"Game of Thrones": In Westeros leben Ladies länger

    Interview13. April 2019, 16:00
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    Warum Sansa, Arya und Brienne überleben werden: Der australische Mediziner Reidar P. Lystad hat eine Studie zu "Game of Thrones" gemacht

    Serienwelten sind sehr oft sehr groß, dann aber – und das macht sie so faszinierend – klein und überschaubar. In der ebenso verwirrenden wie kompakten Welt von "Game of Thrones" geht es wenige Stunden vor dem finalen Staffelstart – am Sonntag in den USA, hier auf Sky in der Nacht auf Montag – um zwei Fragen.

    Wer überlebt? Und wer sitzt am Ende am Eisernen Thron?

    Das Netz rotiert buchstäblich um Antworten, so sehr werden Wahrscheinlichkeiten einbezogen, abgewogen, ausgeschlossen. Verlässliche Antworten hat Reidar P. Lystad.

    Der Mediziner forscht an der australischen Macquarie-Universität in Sydney. In einer Studie untersuchte er die Überlebenswahrscheinlichkeiten in den bisherigen sieben Staffeln von "Game of Thrones" und entwickelte daraus Prognosen. DER STANDARD erreichte den Wissenschafter am Telefon.

    STANDARD: Wer stirbt, wer bleibt?

    Lystad: Ich würde sagen, die Ausgangssituation ist für keinen gut.

    STANDARD: Nehmen wir zum Beispiel Tyrion Lannister: Tot oder lebendig?

    Lystad: Die Frage ist vielmehr: Im Vergleich zu wem? Auf unserer Liste jener Charaktere mit den besten Überlebenschancen ist Tyrion auf Platz zwei – mit einigen anderen. Ähnlich gut sieht es unseren Berechnungen zufolge für Jon Snow, Samwell Tarly, Jorah Mormont und Lord Varys aus.

    foto: hbo / sky
    Jon Snow hat gute Überlebenschancen.

    STANDARD: Wer hat die besten Chancen?

    Lystad: Die Mädchen. Sansa und Arya Stark und Brienne of Tarth.

    STANDARD: Worauf begründet sich Ihre Prognose?

    Lystad: Wir haben beobachtet, dass es vier wichtige Faktoren gibt, die in der Überlebensfrage bei "Game of Thrones" entscheidende Rollen spielen: Geschlecht, Rollenpräsenz, sozialer Status und wechselnde Loyalitäten. Frauen haben bessere Chancen zu überleben als Männer, prominente Figuren sind besser dran als weniger prominente, Angehörige von hohem Stand besser als jene von niedriger Geburt.

    STANDARD: Was meinen Sie mit wechselnden Loyalitäten?

    Lystad: Eine wechselnde Loyalität besteht nach unserer Definition dann, wenn Charaktere sich anderen großen Häusern anschließen. Tyrion zum Beispiel war zunächst Lannister, dann Stark und Targaryen zugehörig. Oder Jon Snow, der das Haus Stark verließ und zur Nachtwache ging – und auch Brienne, die zuerst mit Renly Baratheon, danach mit Catelyn Stark, Jamie Lannister und Arya Stark Bindungen einging. Dass dieser Parameter eine so große Bedeutung in der Überlebensfrage einnimmt, war für uns überraschend.

    foto: sky / hbo
    Brienne dürfte überleben.

    STANDARD: Wer wird daher eher nicht überleben?

    Lystad: Die letzten auf der Liste sind Tormund Giantsbane, Bronn of the Blackwater, Davos Seaworth und Gregor Clegane.

    STANDARD: Daenerys?

    Lystad: Liegt im Mittelfeld, besser als Jaime Lannister und Brandon Stark, aber schlechter als Jon Snow. Der Status ihrer Loyalität verhinderte einen besseren Platz.

    Daenerys Targaryen hat mäßig gute Chancen, das Ende von "Game of Thrones" zu erleben.

    STANDARD: Können Sie prognostizieren, wer am Ende auf dem Eisernen Thron sitzt?

    Lystad: Das ist etwas schwieriger, weil das nicht wirklich die Forschungsfrage unserer Studie war. Ich würde es so erklären: Voraussetzung, um am Ende den Eisernen Thron zu gewinnen, ist, zu überleben. Somit lässt sich vorhersagen, dass diejenigen, die in unserer Wertung vorn sind, auch hier die besten Chancen haben. Ich möchte aber daran erinnern, dass am Ende ein leerer Thron ebenso möglich ist.

