Duterte warnt vor Chinas "Meeresmiliz"

    9. April 2019, 17:02
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    Vor der von den Philippinen besetzten Insel Pagasa/Thitu werden zahlreiche chinesische Schiffe beobachtet

    Heuer kreuzen vor der seit 1970 von den Philippinen besetzten Insel Pagasa (auch als Thitu bekannt) mehr chinesische Fischerboote als üblich. Seit Jänner wurden über 200 Wasserfahrzeuge gezählt, die manchmal tagelang dahindümpeln, bevor sie doch wieder Netze auswerfen.

    Die philippinische Regierung geht davon aus, dass die Boote zur chinesischen "Meeresmiliz" gehören, die Peking in der Vergangenheit eingesetzt hat, um seine Ansprüche auf Territorien im Südchinesischen Meer durchzusetzen.

    Der bekannt streitlustige Präsident Rodrigo Duterte, der aus wirtschaftlichen Interessen bisher darauf verzichtet hatte, sich mit dem großen Nachbarn anzulegen, warnte China am Donnerstag: "Ich werde nicht bitten oder betteln, ich sage Ihnen einfach: Geben Sie Pagasa frei, ich habe dort Soldaten." Sollten die Chinesen versuchen, die Insel zu besetzen, werde er seinen Militärs befehlen, sich "auf eine Selbstmordmission" vorzubereiten.

    Die Insel Pagasa/Thitu auf einem Satellitenbild.

    Die philippinische Marine befürchtet, dass die Chinesen die Sandbank Sandy Cay, 22 Kilometer vor der Insel, auf der sie bereits vor zwei Jahren ihre Fahne gehisst hatten, besetzen könnten, um diese später militärisch auszubauen.

    Dies entspräche der üblichen Vorgangsweise: Bevor China 1995 das Mischief-Riff bei den umstrittenen Spratly-Inseln besetzte, waren dort vier auf Pfählen errichtete Holzhütten entstanden. Die Regierung in Peking bestritt deren Existenz zuerst und erklärte dann, es handle sich um Unterkünfte für Fischer. Wenig später hieß es, rangniedrige Marinesoldaten hätten ohne Genehmigung die Unterstände errichtet. Heute baut China auf dem Riff einen Luftwaffenstützpunkt.

    Wasserwerfer und Munitionsdepots

    Laut einem Pentagon-Bericht aus dem Vorjahr hat China seine "Meeresmiliz" seit 2015 massiv ausgebaut: Während die Truppe früher mit umgebauten Fischerbooten unterwegs war, benutzt sie heutzutage zumindest 84 speziell angefertigte Schiffe, die mit Munitionslagern, verstärkten Bügen, mit denen andere Fahrzeuge gerammt werden können, und auf dem Mast montierten Wasserwerfern ausgerüstet sind.

    Auch vor den Inseln Kota (Loaita) and Panata (Lankiam Cay) wurden Ende März mysteriöse "Fischerboote" gesichtet.

    Pagasa/Thitu ist die wichtigste der zehn von den Philippinen besetzten Inseln im Südchinesischen Meer: Auf dem 37 Hektar großen Eiland leben knapp hundert Zivilisten, die etwa drei Dutzend Soldaten beschützen. Versorgt werden die Insulaner über eine 1.300 Meter lange, baufällige Landepiste, deren westliches Ende bereits im Meer versunken ist. Angesichts der chinesischen Bedrohung soll diese nun repariert werden. (bed, 9.4.2019)

    • Die Landebahn auf Pagasa/Thitu ins in schlechtem Zustand.
      foto: ap /bullit marquez

      Die Landebahn auf Pagasa/Thitu ins in schlechtem Zustand.

    • Chinesische "Fischerboote" der Typs FT-17 WAG und FT-18 WAG vor der Insel (Archivbild aus dem April 2017).
      foto: apa/afp/ted aljibe

      Chinesische "Fischerboote" der Typs FT-17 WAG und FT-18 WAG vor der Insel (Archivbild aus dem April 2017).

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