"Kläranlage" fürs Auge: Wie Pflanzenwände unser Wasser säubern

    8. April 2019, 07:00
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    In den Hotels dieser Welt wird jede Menge Süßwasser verbraucht – eine Erfindung eines Wiener Forschungsunternehmens reinigt verschmutztes Wasser mithilfe von Pflanzenwänden

    Sie schmücken Fassaden und Wände im Inneren, sind hübsch anzusehen und lösen auf ökologisch saubere Weise ein drängendes Problem der heutigen Zeit: Vertikale "Kläranlagen", die Abwasser durch mikrobiologische Aktivität in den Wurzeln von Pflanzen reinigen und in wiederverwertbares Wasser verwandeln. Erfunden und im Rahmen eines Forschungsprojektes entwickelt vom auf naturbasierte Technologien spezialisierten Wiener Forschungsunternehmen alchemia-nova, kommen die grünen Kläranlagen derzeit in einem spanischen Hotel zum Einsatz. Mit so gutem Ergebnis, dass sich mittlerweile auch andere Hotels und Campingplatz-Betreiber für die buchstäblich grüne Technologie interessieren.

    Kostbares Gut

    Das spanische Pilotprojekt ergab sich aus der besonderen Situation vor Ort: In die Region kommen jeden Sommer tausende Touristen auf Urlaub und verbrauchen viel kostbares Süßwasser – Süßwasser, das dort im Sommer rar ist und zusehends rarer wird. Das hat zur Folge, dass für landwirtschaftliche Produktion zu wenig Wasser zur Verfügung steht.

    foto: alchemia-nova

    Kreislaufwirtschaft als Prinzip

    Die vertECO genannte "Kläranlage" aus Pflanzen funktioniert nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft – es kommt völlig ohne Chemie aus und recycelt Abwasser von Duschen, Bädern und Handwaschbecken so weit, dass damit Toiletten gespült, Gärten bewässert und Kleidung gewaschen werden kann. Die Erfinder der vertECO-Technologie arbeiten nach eigenen Angaben mittlerweile daran, "dass in Zukunft schmutziges Wasser in Trinkwasser verwandelt werden kann." Durch den Einsatz der vertikalen Kläranlage könne der Wasserverbrauch eines Gebäudes um bis zu 50 Prozent verringert werden, während durch die Nutzung pflanzlicher Photosynthese nur sehr wenig Energie für die Abwasserreinigung verbraucht werde.

    Reinigt Wasser und Gewissen

    Das System reinigt aber nicht nur Wasser und Gewissen – es ist auch äußert hübsch anzusehen. Etwa als begrünte Wand in Innenräumen oder als grüne Hausfassade. So eine kann man sich demnächst ansehen – an jener Villa in Wien Penzing, in der alchemia-nova seinen Sitz hat und in deren Keller die grüne Kläranlage entwickelt wurde. "Die grüne Fassade verbessert sogar die Isolierung der Außenwände eines Hauses – es ist eine sehr kraftvolle naturbasierte Technologie", sagt Johannes Kisser, CEO von Alchemia Nova. (lima, 8.4.2019)

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