügung. Hausleitner in Mascheks Worten: "Skilifte gegen Rechtsradikalismus."

    Die Maschek-Folge zeigt denn auch einen Bergausflug von Innenminister Herbert Kickl, betextet als "Operation Hannibal", benannt nach einem rechtsradikalen Netzwerk in der Bundeswehr. Die Wetterkameras auf den Bergen eigneten sich insbesondere für die "Überwachung von oben".

    "Rechtliche Prüfung verabsäumt"

    Der ORF erklärt das Verschwinden so: "Der sendungsverantwortliche Unterhaltungsredakteur hat es verabsäumt, die Passage vorab rechtlich prüfen zu lassen. Der Sendungsteil 'maschek' wurde nach der TV-Ausstrahlung umgehend in der TVthek gesperrt." Der STANDARD bat in einer Nachfrage um Aufklärung, welche rechtlichen Bedenken gegen das Video bestehen.

    Der ORF stellte den Beitrag am Samstag wieder online – laut ORF-Sprecher Martin Biedermann ohne "rechtlich problematische Passage":

    Peter Hörmanseder von Maschek kommentierte die Causa auf seinem Twitter-Account.

    Einer von zwei Tweets von Peter Hörmanseder zum umstrittenen Beitrag.

    Und ein weiter Tweet zum Thema von Hörmanseder.

    Hörmanseder betont, dass der Beitrag aufgrund seiner "persönlichen Einschätzung" so gestaltet wurde. Das Risiko einer Klage trägt er.

    Anmerkung: Dieser Artikel wurde aktualisiert.

    chris b
    maschek

    (fid, 12.4.2019)

    • In der ORF-TVThek sucht man den Beitrag von maschek vergeblich.
      foto: orf tvthek screenshot

      In der ORF-TVThek sucht man den Beitrag von maschek vergeblich.

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