Venezuela wirft Schatten auf Anlagenbauer Andritz

10. April 2019, 19:24
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Anlagenbaukonzern aus Graz sieht sich mit Schmiergeldvorwürfen konfrontiert, streitet diese aber ab

Wien – Mit Andritz ging es jahrelang nur aufwärts. Der in vier Geschäftsfeldern (Hydro, Pulp and Paper, Metals, Separation) tätige Anlagenbauer mit Zentrale in Graz und Aktivitäten rund um den Globus musste im Vorjahr beim Gewinn etwas zurückstecken. Nun kommt ein weiterer Rückschlag. Sie betreffen das größte Segment, die Wasserkraftsparte.

Eine Tochter in Mexiko hat angeblich Schmiergeld für einen Auftrag in Venezuela gezahlt. Das behauptet laut Rechercheplattform Addendum ein früherer Geschäftsführer. Demnach sollen Millionenzahlungen über dubiose Beraterverträge rund um die Modernisierung des venezolanischen Wasserkraftwerks Guri vor zehn Jahren abgewickelt worden sein.

Die zur Andritz-Gruppe gehörende VA Tech Hydro hatte von der venezolanischen Energiegesellschaft Edelca den Auftrag zur Erneuerung des Wasserkraftwerks Simon Bolivar in Guri erhalten. Der Auftragswert: umgerechnet rund 100 Millionen Euro, etwa zu gleichen Teilen für die beiden Konsortialpartner Andritz und Voith Siemens São Paulo.

Fünf Turbinen

Der Auftrag umfasste die Ertüchtigung von fünf Francisturbinen und wurde unter Federführung der zur Andritz VA Tech Hydro gehörenden VA Tech Escher Wyss ausgeführt. Der Auftragsteil von VA Tech Escher Wyss umfasste Lieferung und Montage von Laufrädern und Turbinenteilen.

Carlos Sousa, der bis 2012 Geschäftsführer der Andritz-Hydro-Tochter in Morelia (Mexiko) war und sodann das Unternehmen verlassen musste, will Zeuge von Schmiergeldzahlungen geworden sein. Es habe versteckte Zahlungen an Entscheidungsträger gegeben, um den Zuschlag bei Auftragsvergaben in Venezuela zu erhalten, sagt er. Dazu hat der Deutsch-Spanier auch eine eidesstattliche Erklärungen abgegeben.

Darüber hinaus seien ihm Umstände bekannt geworden, die darauf hindeuteten, dass das Schmiergeldsystem auch im Rahmen anderer Projekte zum Einsatz kommen sollte, schreibt Addendum. Involviert sei unter anderem ein Mann gewesen, der heute im Konzernvorstand von Andritz sitzt – Wolfgang Semper. Dieser stieß mit Übernahme der VA Tech Hydro 2006 zu Andritz. Er ist für die Bereiche Hydro sowie Automation gruppenweit verantwortlich. Es gab eine Liste, an wen Geld versprochen worden ist. An verschiedene Würdenträger, sowohl innerhalb Edelca als auch im Ministerium", zitiert Addendum den früheren Manager und nunmehrigen Kronzeugen Sousa. Einer der vermeintlichen "Berater" sei in Florida ansässig.

In Graz kennt man die Vorwürfe. "Korruption hat bei Andritz keinen Platz", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. "Wir verfolgen eine Zero-Tolerance-Policy und haben auch ein umfassendes Compliance-Managemen-System eingeführt, das dazu dient, Compliance-Verstößen vorzubeugen." (stro, 11.4.2019)

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