Oberösterreich zieht Notbremse nach Missbrauchsvorwürfen

    11. April 2019, 08:34
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    Nach Anschuldigungen gegen einen Sporttrainer reagiert die Landespolitik mit einer Sonderkommission

    Der Einladungstext war unaufgeregt, der Inhalt deutlich brisanter: Unter dem schlichten Titel "Aktuelles zum Sport in Oberösterreich" lud der zuständige Landesrat Markus Achleitner (VP) am Mittwoch zum Pressegespräch – und präsentierte eine sechsköpfige Expertengruppe, die sich in den nächsten Monaten des Themas Missbrauch im Sport annehmen soll. Koordiniert wird die Kommission durch den Verein "100 % Sport" – in Kooperation mit Vertretern aus unterschiedlichen Opferschutzeinrichtungen. Dabei ist aber etwa auch die ehemalige Olympia-Kanutin Violetta Oblinger-Peters.

    Anlass für die sportpolitische Offensive sind Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen oberösterreichischen Langlauftrainer. Mitte März brachte eine ehemalige Nachwuchssportlerin den Fall ins Rollen, sie erhob öffentlich Missbrauchsvorwürfe gegen ihren Trainer. Wenige Tage später folgte das nächste Outing einer Betroffenen.

    Stockender Informationsfluss

    In beiden Fällen berichteten die jungen Frauen, sie hätten sich bei Sportveranstaltungen – angeblich mangels eines anderen freien Zimmers – mit einem rund doppelt so alten Trainer ein Doppelbett teilen müssen. Dort sei es zu Übergriffen gekommen. Die ehemalige Skirennläuferin Nicola Werdenigg geht gar von bis zu 20 möglichen Fällen aus. Heikel ist vor allem aber auch der träge Informationsfluss: Bereits im Dezember 2017 soll es eine erste Meldung einer Betroffenen an die Sportunion und an die von Waltraud Klasnic geführte Kommission im österreichischen Skiverband (ÖSV) gegeben haben.

    Neues Präventions- und Sicherheitskonzept

    Die Beurlaubung des zu diesem Zeitpunkt im Heeressportleistungszentrum im Olympiazentrum Linz tätigen Trainers erfolgte dann erst heuer im März. Ein künftig rascherer "Notfallplan" soll daher eine der Säulen des von der Expertengruppe bis zum Herbst vorzulegenden "Präventions- und Sicherheitskonzeptes" sein. "Es geht nicht darum, den Anlassfall zu prüfen. Das ist Sache der Behörden. Das Ziel sind Präventionsmaßnahmen und ein 'Erste-Hilfe-Plan'. Gibt es einen Verdachtsfall, muss klar sein: wohin können sich Betroffene wenden, was haben Trainer und Betreuer zu tun." Dass die Notwendigkeit besteht, die Strukturen im Sportland genau zu durchleuchten, bestreitet Achleitner nicht: "Wir können auf diesem Gebiet sicher besser werden."

    Kurosch Yazdi, Psychiater am Linzer Kepler-Klinikum und Mitglied der Expertengruppe, warnt aber davor, den Sportbereich unter Generalverdacht zu stellen. "Sich jetzt hinzustellen und zu sagen 'Alle Trainer sind Schweine' wäre fatal." Generell berge ein starkes Abhängigkeitsverhältnis eben auch ein größeres Risiko: "Diese Abhängigkeiten können leider missbraucht werden. Das kommt aber auch in Familien, Firmen, Schulen vor." (Markus Rohrhofer, 10.4.2019)

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    • Anlass für die sportpolitische Offensive sind Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen oberösterreichischen Langlauftrainer. Bereits im November soll es eine erste Meldung einer Betroffenen an die Sportunion und an die von Waltraud Klasnic geführte Kommission im ÖSV gegeben haben.
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      Anlass für die sportpolitische Offensive sind Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen oberösterreichischen Langlauftrainer. Bereits im November soll es eine erste Meldung einer Betroffenen an die Sportunion und an die von Waltraud Klasnic geführte Kommission im ÖSV gegeben haben.

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