Entweder gut bestückt oder prächtig geschmückt

    10. April 2019, 11:57
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    Forscher verglichen über 100 Primatenspezies und stellten Trend fest: Die auffälligsten Männchen haben die kleinsten Hoden

    foto: apa/dpa
    Männliche Nasenaffen tragen eine besonders originelle Variante von Schmuck.

    Zürich – Schein versus Sein: Schweizer Forscher haben sich in einer speziesübergreifenden Untersuchung die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale von Affen angesehen und einen Trend festgestellt: Demnach verfügen die Männchen entweder über große Hoden mit entsprechender Spermienproduktion – oder sie weisen eindrucksvolle Merkmale wie Mähnen, Bärte, Wangenwülste oder stark gerötete Hautstellen auf. Die Universität Zürich fasst es so zusammen: Gut bestückt oder gut geschmückt, aber beides geht nicht.

    In unserer Primatenverwandtschaft ist der Konkurrenzkampf der Männchen um Paarungspartnerinnen bei den meisten Arten stark ausgeprägt. Das hat bei den Männchen zum einen zur Entwicklung von "Bewaffnung" geführt – von großen Eckzähnen bis zu einer muskulösen Statur. Zum anderen kommt aber auch Körperschmuck ins Spiel, der die Kontrahenten einschüchtern und die Weibchen von ihrer Männlichkeit überzeugen soll. Die dritte Frontlinie ist die Konkurrenz der Spermien rivalisierender Männchen, wenn es zu Mehrfachpaarungen kommt. Affenmännchen bauchen also auch große Hoden, um sexuell erfolgreich zu sein.

    Der Vergleich

    Das Problem: All diese männlichen Merkmale sind energetisch kostspielig. Wie verteilen also die Tiere ihre limitierten Ressourcen unter den Geschlechtsmerkmalen, um ihren Fortpflanzungserfolg zu maximieren? Dieser Frage ist der Züricher Evolutionsbiologe Stefan Lüpold zusammen mit Kollegen von der University of Western Australia nachgegangen. Die Forscher verglichen die Geschlechtsmerkmale von über 100 Affenarten, inklusive des Menschen.

    Einzeln betrachtet sind, wie die Forscher vorab erwartet haben, alle Merkmale stärker ausgebildet, je größer die Konkurrenz zwischen den Männchen ist. Werden sie jedoch gemeinsam verglichen, kommt der Zielkonflikt zum Vorschein: "Ein aufwändiger Schmuck geht auf Kosten von Hodengröße und Spermienproduktion. Oder anders formuliert: Die auffälligsten Männchen haben die kleinsten Hoden", sagt Lüpold. (red, 10. 4. 2019)

    foto: reuters/michaela rehle
    Der Mandrill ist einer der buntesten Primaten. Auch bei dieser Art übertreffen die Männchen die Weibchen in Sachen Körpergröße und Farbenpracht bei weitem.
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