Prozess gegen Mann, der Wiener Busfahrer spitalreif geschlagen hat

    11. April 2019, 12:45
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    Bursch brach Familienvater Nase und verletzte ihn schwer – Übergriffe auf Öffi-Mitarbeiter laut Wiener Linien rückläufig

    Wien – Ein Busfahrer der Linie 5B ist Anfang des Jahres aus nichtigem Anlass von einem Fahrgast spitalreif geschlagen worden. Der 21-Jährige hatte es verabsäumt, rechtzeitig das Haltesignal zu betätigen. Als ihm der Chauffeur die Tür des bereits abfahrenden Busses nicht mehr öffnete, bezog er Prügel. Der Täter wurde am Donnerstag am Wiener Landesgericht wegen schwerer Körperverletzung abgeurteilt.

    Obwohl der Angeklagte bisher unbescholten und reumütig geständig war und darüber hinaus sogar eine teilweise Schadensgutmachung leistete, muss er ins Gefängnis. Richter Andreas Hautz verhängte über den Burschen 18 Monate Haft, davon vier Monate unbedingt. "Eine zur Gänze bedingte Strafe geht bei so etwas nicht mehr", hieß es in der Urteilsbegründung. Zuletzt hatte der Gesetzgeber die Strafen für körperliche Übergriffe auf Öffi-Lenker verschärft, die in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit Zielscheibe von Gewalttätern werden.

    Fahrgast verfolgt

    Der gegenständliche Vorfall spielte sich am frühen Nachmittag des 4. Jänner auf der Klosterneuburger Straße ab. Weil der Buslenker ihn nicht mehr ausstiegen ließ, verpasste der 21-Jährige ihm zunächst eine Ohrfeige. "Ich hab' das Handy rausgeholt und wollte die Polizei rufen. Darauf hab' ich noch eine gekriegt, dass das Handy durch den Fahrgastraum geflogen ist", schilderte der Chauffeur. Als er den Bus zum Halten brachte, zwängte der 21-Jährige mit Gewalt die Türen auf und wollte sich davon machen. Der Buslenker folgte ihm, nachdem er sein Handy vom Boden aufgehoben hatte.

    "Als er gesehen hat, dass ich mit der Polizei telefoniere, ist er zurückgerannt und mir gegen die rechte Schulter gesprungen", berichtete der 46 Jahre alte Familienvater im Zeugenstand. Danach hätte er noch Faustschläge kassiert, wobei er sich an die genaue Abfolge nicht mehr erinnern könne. Er sei benommen zu Boden gegangen.

    Zwölf Tage Spitalaufenthalt

    Während der Schläger von der Polizei in der Nähe des Tatorts festgenommen wurde, kam der Busfahrer ins Spital. Er erlitt einen Nasenbeinbruch, eine Absplitterung am Oberarmknochen – der Mann kann seither den Arm nicht mehr uneingeschränkt heben – und eine Rissquetschwunde an der Stirn. Außerdem brach ihm der Angreifer zwei Zähne. Zwölf Tage verbrachte er im Spital, neun Wochen im Krankenstand: "Dann wollte ich wieder arbeiten gehen."

    "Es tut mir leid, was ich gemacht habe. Ich war nicht ich", entschuldigte sich der Angeklagte beim Busfahrer nach dessen Zeugenaussage. Sein Verfahrenshelfer Sebastian Lesigang überreichte der Rechtsvertreterin des Chauffeurs 1.000 Euro an Wiedergutmachung. Weitere 5.200 Euro bekam der 46-Jährige vom Gericht zugesprochen. Zudem ordnete der Richter Bewährungshilfe an und erteilte dem 21-Jährigen die Weisung, sich einer Therapie bei der Männerberatung zu unterziehen. Der 21-Jährige war mit allem einverstanden. Die Anklagevertreterin gab vorerst keine Erklärung ab, das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig.

    "Ein Blackout"

    "Ich war in Eile", begründete der 21-Jährige, weshalb er unbedingt noch aus dem abfahrenden Bus wollte. Danach hätte er "ein Blackout" gehabt. Dass ihn der Buschauffeur verfolgte, "war zu viel für mich. Ich wollte ihn weghaben von mir". Daher habe er dem Mann einen Tritt verpasst. "Und die anschließenden Schläge ins Gesicht?", forschte der Richter. "Blackout", erwiderte der beschäftigungslose Bursch knapp.

    Wie ein Sprecher der Wiener Linien am Donnerstag mitteilte, sind die Übergriffe auf Öffi-Mitarbeiter in jüngster Vergangenheit zurückgegangen. Die Wiener Linien führen das auf ein Maßnahmenpaket zurück, das zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen wurde. Deeskalationstrainings, Trennwände aus Glas, die Straßenbahn- und Buslenker vom Fahrgastbereich abgrenzen, und die Videoüberwachung in den Fahrzeugen hätten sich bewährt, hieß es. (APA, 11.4.2019)

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