Wien Energie stellt auf neues Tarifmodell beim elektrischen Laden um

11. April 2019, 09:58
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Ab Mai zahlt man bei den Ladestationen für die dort verbrachte Zeit und nicht mehr für die geladenen Kilowattstunden.

Wien – In knapp drei Wochen etwa stellt Wien Energie an ihren Ladestationen von einem verbrauchs- auf ein zeitbasiertes Tarifsystem um. Das geschehe zwar gegen den mehrheitlichen Wunsch der Halter von Elektroautos in der Stadt, sei aber wegen gesetzlicher Vorgaben anders nicht möglich, sagte Wien-Energie-Chef Michael Strebl.

Das Eichrecht in der EU schreibt vor, dass der Verbrauch direkt am Ladepunkt ohne Hilfsmittel abgelesen werden muss, wie beim Tanken an der Zapfsäule. Für das elektrisch Laden fehlten In Österreich aber noch die zertifizierten Geräte dazu, deshalb die Umstellung.

Angelehnt an Mobilfunk

Ähnlich wie im Mobilfunk und abhängig vom Nutzungsverhalten kommt Wien Energie mit drei unterschiedlichen Paketen: Beim "Tanke-Start-Paket" ohne Grundgebühr kostet die Ladestunde zwischen 8 und 22 Uhr 2,90 Euro, in der Nacht 0,70 Euro. Beim Tanke-Plus-Paket" mit einer Grundgebühr von 9,90 Euro im Monat kostet die Stunde laden 2,20 Euro und 0,60 Euro in der Nacht. Bei "Tanke Expert" fällt eine monatliche Grundgebühr von 34,90 Euro an, eine Stunde laden kostet 1,50 bzw. 0,60 Euro zwischen zehn Uhr abends und acht Uhr früh.

In einer Umfrage unter Wien-Energie-Ladekunden, an der 758 Personen teilgenommen haben, sprachen sich 68 Prozent für ein kWh-basiertes Verrechnungsmodell aus, 13 Prozent für eine Stunden-kWh-Kombinationspreis, wie ihn Wien Energie bisher angeboten hat und nur sechs Prozent für einen Stunden-basierten Preis. Sechs Prozent befürworteten eine Flatrate, vier Prozent anderes.

Knapp 3000 Elektroautos in Wien

Die Elektromobilität auf vier Rädern kommt ein die Gänge, wenn auch langsam, so doch den Prognosen folgend. Laut einer Studie der TU Wien werden bis 2030 in Wien 81.000 Elektroautos unterwegs sein. Derselben Prognose zufolge sollte es 2018 insgesamt 2300 rein elektrische fahrende Autos in der Stadt geben; tatsächlich waren es 2650. Kommendes Jahr sollten es schätzungsweise 7500 sein. Parallel wird auch das Ladenetz erweitert. Wien Energie will die Zahl der Ladestellen auf öffentlichem Grund von derzeit rund 250 bis Ende des Jahres auf 650 erhöhen. Das wären dann 325 öffentlich zugängliche Ladesäulen mit jeweils zwei Ladestellen. Ende 2020 sollen es dann 1000 Ladestellen sein, die zu errichten sich der Landesenergieversorger in einem Vertrag mit der Stadt Wien verpflichtet hat. Inklusive der halböffentlichen Ladesäulen beim Flughafen, Bahnhöfen, Supermärkten und Post sind es derzeit schon mehr als 1000 Ladepunkte im Großraum Wien.

Hürden für private Ladefreaks

Das ist aber bei weitem nicht genug. Laut einer Studie der Gesellschaft des Bundes für technologiepolitische Maßnahmen (Austria Tech) werden im Privatbereich bis 2030 in Wien an die 1,5 Millionen Lademöglichkeiten benötigt, um der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen. "Heruntergebrochen heißt das, dass jeden Tag bis zum 1. 1. 2030 an die 330 Ladestationen errichtet werden müssen", sagte Strebl. Damit das gelingt, seien gesetzliche Anpassungen erforderlich, etwa im Wohnungseigentumsgesetz. Wenn jemand in einem Wohnblock bei seinem privaten Garagenplatz eine Ladestation anbringen möchte, ist derzeit die Zustimmung aller Parteien erforderlich. (Günther Strobl, 11.4.2019)

  • Bis Ende 2020 soll es Wien 500 Ladesäulen auf öffentlichem Grund mit 1000 Ladestellen geben.
    foto: apa/techt

    Bis Ende 2020 soll es Wien 500 Ladesäulen auf öffentlichem Grund mit 1000 Ladestellen geben.

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