Distanzierung von Identitären: In der FPÖ-Kernwählerschaft brodelt es

    Video4. April 2019, 06:00
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    Jedwede Distanzierung von den rechtsextremen Identitären sorgt bei FPÖ-Fans in sozialen Medien für Aufruhr

    FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache steht vor einem Dilemma: Einerseits fordert der Koalitionspartner öffentlich eine Distanzierung der Freiheitlichen von der rechtsextremen Identitären Bewegung, andererseits würde das bei der Kernwählerschaft und den eifrigen Unterstützern der FPÖ für Ärger sorgen. Schon jetzt sorgen die Aussagen von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), die geplante Berichtspflicht der Nachrichtendienste an ihn und die Behauptung der FPÖ, eine Mitgliedschaft bei den Identitären stehe im Widerspruch zu Parteifunktionen, für Unmut. Das zeigt ein Blick auf einschlägige Facebook-Gruppen, in denen sich Blaue online vernetzen.

    Dort wird Kurz vermehrt als "Jünger" des Spekulanten und Philanthropen George Soros verunglimpft. Soros ist für Rechtsextreme ein Feindbild, wobei die Kritik an ihm oftmals antisemitische Narrative einsetzt.

    foto: heribert corn
    Bei enthusiastischen FPÖ-Wählern stehen die Identitären hoch im Kurs.

    Türkise Wahlkampfstrategie?

    Ein weit rechts außen stehendes Portal veröffentlichte etwa einen "Satire"-Text, in dem Strache seinen "Papa Kurz" fragt, ob er "mit Freunden spielen" dürfe. Der antwortet, dass er "aber nicht mit diesem Sellner", gemeint ist der Identitären-Chef Martin Sellner, verkehren dürfe. Strache hat diesen rechtsextremen Blog in der Vergangenheit schon selbst geteilt; ebenso wie Videobeiträge des Ex-BZÖ-Politikers Gerald Grosz. Der spricht in seinem neuesten Beitrag davon, dass Kurz "den Koalitionspartner im Hinblick auf die EU-Wahl in Bedrängnis" bringen wolle. Dieses Video wurde wiederum vom Welser Bürgermeister Andreas Rabl (FPÖ) verbreitet. Auch in anderen Beiträgen in FPÖ-Fangruppen ist die Rede davon, dass die Aufregung um die Identitären von Kurz inszeniert wird, um der FPÖ Stimmen abzugraben.

    Die auf den ersten Blick massive, weil womöglich koordinierte Kampagne dürfte mit ein Grund dafür sein, dass Strache und die FPÖ nun nicht mehr so klar gegen die Identitären auftreten. (Fabian Schmid, 4.4.2019)

    der standard
    Rechtsextremismus-Experte Andreas Peham und der ehemalige FPÖ-Spitzenpolitiker Ewald Stadler diskutierten in einer DER STANDARD Live-Debatte über die Verbindungen zwischen FPÖ und den Identitären.
    • Bei enthusiastischen FPÖ-Wählern stehen die Identitären hoch im Kurs.
      foto: heribert corn

      Bei enthusiastischen FPÖ-Wählern stehen die Identitären hoch im Kurs.

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