Chromium Edge: Microsofts neue Browsergeneration ist da

    9. April 2019, 09:09
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    Erste Testversion für Windows 10 – Viele Anklänge an Chrome, Microsoft betont Umbauten

    Microsoft vollzieht einen Generationswechsel in Browser-Fragen. Statt auf das eigene EdgeHTML setzt der Softwarehersteller künftig auf das vornehmlich von Google vorangetriebene Chromium-Projekt als Basistechnologie. Eine Änderung, die das Unternehmen vergangenen Dezember ankündigte, nun gibt es für experimentierfreudige Nutzer die ersten Testversionen zum Download.

    Ausprobiert

    Die Entwicklung ist dabei schon recht weit fortgeschritten: In einem kurzen Test reagierte der Browser flott und zuverlässig. Rein äußerlich erinnert dabei noch vieles an Chrome, doch Microsoft hat auch so manches eigene Feature hinzugefügt. Dazu gehört etwa die Möglichkeit sich Webseiten vorlesen zu lassen. Beim Setup ist es möglich die Daten von anderen Browsern oder früheren Edge-Versionen zu übernehmen, zudem steht die Wahl zwischen verschiedenen Layouts für Default-Tabs.

    screenshot: andreas proschofsky / der standard
    Der neue Microsoft Edge basiert auf Chromium statt auf EdgeHTML. Das vereinfacht die Entwicklung für Microsoft massiv, hat aber auch zu scharfer Kritik geführt, da damit Chromium immer mehr zum De-Fakto-Standard im Web wird – was anderen Alleingängen wie Firefox und seiner Rendering Engine Gecko das Leben weiter erschwert.

    In einigen Bereichen sind die Anklänge an Chrome noch unübersehbar, so entspricht etwa der Druckdialog noch jenem von Google, selbst Support für Googles Cast-Protokoll ist – zumindest derzeit – noch vorhanden, auch wenn das Ganze derzeit nicht korrekt funktioniert. Andere Bereiche wurden hingegen bereits umgestaltet, allen voran die Einstellungen.

    Umbau

    Generell fokussiert Microsoft zunächst auf die Anpassung der Chromium-Basis für die eigenen Bedürfnisse, was vor allem heißt viele Google-Dienste rauszuwerfen, wie man betont. Mehr als 50 davon sollen mittlerweile entfernt worden sein – vom "Smart Lock"-Passwort-Management über Autotranslate bis zu dem für Push-Benachrichtigungen genutzten "Google Cloud Messaging". In den meisten Fällen kommen stattdessen jetzt Microsoft-Alternativen zum Einsatz. Andere von Chrome gewohnte Funktionen sollen hingegen erhalten bleiben. Dazu gehört der Erweiterungssupport, Chrome Extensions funktionen beim neuen Edge also problemlos.

    screenshot: andreas proschofsky / der standard
    Die Einstellungen wurden für den neuen Microsoft Edge bereits angepasst.

    Doch Microsoft will nicht einfach nur den Google-Code nehmen und leicht umbauen, das Unternehmen betont, dass man selbst zur Open-Source-Codebasis beitragen will, wovon dann alle profitieren sollen – also auch Chrome-Nutzer: Dazu gehören etwa eine Reduktion des Akkuverbrauchs des Browsers sowie Verbesserungen am Scrolling. Zudem soll auch der Support für Microsoft-Technologien wie die biometrische Authentifizierung via Windows Hello direkt in den Chromium-Code aufgenommen werden.

    Download

    Der neue Microsoft Edge kann via der Webseite Edge Insider ausprobiert werden. Dort gibt es – ähnlich wie bei Chrome – mehrere Varianten zum Download. Derzeit ist eine für Entwickler gedachte Version (Dev Channel) ebenso erhältlich wie eine, die Microsoft als experimentell ansieht (Canary Channel). Diese sollen wöchentlich oder im Falle der Canary-Version sogar täglich aktualisiert werden. In den kommenden Wochen soll dann noch eine Beta-Version folgen, die im Schnitt nur alle sechs Wochen erneuert werden soll.

    screenshot: andreas proschofsky / der standard
    Bisher gibt es nur Testversionen des neuen Edge, bis zu einer stabilen Release werden wohl noch einige Monate vergehen.

    Wer den neuen Edge ausprobieren will, sieht sich derzeit aber noch mit einer entscheidenden Einschränkung konfrontiert: Die Testversionen funktionieren vorerst nur mit Windows 10. Für die Zukunft verspricht Microsoft aber auch Edge-Varianten für Windows 8.1, Windows 8, Windows 7 und sogar Apples macOS. Ebenso fehlen momentan noch lokalisierte Version des Browsers, wer sich auf den neuen Microsoft-Browser einlässt, muss zunächst also eine englischsprachige Variante nutzen. Und wie es von Testversionen zu erwarten, gibt es auch noch kleiner und größere Defizite, so warnt Microsoft etwa explizit vor Problemen beim Synchronisieren der Daten mit dem eigenen Microsoft-Konto. Die Rechtschreibkorrektur fehlt ebenfalls noch.

    Ausblick

    Zur Frage, wann der neue Edge in einer stabilen Version verfügbar sein wird, äußert sich Microsoft nicht. Ebenso offen ist damit, wann dann klassische Edge-Versionen auf Basis der eigenen Rendering Engine EdgeHTML ersetzt werden wollen. (Andreas Proschofsky, 9.4.2019)

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