Digitalsteuer sorgt bei Versandhändler Unito für "kochendes Blut"

    10. April 2019, 13:44
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    "Google findet einen Weg, uns das umzuhängen" – Versandhändler litt unter Extremsommer 2018

    Die geplante Digitalsteuer sorgt bei den Chefs der Versandhandelsgruppe Unito, zu der unter anderem die Marken Quelle, Otto und Universal gehören, für kochendes Blut. Zumindest jener Teil, der eine Abgabe auf Online-Werbeumsätze in Höhe von 5 Prozent vorsieht. "Google findet einen Weg, uns das umzuhängen", sagte Unito-Geschäftsführer Achim Güllmann am Mittwoch. "Da kocht mir das Blut."

    Die Regierung verstehe nicht, dass man damit eine weitere Steuer für Händler geschaffen habe, kritisierte Güllmann. "Dümmer geht's nicht." Amazon, Facebook, Google & Co hätten Monopolstellungen, um die niemand herumkomme. Sprich, Firmen können nicht auf sie verzichten.

    Neue Zollregelung wird begrüßt

    Andere Töne schlugen die Unito-Chefs bei dem ebenfalls geplanten Aus der 22-Euro-Freigrenze an, das sie begrüßen. Die Regierung beschloss die Einführung einer Umsatzsteuerpflicht für alle Paket-Lieferungen aus Drittstaaten außerhalb der EU, etwa China. Bisher war diese Steuer ab einem Warenwert von 22 Euro fällig, künftig schon ab dem ersten Cent.

    Allerdings monierten Güllmann und sein Kollege Harald Gutschi, dass dies nicht früher komme, sondern erst ab 2021. Es handle sich um "bewussten Steuerbetrug" der viel früher verhindert gehöre, sagte Unito-Chef Gutschi. 2017 seien 560 Millionen Pakete in der EU falsch deklariert gewesen. Der EU entgingen dadurch Einnahmen von 7 Mrd. Euro, Österreich allein rund 200 Mio. Euro.

    Zufrieden trotz schwächerem Jahr

    Das vergangene Geschäftsjahr (März 2018 bis Februar 2019) war für Unito eines der schwächeren, der Brutto-Umsatz reduzierte sich von 448 auf 441 Mio. Euro. Zur Gruppe gehören fünf Marken (Otto, Universal, Quelle, Lascana, Oko) in sechs Ländern, wobei Österreich der Hauptmarkt ist.

    "Wir haben unsere Pläne nicht ganz erreicht, aber sind nicht unzufrieden", räumte Gutschi ein. Der Versandhändler litt unter dem Extremsommer und einem hausgemachten Effekt, da sich das Unternehmen aus dem Kataloggeschäft zurückzieht. Allein im September verzeichneten die Versandhandelsmarken zweistellige Umsatzeinbußen. "Wir haben T-Shirts verkauft statt Jacken", sagte Gutschi. Angesichts solcher Temperaturen wie im Vorjahr seien auch die Umsätze im Möbelbereich zurückgegangen, zumal Möbel eher bei schlechterem Wetter gekauft würden.

    Aus für "Katalog-Bibel"

    Der Versandhändler macht inzwischen den Großteils seines Geschäfts online. In Österreich stieg der Online-Umsatz um 3,3 Prozent, im Ausland ging er um 4,4 Prozent zurück. Aus dem Kataloggeschäft zieht sich das Unternehmen seit Jahren immer mehr zurück. Heuer im Jänner sei mit dem Aus den Otto-Hauptkatalogs eine weitere Ära zu Ende gegangen. In den besten Zeiten betrug die Auflage des 1.500 Seiten schweren Katalogs noch 2,5 Millionen Stück in Österreich und sei "mehr gelesen worden als die Bibel", polemisierte Gutschi.

    Innerhalb der Unito-Gruppe liegt der Fokus heuer auf der Leitmarke Otto. Der Markteintritt in der Schweiz sowie der Service "Mieten statt kaufen" sollen für Wachstum bei Otto sorgen und neue Kundengruppen ansprechen. So zeige sich bereits jetzt, dass junge, männliche und städtische Kunden stark auf das Mietkonzept ansprechen. "Während bei uns sonst 80 Prozent Frauen einkaufen, sind es beim Mietkonzept 80 Prozent Männer", sagte Gutschi.

    Otto hat den Mietservice in Deutschland schon vor zwei Jahren eingeführt. Österreich-Start war am 21. März. Vermietet werden derzeit nur Technikprodukte, vom Fernseher und Smartphone bis zur Drohne.

    Keine Retail-Filialen geplant

    Ein Trend im Onlinehandel ist, dass reine Onlineriesen wie Amazon oder Zalando zunehmend stationäre Geschäfte aufmachen. Fix niederlassen will sich Unito nicht, allerdings könnten künftig Pop-up-Stores, also temporäre Niederlassungen in leer stehenden Geschäftsräumen, vermehrt kommen, sagte Gutschi. Mit seinen Marken Lascana (Unterwäsche), Manufactum sowie Küche & Co ist das Unternehmen im stationären Handel vertreten.

    Die geplante Übernahme des Paketgeschäfts von DHL durch die Post sieht Güllmann mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Post sei im Weihnachtsgeschäft bereits an ihr Limit gekommen, daher sei es eine gute Sache. Auf der anderen Seite falle nun Wettbewerb weg, was weniger zu begrüßen sei. Unito kooperiert derzeit mit der Post über Hermes. Die Post will im Laufe des Jahres 2020 den Großteil des Zustellgeschäftes der deutschen DHL in Österreich samt Mitarbeitern und einem Großteil der Logistik-Standorte übernehmen. DHL gehört zur Deutsche Post AG.

    Bei Unito sollen heuer und 2020 Investitionen von 20 Mio. Euro in die Logistik sowie IT fließen. Der gesamte Otto-Konzern will bis 2022 rund 800 Mio. Euro in die Hand nehmen. (APA, 10.04.2019)

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