Pilotenloses Flugtaxi hob erstmals in Wien ab

    Ansichtssache4. April 2019, 15:18
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    Sicher, aber laut: Autonome Flugtaxis bestanden in der Generali-Arena in Wien die Feuertaufe mit "Passagieren"

    Einmal abheben, das konnten Medienvertreter mit einem unbemannten Fluggerät – dem Ehang 216 – am Donnerstag in Wien-Favoriten. In der dortigen Generali-Arena bewegte sich das elektronisch betriebene Vehikel mehrmals mehrere Dutzend Meter in die Luft, ehe es wieder sicher auf dem Boden landete.

    Was wie ein technisches Spielzeug wirkt, soll das nächste große Ding werden. So sehen es die Hersteller, so sieht es der Verkehrsminister. Noch vor der nächsten Nationalratswahl will norbert Hofer (FPÖ) die in regulatorischer Hinsicht komplexe Materie so weit geregelt haben, dass die Flugtaxis abheben. Denn derzeit stehen dem realen Flugbetrieb noch regulatorische Hürden im Weg.

    der standard

    Wir werden die Ersten sein – so lautet in Sachen Flugtaxi die Devise, die Norbert Hofer am Donnerstag erneut ausgab. Noch vor der Nationalratswahl 2022 sollen der Bevölkerung erste Flüge mit den pilotenlosen Passagierdrohnen angeboten werden, sagte der Verkehrsminister in der Generali-Arena. Dort konnten sich Medienvertreter davon überzeugen, dass das Gerät – ein autonom fliegendes, elektrisch betriebenes Lufttaxi – tatsächlich fliegt.

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    apa/punz

    "Keine Angst, es funktioniert" und sei quasi supersicher, so Hofer. Und: "Vertrauen Sie mir, Sie werden sich danach anders fühlen." Dass das Konzept sich als Flop erweist, glauben die Beteiligten nicht. Man denkt etwa an den Geschäftsmann, der gerne ein bisschen mehr bezahlt, um rasch mit dem Lufttaxi vom Meeting in der Innenstadt zum Flughafen zu surren – auf einer Art definierter Luftstraßen und 50 bis tausend Meter über dem Boden.

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    regina bruckner

    Einmal mehr trat der Luftfahrtzulieferer FACC gemeinsam mit dem chinesischen Partner Ehang und ProSiebenSat1Puls4 vor die Medienvertreter, um die Werbetrommel für diese Art der Mobilität zu rühren. In den nächsten zwei Jahren sollen bei FACC im Innviertel 300 Einheiten gebaut und weltweit ausgeliefert werden.

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    regina bruckner

    Das aktuelle Modell ist nicht made in Austria, es wurde per Schiff nach Österreich transportiert. Das erste Gerät aus heimischer Produktion soll aber noch vor Jahresende fertig sein. Abnehmer für die ersten serientauglichen Geräte gibt es in Asien, dort haben mehrere hundert Kunden schon bestellt. Der Standort Österreich soll von den Fluggeräten, designt in China, hergestellt in Österreich, profitieren, sind alle Beteiligten überzeugt. 50 Leute sind im Innviertel derzeit für den Ehang abgestellt, siebenmal so viele sollen es 2023 sein, die Wertschöpfung wird laut FACC zur Hälfte in Österreich generiert.

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    regina bruckner

    Bis 2020 soll Ehang 216 serienreif sein. In China ist der elektrisch betriebene Prototyp des "Autonomous Aerial Vehicle" (AAV) bereits im Testeinsatz. Der Preis: rund 300.000 Euro. Zwei Personen und kleinere Gepäckstücke finden Platz. Sind beide Passagiere korpulenter, wird es durchaus eng, wie der Testflug zeigt. Leise sind die Geräte nicht, vor allem beim Starten und Landen.

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    apa/punz

    Derzeit sind sie zwar leiser als eine Fotodrohne, allerdings soll die Lärmentwicklung noch verbessert werden. Aus einer Distanz von 50 Metern höre man sie kaum, schwört Derrick Xiong, Co-Gründer von Ehang in Wien. Künftig sollen sie aus einer Distanz von 15 bis 20 Metern kaum hörbar sein. Dass Ehang sich ausgerechnet einen Partner in Österreich gesucht hat, erklärt er mit den positiven Signalen, die er hierzulande in Sachen Drohnen vernimmt.

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    apa/punz

    Weltweit werden derzeit solche Fluggeräte entwickelt. Deutschlands Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat vor rund einem Monat erklärt, sehr schnell rechtliche Rahmenbedingungen für den Einsatz sogenannter Lufttaxis in Deutschland schaffen. Dabei hat allerdings neben den nationalen Behörden die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Österreich werde jedenfalls schneller sein, zeigt sich Norbert Hofer überzeugt.

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    apa/punz

    Geht es nach Hofer, wird Österreich künftig mit Drohnen mindestens so sehr in Verbindung gebracht wie heute die USA mit dem Flugzeugbauer Boeing. Die Einreichfrist für ein entsprechendes Testgelände hierzulande ist Ende März abgelaufen. Bis Jahresende soll laut Hofer eine Entscheidung getroffen werden. Hofer kann sich zunächst einen innerstädtischen Betrieb vorstellen. Ehang-Gründer Xiong nimmt das Engagement des Verkehrsministers jedenfalls höchst wohlwollend zur Kenntnis: "Er liebt das Fliegen." (Regina Bruckner, 4.4.2019)

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