Forscher: Ab 20 Minuten im Grünen sinkt das Stresslevel

    7. April 2019, 11:00
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    "Naturpille" beinhaltet allerdings den Verzicht auf Handy, Bücher oder Gespräche

    foto: apa/dpa
    Naturgenuss ohne Ablenkung: So kehrt laut US-Forschern Entspannung ein.

    Ann Arbor – In einen Park oder noch besser in den Wald zu gehen, um zu entspannen, ist nicht gerade ein Geheimtipp. Forscher der Universität Michigan haben nun aber versucht, den Effekt, den ein Aufenthalt im Grünen auf uns hat, etwas genauer zu messen. "Wir wissen bereits, dass es Stress reduziert, wenn man Zeit in der Natur verbringt", sagt die Ökologin MaryCarol Hunter, Hauptautorin der Studie, die in "Frontiers in Psychology" erschienen ist. "Bislang war aber unklar, wie lange und wie oft man in die Natur gehen sollte und auch, welche Art von Naturerfahrung uns nützt."

    Das "Stresshormon" Cortisol wird in der Nebennierenrinde hergestellt und in der Leber abgebaut. Dauerhaft erhöhte Cortisolwerte, etwa durch chronischen Stress, werden mit Übergewicht, einer Schwächung des Immunsystems, Herz-Kreislauf-Störungen, Depressionen und einer Reihe weiterer Erkrankungen in Verbindung gebracht. In seiner Untersuchung kam Hunters Team zum Ergebnis, dass schon 20 bis 30 Minuten in einer Umgebung, die einem ein Gefühl von Natur vermittelt, ausreichen, um den Cortisolspiegel im Körper zu senken. Hunter spricht von einer "Naturpille".

    Das Experiment

    Die Wissenschafter verordneten einer Gruppe von 36 Freiwilligen mindestens dreimal pro Woche Spaziergänge in der Natur mit einer Dauer von zehn Minuten oder mehr. Vor, während und nach dem Experiment wurden die Cortisolwerte der Teilnehmer durch Analyse einer Speichelprobe bestimmt.

    Die Freiwilligen konnten den Tag, die Dauer und den Ort ihres Naturerlebnisses selbst bestimmen, damit es zu ihrem individuellen Lebensstil passte. Sie mussten allerdings einige Stressfaktoren minimieren: "Sie sollten die Naturpille bei Tageslicht nehmen, keine sportlichen Übungen machen und Social Media, das Internet, Telefonanrufe, Unterhaltungen und Lesen vermeiden", führt Hunter aus.

    Die Untersuchung ergab, dass schon 20 Minuten Naturerlebnis genug waren, um den Cortisolspiegel deutlich zu senken. Am stärksten sank der Stresshormonspiegel, wenn die Teilnehmer etwa 20 bis 30 Minuten sitzend oder gehend im Grünen verbrachten. Die Forscher hoffen nun, dass ihr Versuch die Wirksamkeit der "Naturpille" unterstreicht: als kostengünstiges therapeutisches Mittel zur Eindämmung der negativen Auswirkungen urbanen Lebens, das viele in geschlossenen Räumen und vor Bildschirmen verbringen. "Ärzte könnten unsere Ergebnisse als evidenzbasierte Faustregel dafür verwenden, was in der Verschreibung einer 'Naturpille' enthalten sein muss", so Hunter.

    Ergebnis würde ins Bild passen

    Die Daten reihen sich in eine wachsende Zahl von Untersuchungen ein, die die positiven Effekte eines Aufenthalts in der Natur oder speziell eines Waldspaziergangs belegen. So stellte der schwedische Forscher Roger Ulrich schon 1984 fest, dass sich allein der Anblick von Bäumen positiv auswirke: Patienten, die nach einer Operation aus dem Krankenhausfenster auf Grün schauten, hätten weniger Schmerzmittel benötigt und seien schneller genesen.

    2015 ergänzte der US-amerikanische Umweltpsychologe Marc Berman, dass die Anzahl von Bäumen in einer Wohngegend die Gesundheit der Bewohner beeinflusst. Wer in grüneren Gebieten wohnte, litt seltener an Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes. Zuvor hatte eine japanische Studie ergeben, dass regelmäßige und ausgedehnte Waldspaziergänge das Immunsystem fördert.

    In Japan ist das "Shinrin-yoku", also das "Baden im Wald", gar Teil der staatlichen Gesundheitsversorgung, "Waldmedizin" ist seit 2012 ein eigener Forschungszweig an japanischen Universitäten. Hier wird auch erforscht, welche Faktoren genau für die positiven gesundheitlichen Effekte sorgen. So ist noch unklar, ob es etwa an der Luft des Waldes liegt oder an der speziellen Vegetation. (APA, red, 7. 4. 2019)

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