Wie Ford in Europa in die Zukunft fährt

    12. April 2019, 09:30
    75 Postings

    Bei Ford scheint man fast ein schlechtes Gewissen zu haben: mit dem Grundgedanken, Mobilität für alle bieten zu wollen, so erfolgreich gewesen zu sein

    Amsterdam – Wenn sogar Ford ganz breit die Elektrifizierung seiner Autos angeht, dann ist die E-Mobilität wirklich nicht mehr aufzuhalten. Was auf den ersten Blick böse klingt, ist es gar nicht. Denn Ford hat zwar zum Ziel, moderne Autos zu bauen, das aber immer mit einem scharfen Blick auf den Preiszettel. Und da ist man dann halt nicht immer und überall Pionier. Einen E-Focus gibt es ja ebenso schon wie einen Hybrid-Mondeo – auch wenn beide keine Topseller sind.

    foto: guido gluschitsch
    Ford hat bei den leichten Nutzis in Europa die Nase vorn. Und das soll auch so bleiben.

    Ford gibt also seine Vorreiterrolle nicht aus der Hand – ganz im Gegenteil. So bringen sie in naher Zukunft Fahrzeuge auf den Markt, die kein anderer Hersteller im Portfolio hat. Der Tourneo Custom ist so ein Fall. Den wird es Ende des Jahres als Plug-in-Hybrid geben. Konkurrenten wird der kleine Bus beim Marktstart wohl noch keine haben. Rein elektrisch wird er an die 50 Kilometer schaffen, gemeinsam mit dem 1.0-EcoBoost-Benziner – der ausschließlich dazu da sein wird, die Batterie zu laden und keine direkte Verbindung zu den Antriebsrädern hat – werden es gesamt 500 Kilometer Reichweite sein.

    foto: guido gluschitsch
    Links, der rein elektrisch angetriebene Transit, daneben der Tourneo Custom mit Hybrid-Antrieb.

    Bleiben wir bei den Nutzis. In dem Segment kommt nämlich ein rein elektrisch angetriebener Ford. Der Transit All-Electric wird ab 2021 vom Band laufen. Die Batterien hat er im Unterboden, damit die Ladekapazität bestehen bleibt. Ford übernimmt auch die Entwicklung und Produktion von größeren Lieferfahrzeugen und mittleren Pick-ups für die Volkswagen AG, während die sich auf die City-Transporter für beide Unternehmen konzentriert.

    foto: guido gluschitsch
    Anscheinend bekommen die Elektriker ein leuchtendes Logo.

    Man darf also erwarten, dass die heuer geschlossene Allianz im Nutzfahrzeugbereich zwischen Ford und Volkswagen etwas länger halten wird, als die 2011 begonnene Zusammenarbeit mit Toyota. Damals ging es darum, ein neues Hybrid-System für kleine Transporter und Geländewagen zu entwickeln. Nach zwei Jahren Machbarkeitsprüfung endete die Kooperation. Und trotzdem hat sie ihre Spuren hinterlassen. So ist der Hybrid-Antrieb im Mondeo dem im Prius sehr ähnlich. Und nun wird dieser auch im Kombi verbaut – womit Ford den einzigen Voll-Hybrid-Kombi im Segment anbietet. Das vor allem, um eine Alternative bei der derzeit sinkenden Begeisterung für Dieselantriebe zu haben.

    48-Volt-Mild-Hybride

    In den Segmenten darunter startet Ford mit der 48-Volt-Technik. Fiesta und Focus kommen als Mild-Hybride mit einem riemengetriebenen Startergenerator und 1.0 EcoBoost-Benziner. Letzter bekommt einen größeren Turbolader, was aber kein Turboloch zur Folge hat, weil der Elektromotor die Lücke mehr als nur füllt. Ford verspricht die Kraft eines 1,5-Liter-Motors mit dem Verbrauch eines 1,0-Liter-Motors. Diesen Antrieb stellt Ford übrigens auch für den Transit und den Transit Custom zur Verfügung, wie auch für den neuen Kuga.

    foto: guido gluschitsch
    Fiesta und Focus kommen als Hybride.

    Auch diesen zu präsentieren, hielt sich Ford für sein "Go-Further"-Event auf, bei dem man die Zukunftsperspektiven aufzeigt – wohl auch, weil die Aufmerksamkeit abseits der großen Automessen doch größer ist.

    foto: guido gluschitsch
    Der neue Kuga.

    Der neue Kuga nähert sich optisch stark der aktuellen Designsprache bei Ford an. Es wird ihn als sportlichen ST Line und noblen Vignale geben, als Mild-Hybrid wie Focus und Fiesta, als Voll-Hybrid wie den Mondeo und auch als Plug-in-Hybrid wie den Transit und den Tourneo Custom.

    foto: guido gluschitsch
    Der Explorer ist ein Riese auf Rädern und kommt als Plug-in-Hybrid mit 450 PS und 850 Nm.

    Noch eine weitere Variante des Plug-in-Hybrids stellt Ford vor. Und damit auch noch einen neuen SUV, den Explorer. Ein Koloss von einem Auto, mit sieben Sitzen und selbstbewusstem Design. Den Plug-in-Hybrid aus dem Transit konnte man nicht verwenden, weil man keine Abstriche beim Allradantrieb machen wollte. So erfand man das ganze Werkel einfach noch einmal neu.

    Jetzt arbeiten ein Elektromotor mit 74 kW (100 PS) und ein 350 PS starker V6-Turbo-Benziner zusammen, schaffen eine Systemleistung von 331 kW (450 PS) und drücken gemeinsam ein Drehmoment von 850 Nm ab. Wir würden aber hier von keinem Ford reden, wenn das Hauptaugenmerk bei der Entwicklung für den europäischen Markt wohl gar nicht beim Antrieb, sondern vielmehr beim Fahrwerk lag.

    foto: guido gluschitsch
    Den neuen Puma wollte man noch nicht so direkt dem Scheinwerferlicht aussetzen.

    Doch noch immer nicht genug der Neuerungen bei Ford. Denn mit dem Mustang im Hinterkopf hat man einen Performance-SUV entwickelt, der rein elektrisch angetrieben wird. Zu viele Details dazu will Ford noch nicht verraten. Weil das nicht so leicht ist, da jetzt abzulenken, zeigte man das erste Mal den neuen Puma, der 2020 kommen wird. Kein kleines Coupé wie damals in den 1990ern, sondern ein Crossover-SUV, ein Mild-Hybrid mit 155 PS. (Guido Gluschitsch, 12.4.2019)

    Weiterlesen

    Ford Mustang Bullitt: Ehrlich fährt am lärmsten

    VW e-Crafter: Wenn der Postmann leise tingelt

    Link

    Ford

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

    Share if you care.