Journalismus, der Lösungen sucht

6. April 2019, 17:09
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"Solutions Journalism": Probleme und Wege zur Abhilfe

Journalisten suchen schlechte Nachrichten, Probleme und lassen ihre Leser in einem Vakuum der Hilflosigkeit zurück. 64 Prozent der unter 35-Jährigen aber ziehen lösungsorientierte Berichterstattung traditionellem Journalismus vor. Zu diesem Ergebnis kommt die BBC in einer Publikumsumfrage.

Beim Journalismusfestival in Perugia (3. bis 7. April 2019) diskutierten vier Journalisten und Aktivisten "Solutions Journalism", lösungsorientierten Journalismus: Jeremy Druker, Geschäftsführer von Transition, einer Non-Profit Medienentwicklungsorganisation aus Tschechien, Samantha McCaan, Vizepräsidentin des Solutions Journalism Network, Jakub Gornicki, Mitgründer des polnischen Outriders, und Sorana Stanescu, Chefredakteurin von DoR (Decât o Revistă) in Rumänien, die sich an dem zielgerichteten, auf eine Lösung hinarbeitenden Ansatz orientieren.

Menschen mobilisieren

Solutions Journalism will Menschen motivieren, sich mit sozialen und gesellschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen und sich zu engagieren. Die Idee: Journalisten könnten über Probleme und Missstände berichten und zugleich über Menschen und Organisationen, die daran etwas ändern wollen. Samantha McCaan verweist auf einen Bericht über das verheerende Erdbeben in Mittelitalien 2016, der ebenso schildert, wie zerstörte Städte in der Vergangenheit rekonstruiert wurden.

Lösungen für den ORF

Die Plattform Solutions Journalism Network will Journalisten ihren Grundgedanken in Workshops vermitteln. 2018 haben McCaan und Druker "Solutions Journalism" in Wien 20 Journalisten des ORF vorgestellt, in Kooperation mit der NGO Ashoka.

Die Organisation dokumentiert in ihrem "Solutions Journalism Tracker" Stories, die den Kriterien ihres Ansatzes entsprechen. Derzeit sind das 5828 Artikel aus 160 Ländern.

Zwischen Journalismus und PR

"Bei einer neuen Bewegung muss man vorsichtig sein, wie man was labelt", erklärt Chefredakteurin Sorana Stanesco des rumänischen Magazins "DoR". Die Redaktion erzählt Geschichten, die in der Regel positiv für den Protagonisten enden.

Stanesco räumt ein, dass Solutions Journalism durchaus in die Nähe von Campaigning und Lobbying kommen kann – was jedoch dem Grundgedanken nicht im Weg stehen dürfe. "Bei Solutions Journalism kommt es vor allem auf die Qualität der Berichterstattung an. Und der Tonfall ist entscheidend", entgegnet Druker – die Leser sollen nicht das Gefühl bekommen, belehrt zu werden.

Gegen die Spaltung der Gesellschaft

Der Mitgründer von "Outriders", Jakub Gornicki, sieht die Aufgabe von Journalisten darin, die Menschen wieder zusammenzubringen. In seinem Heimatland Polen gibt es eine starke Polarisierung zwischen linken und rechtem Gedankengut, die von den traditionellen Medien verstärkt werden. Das Berichten über Gemeinsamkeiten, statt über Unterschiede, könne das Vertrauen in die Medien wieder stärken.

Druker wie Gornicki berichten von Schwierigkeiten, ihre journalistischen Projekte zu finanzieren. Sie setzen vor allem auf Crowdfunding und Unterstützung von Unternehmen und Organisationen.

Solutions Journalism befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Die Idee dahinter ist, durch die dargestellten Fakten Menschen zu mobilisieren, ohne PR für Institutionen oder Organisationen zu machen. (Julia Dvorin, 6.4.2019)

Julia Dvorin studiert Content-Produktion und digitales Medienmanagement. Im Rahmen ihrer Bachelorarbeit setzt sie sich gegenwärtig mit verschiedenen Auslegungen der Pressefreiheit auseinander.

Zum Projekt: Vom Internationalen Journalismusfestival in Perugia berichten Studierende des Studienbereichs für Journalismus und Medienmanagement der FH Wien der WKW. >>> Mehr hier im Schwerpunkt über Perugia.

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