Ars Electronica: Zum 40er Midlife-Crisis der digitalen Revolution

    8. April 2019, 14:25
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    Ein letztes Mal steht die PostCity als Veranstaltungsort zur Verfügung

    Linz – Unter dem Motto "Out of the Box" thematisiert das Ars Electronica Festival heuer im Untertitel "The Midlife Crisis of the Digital Revolution", passend zum 40. Geburtstag der Ars Electronica. Dem Jubiläum wird viel Platz eingeräumt und mit der fünften Ausgabe an dem Ort verabschiedet man sich von der PostCity am Bahnhof als Spielort – nicht ohne noch einmal neue Räume zu erschließen.

    40 Jahre Ars Electronica heiße auch 40 Jahre Art-Thinking, also die Welt durch die Augen der Kunst zu verstehen, sagte der Künstlerische Direktor Gerfried Stocker. Heuer wolle man mit "Out of the Box" die Grundlage für die kommenden 40 Jahre schaffen, für eine kritische Auseinandersetzung, mit Kunst als zweiter Meinung zur digitalen Revolution. "Out of the Box" heiße für Ars Electronica "raus aus der Komfortzone, nicht länger dem Irrglauben aufsitzen, dass wir die Verantwortung für das, was wir gerade starten, nicht übernehmen müssen", meinte Stocker die Künstliche Intelligenz (KI).

    Automatisierung als Zukunftsthema

    Beschäftigte uns noch 2000 die Kommerzialisierung und ab 2010 die Individualisierung der digitalen Produkte, werde es in den kommenden Jahrzehnt ihre Automatisierung sein. Für die Ars Electronica sei neben der technischen und wirtschaftlichen "auch die bio-gentechnologische Revolution bedeutend", stellte Stocker dem heute diskutierten Eingriff in die Keimbahn, um Menschen massenhaft gesünder zu machen, der Erfindung des Penicillins gegenüber. Bei anderen Sachen sei man nicht so weit, so weise der Gender Pay Gap Österreich auf Platz 53 der Länder aus, obwohl es bereits seit 1979 das Gleichbehandlungsgesetz gibt.

    Das Festival werde heuer am Samstag einen Ausflug nach St. Florian machen, im Zuge des neuen europäischen Festivals für Artificial Intelligence und Music. Im letzten Jahr in der PostCity – die Post als Eigentümerin plant den Umbau des alten Postverteilzentrums – wolle man den Ort "noch einmal zum Brodeln und Glühen bringen", sagte Festivalleiter Martin Honzik. Man werde mit dem fünfstöckigen Verzollungszentrum nach Bunker und Dach noch einmal neue Spielorte erschließen. In der Gleishalle werden bauliche Maßnahmen gesetzt und Termine der Gala sowie der Großen Konzertnacht würden jubiläumsbedingt geändert, verriet er. Auch nach der PostCity solle das Ars Electronica Festival in ähnlicher Dimension fortgesetzt werden, es gäbe bereits Optionen. In einer Hommage an 40 Jahre Festival und Klangwolke wird die Ars Electronica zusätzlich am Sonntag den Donaupark bespielen.

    Etliche Fragen bearbeitet

    Festivalmitbegründer Hannes Leopoldseder beschrieb das erste Festival 1979 als "Zeitsprung in die Zukunft", das von Beginn an Signale, wie der Computer unsere Arbeit, Wirtschaft und unser Denken verändern wird, aufgenommen habe. Bei der Suche nach einem großen Eröffnungsprojekt, "an das sich die Menschen und Politiker erinnern", wurde die Klangwolke im Donaupark geboren. Die Künstlerische Direktorin Christine Schöpf griff ausgewählte Highlights wie das Mitmachkonzert 1980 auf dem Hauptplatz, die Videonale 1986, den Start des Prix Electronica ein Jahr später, die VR-Konferenz 1990, die Eröffnung des ersten Ars Electronica Centers 1996, den Aufreger Sex in Motion 2000, die Tabakfabrik als Location für "Repair" 2010, die seit 2015 bespielte PostCity und mehr aus den 40 Jahren heraus.

    Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) meinte, dass eine Reflexionsphase immer guttue und es in dem Kontext der Midlife Crisis mit digitaler Revolution etliche Fragen beim Ars Electronica Festival aber auch in der Gesellschaft zu beantworten gäbe. Wie Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP) lobte er das 40-jährige Engagement im Dreieck Kunst, Technologie und Gesellschaft, wofür beiden Dank für die seit Anfang an währende Unterstützung der Stadt entgegnet wurde. (APA, 8.4.2019)

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