    STANDARD: Ein weiteres Ergebnis Ihrer Studie ist, dass nach sieben Staffeln fast 50 Prozent der Hauptcharaktere tot sind. Wie viele werden in der achten Staffel sterben?

    Lystad: Ich rechne damit, dass dieser Prozentsatz insgesamt etwas steigen wird. In der letzten Staffel wurden weniger Hauptcharaktere eingeführt, was die Verhältnisse ändert. Eine konkrete Zahl wage ich aber nicht zu nennen.

    STANDARD: Aber nicht hundert Prozent? Das heißt, am Ende wird es Überlebende geben?

    Lystad: Natürlich ist das eine Möglichkeit, aber ich denke, die weniger wichtigen Charaktere sind bereits von der Storyline verschwunden. Abgesehen davon bin ich auch nicht sicher, ob das ein gutes Ende einer Fernsehserie wäre.

    gameofthrones

    STANDARD: Die durchschnittliche Überlebenszeit eines Charakters in "Game of Thrones" beträgt 28 Stunden und 48 Minuten. Gibt es inhaltliche Gründe für diese Länge?

    Lystad: Die Gesamtdauer der Serie beträgt ungefähr 60 Stunden. Manche Charaktere leben sehr kurz, andere sind acht Staffeln dabei. Ich bin nicht überrascht, dass die durchschnittliche Überlebensdauer ungefähr die halbe Strecke der Serie beträgt.

    STANDARD: Ist es der Gesundheit förderlich, "Game of Thrones" zu schauen?

    Lystad: Diese Frage würde ein Soziologe oder ein Psychologe besser beantworten, aber nach meinem Wissensstand hat der Konsum von Fernsehsendungen keine nachweisbar schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit. Womöglich ist es sogar nützlich, die Serie anzuschauen, weil die Menschen dann überlegen, dass es gut ist, in dieser Welt zu leben und nicht im Mittelalter, von dem die Serie laut George R. R. Martin maßgeblich beeinflusst ist.

    STANDARD: Können Sie aus Ihrer Sicht sagen, woher die Begeisterung für "Game of Thrones" kommt?

    Lystad: Es sind mehrere Aspekte, die die Show so anziehend machen. Zunächst ist es ein relativ großes Universum mit vielen Figuren und komplexen Storylines. Das hilft, Interesse zu halten. Außerdem gibt es eine ziemlich starke Entwicklung der Charaktere, und dann ist das Publikum natürlich gefesselt von Gewalt und Sex.

    STANDARD: Sehen Sie den Hype als wiederholbar an? Etliche Spin-offs sind geplant.

    Lystad: Gute Frage, es hängt wohl davon ab, ob es gelingt, ein ähnlich attraktives Paket anzubieten.

    STANDARD: Ihr persönlicher Wunsch für das Ende?

    Lystad: Ich bin noch unentschlossen. Mein Co-Autor Benjamin T. Brown wünscht sich das große Hollywood-Klischee.

    STANDARD: Daeny und Jon im Sonnenuntergang?

    Lystad: Das nehme ich nicht an, ich rechne eher damit, dass mindestens einer der beiden sterben wird müssen. Ich glaube, dass die White Walkers besiegt werden, wäre aber nicht sehr überrascht, wenn der Eiserne Thron am Ende zerstört würde. Ich mag Tyrion, er liest Bücher und trinkt gerne Wein, womit ich mich persönlich identifizieren kann. Aber ich bin nicht sicher, ob er am Ende überleben wird. (Doris Priesching, 13.4.2019)

    Darüber, wie "Game of Thrones" ausgeht, haben sich auch die Podcasterinnen von STANDARD-Serienreif Gedanken gemacht. Zum Nachhören hier:

    Schauen Sie mit uns "Game of Thrones" live: Am 15. April um 20 Uhr

    • Der Mediziner Reidar P. Lystad hat die Überlebenswahrscheinlichkeiten in "Game of Thrones" erhoben und leitet daraus Prognosen für die kommende achte Staffel ab.
      foto: reidar p. lystad

      Der Mediziner Reidar P. Lystad hat die Überlebenswahrscheinlichkeiten in "Game of Thrones" erhoben und leitet daraus Prognosen für die kommende achte Staffel ab.

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